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Schauspieler im Gespräch

1978: Interview mit Maria Paudler

"Nun wusste ich, dass die Sache vom Propagandaministerium kam" - Maria Paudler über ihr Berufsverbot während der Nazizeit

Maria Paudler wurde am 26.6.82 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet

Maria Paudler wurde am 26.6.82 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet

Knapp fünf Dutzend Filme zählt die Onlinefilmdatenbank ofdb.de auf, in denen sie mitgewirkt hat, das erste Mal stand sie 1926 vor der Filmkamera, das letzte Mal war sie 1977 in einem Film zu sehen. Dazwischen liegen knapp fünfzig Jahre einer Karriere, die nicht nur beim Film, sondern auch an verschiedenen Theaterbühnen  ihre Entwicklung fand. Maria Paudler stieg im Laufe der Jahre zu  einer Schauspielerin auf, die sowohl in klassischen und modernen Rollen,  als auch in Gesellschaftsstücken, im Kabarett  und sogar in großen Operetten zu Hause war.

Eine vielbeschäftigte Schauspielerin

Maria Paudler in dem Film Mein Freund Harry (1928)

Maria Paudler in dem Film "Mein Freund Harry" (1928)

Geboren wurde Maria Paudler am 20.6.1903 in Bodenbach in Böhmen. Dort besuchte sie eine Handelsschule und danach eine Nähschule, bevor sie ihre Ausbildung an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Prag begann. Ihre schauspielerische Laufbahn begann als Gretchen in Goethes "Faust" am Stadttheater in Aussig im Alter von siebzehn Jahren, doch bald kam sie an das Landestheater in Prag. Und es sollten nur zwei Jahre verstreichen, bis sie Leopold Jessner an das Berliner Staatstheater holte. Nun konnte der Aufstieg beginnen: sie spielte unter solchen Größen der damaligen Zeit wie etwa Gustaf Gründgens oder Erich Engel. Bald interessierten sich nicht nur andere Berliner Bühnen für die junge Schauspielerin, sondern auch das Wiener Theater in der Josefstadt oder auch das Deutsche Theater in München. Aus Maria Paudler wurde eine vielbeschäftigte Schauspielerin, die auch sehr schnell für den Film entdeckt wurde. Die Chance kam 1926: kein geringerer als einer der damaligen Regiestars, Alexander Korda – damals noch nicht geadelt – vertraute ihr eine Rolle in seinem Film "Madame wünscht keine Kinder" an. Es war die Geschichte eines biederen Junggesellen, der schließlich eine Charlestonenthusiastin heiratet – der Konflikt war vorprogrammiert.  Und es sollten bis Kriegsende über fünfzig Filme entstehen, bei denen Maria Paudler mitwirkte.

Eigenes Theaterensemble

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Maria Paudler 1945 nach Dresden und setzte ihre schauspielerische Tätigkeit fort, wobei sie sich auch als Regisseurin betätigte. Ein schwerer Autounfall 1948 drohte ihre Karriere vorzeitig zu beenden, doch nach drei Jahren Zwangspause konnte sie wieder die Theaterbretter betreten. Über Berlin kam Maria Paudler 1950 nach Hamburg und baute ein eigenes Theaterensemble auf, mit dem sie auf Deutschland-Tournee ging. Auch hier betätigte sie sich als Darstellerin und Regisseurin. So inszenierte sie unter anderem solche Stücke wie "Pygmalion" oder auch  "Im weißen Rössl". Auch der Nachkriegsfilm hatte für Maria Paudler einige Rollen zu bieten. Bereits ein Jahr nach ihrer Übersiedlung stand sie vor der Kamera in der Komödie „Professor Nachtfalter“ von Rolf Meyer. Und es sollten noch weitere Filme folgen, in denen die Schauspielerin mitwirkte. "Keine Angst vor großen Tieren", "Grabenplatz 17", „Schönes Wochenende“ oder „Eine Liebesgeschichte“ sind nur einige von ihnen. Und auch das Fernsehen hatte Verwendung für Maria Paudler: so trat sie etwa in den Reihen "Der Kommissar", "Frei nach Mark Twain" oder auch "Polizeiinspektion 1" auf. Dabei vernachlässigte sie keineswegs das Theater. So war sie etwa in "Erinnerst Du Dich?" von Paul Osborn im Hamburger Künstlertheater,  in Heidelberg als "Virginia Woolf" oder in Mannheim in "Frau Warrens Gewerbe“ von George Bernard Shaw zu sehen. Für ihre Verdienste am deutschen Film wurde Maria Paudler mit 1982 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Sie starb am 17.8.90 in München. In seinem Nachruf vom 23.8.90 schrieb "Der Tagespiegel" unter anderem über sie: "… eine liebenswerte Schauspielerin aus Böhmen mit Wiener Scharm".

Im April 1978 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Maria Paudler über einige Stationen ihrer Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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