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Schauspieler im Gespräch

1971: Interview mit Ursula Herking

"Du bist eine komische Nudel, willst du zu mir kommen?" - Ursula Herking erinnert sich an ihre erste Begegnung mit Werner Fink vom Kabarett "Die Katakombe"

Ursula Herking gehörte zu den Gründern der Münchner Lach- und Schießgesellschaft (hier das Ensemble 1965, ohne sie)

Ursula Herking gehörte zu den Gründern der Münchner Lach- und Schießgesellschaft (hier das Ensemble 1965, ohne sie)

Die Anzahl der Filmrollen, die sie übernahm, ist imposant: diese Schauspielerin spielte in über zehn Dutzend Filmen mit. Sie spielte aber auch Theater und war vor allem eines: eine leidenschaftliche Kabarettistin. Insbesondere auf diesem Gebiet feierte Ursula Herking ihre großen Erfolge und stieg zu einer "ungeniert resoluten Grande Dame der Kleinkunst" auf, wie die "Stuttgarter Zeitung" vom 19.11.74 schrieb.

Erste Schritte

Zur Welt kam Ursula Herking am 28.1.1912 in Dessau, wo sie bis zu ihrem 14. Lebensjahr lebte. Nach dem Tod ihrer Eltern wuchs sie in Weimar auf und besuchte dort das Realgymnasium. Später kam sie auf die Staatliche Schauspielschule Berlin, an der sie 1930 ihre Abschlussprüfung abgelegte. Eine nun ausgebildete Schauspielerin hielt jetzt Ausschau nach einem Debüt auf im Theater. Und das kam bald für Ursula Herking am Friedrich-Theater in Dessau. Dort blieb sie vier Jahre lang, bis sie schließlich nach Berlin kam, um dort ihr Glück zu versuchen. Doch zunächst musste sich Ursula Herking mit kleinen Nebenrollen an verschiedenen Theatern und beim Film zufrieden geben, bis sie schließlich 1938 am Deutschen Theater und Kammerspiel unter Vertrag genommen wurde. In dieser Zeit machte sie auch ihre Bekanntschaft mit der Kabarettbühne: zunächst in "Chat-Noir" und schließlich in der berühmten "Katakombe" im Keller des Vereins Berliner Künstler. Dort feierte Ursula Herking beachtliche Erfolge, bis das Kabarett von den Nationalsozialisten 1935 verboten wurde.

Schusselige Sekretärin

Ursula Herking war nun gezwungen, ihre Kabarett-Karriere zunächst auf Eis zu legen. Dennoch es blieben ihr noch das Theater und der Film, der immer wieder der Schauspielerin Rollen anzubieten hatte. Doch die Rollen legten sie zugleich als bestens geeignet für den Typ "Trampel, heulselige Dienstmädchen oder schusselige Sekretärin“ fest, wie "Der Spiegel" vom 25.11.74 formulierte. Dieser Rollentyp sollte ihr noch lange anhaften, obwohl sie später auch in Charakterrollen ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellte. 1944 wurde Ursula Herking in Prag in eine Rüstungsfabrik dienstverpflichtet, und es gelang ihr schließlich, sich nach Deggendorf durchzuschlagen. Hier sollte nun ein Neuanfang gemacht werden. München lag nicht mehr weit entfernt.

120 Filmrollen

Zunächst führte der Weg Ursula Herking nach Straubing. Dort arbeitete sie bei der amerikanischen Militärregierung als Dolmetscherin und hatte nun zusammen mit Curd Jürgens die Idee, ein kleines Theater zu gründen - Curd Jürgens soll damals an der Kasse gesessen haben. Dieser Zustand währte jedoch nicht allzu lange, denn 1946 wurde in München das Kabarett "Die Schaubude" gegründet, und nun konnte die Schauspielerin mit großem Erfolg wieder auf die Kleinkunstbühne zurückkehren. Die Theaterbühnen standen ihr wieder offen: am Hebbeltheater und an der Berliner Komödie. Außerdem gehörte sie zu den Gründern des Kabaretts "Kleine Freiheit" und später auch zu den Gründern der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft". Und immer wieder stand sie vor der Filmkamera, und trotzte in zahlreichen Charaktertrollen ihrem anhaftenden Image, für nur einen Rollentyp geeignet zu sein. Im Laufe der Zeit schwoll ihre Filmografie auf über zehn Dutzend Filme an. Beim Fernesehen war Ursula Herking ebenfalls oft zu sehen. Bereits 1967 wurde sie mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet. Ein Jahr vor ihrem Tod veröffentlichte die Schauspielerin ihre Memoiren unter dem Titel "Danke für die Blumen. Damals - gestern - heute". Ursula Herling starb am 17.11.74 in München.

Im April 1971 sprach für die DW Marianne Schickert-Asbrock mit Ursula Herking über ihr bewegtes Leben.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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