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Schauspieler im Gespräch

1985: Interview mit Hilde Krahl

"Da muss man so ziemlich alles können" - Hilde Krahl über ihr Debüt beim Kabarett "Literatur am Naschmarkt"

Hilde Krahl auf dem Flughafen Tempelhof in West-Berlin (1961)

Hilde Krahl auf dem Flughafen Tempelhof in West-Berlin (1961).

Ihrer Karriere wird oft von der deutschsprachigen Presse vor allem Beständigkeit bescheinigt. Und schon alleine dies ist ein großer Erfolg, denn sie dauerte 60 Jahre. Hilde Krahl konnte beim Theater auf ein Rollenspektrum zurück blicken, das von der Klassik bis zur Moderne reichte. Und auch der deutsche Film entdeckte sie recht früh für die Leinwand.

Bei Anna Lamberg-Offer

Hilde Krahl in dem Film Der Weibsteufel (1951).

Hilde Krahl in dem Film "Der Weibsteufel" (1951).

Geboren wurde Hilde Krahl am 10.01.17 im kroatischen Brod an der Save, kam aber mit ihren Eltern im Alter von einem Jahr nach Wien. Nach dem Abitur studierte sie zunächst an der Wiener Musikakademie, doch schnell wechselte sie an die Schauspielschule von Anna Lamberg-Offer. 1936 war es nun so weit: Hilde Krahl debütierte zunächst am Kabarett "Literatur am Naschmarkt", und noch im gleichen Jahr wurde sie an der Wiener Reinhardt-Bühne des Theaters in der Josefstadt engagiert. Dieses Engagement sollte dreißig Jahre andauern. Und bald sollte Hilde Krahl nach Berlin gehen, wo sie zwar ab 1938 Theater spielte – bis 1944 war sie am Deutschen Theater - ihre eigentliche Karriere aber ihren Anfang beim Film fand.

"Das Leben geht weiter"

Die Filmkarriere von Hilde Krahl bahnte sich in kürzester Zeit an. Nach nur wenigen Streifen – darunter etwa dem Film "Serenade" von Willy Forster und der österreichischen Komödie "Lumpacivagabundus" von Géza von Bolváry – spielte die junge Schauspielerin 1940 in der Verfilmung der Erzählung von Alexander Puschkin "Der Postmeister". Kein geringerer der damaligen Filmgrößen, als Heinrich George hat die Rolle des Postmeisters übernommen. Hilde Krahl spielte dort den Part der Dunja. Es entstanden noch weitere Filme mit ihr während der Nazi-Zeit, doch einer von ihnen wurde unter skurrilsten Umständen produziert und bleibt bis heute verschollen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 24.10.02 weiß unter anderem folgendes zu berichten: "Weil Schauplätze des Films wie etwa der Stettiner Bahnhof zerstört sind, werden sie auf Goebbels Geheiß in den Babelsberger Filmstudios nachgebaut. … Selbst im Bombenhagel wird noch gedreht." Gemeint ist hier der letzte Durchhaltefilm der Nazis: "Das Leben geht weiter", der noch bis zum 16.04.45 gedreht wurde. Es war zugleich das letzte "Filmprojekt" des Propagandaministers der Nazis. Hilde Krahl wurde die Rolle der Gundel Mertens übertragen. Die Regie führte damals ihr Gatte Wolfgang Liebeneiner. Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete für viele Schauspieler den Neuanfang, so auch für Hilde Krahl. Es sollte vor allem wieder das Theater sein, dem sie sich zunächst widmete.

Hilde Krahl (hier 1992) hatte in ihren letzten Jahren in Wien gelebt.

Hilde Krahl (hier 1992) hatte in ihren letzten Jahren in Wien gelebt.

Die Nachkriegsjahre

Das erste Nachkriegsengagement bekam Hilde Krahl an den Hamburger Kammerspielen. Dort war sie in den Jahren 1945 – 1954 unter der Intendantin Ida Ehre tätig. Noch am Anfang der 50er-Jahre kehrte sie auch an das Theater in der Josefstadt in Wien zurück. Ihre Theaterkarriere führte sie unter anderem über die Bühnen in Zürich, Düsseldorf, Ludwigshafen oder auch Berlin. Sie absolvierte auch zahlreiche Tourneen und übernahm nicht selten Gastrollen. Auch der deutschsprachige Film der Nachkriegsjahre griff immer wieder gerne auf das darstellerische Können von Hilde Krahl zurück. Unvergessen bleiben unter anderem ihre Leistungen in solchen Filmen wie "Herz der Welt", in dem sie die Rolle der ersten Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner übernahm, oder auch ihre Darstellung der Lady Churchill in dem Film "Das Glas Wasser" von Helmut Käutner. An die fünf Dutzend Filme zählt man in der Filmografie von Hilde Krahl. Noch im Alter von knapp 80 Jahren stand sie vor der Kamera: so war sie zuletzt in der RTL-Serie "Bruder Esel" in der Rolle der Hilde Spengler zu sehen. Ein solch intensives schauspielerisches Leben wurde auch mit zahlreichen Ehrungen belohnt. So wurde Hilde Krahl unter anderem mit dem Goldenen Bambi und dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Die Schauspielerin starb am 18.06.99 in Wien.

Im Januar 1985 sprach DW-Mitarbeiterin Ursula Deutschendorf mit Hilde Krahl über ihre Arbeit beim Theater und Film.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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