Zweite Corona-Welle aus Chinas Nordosten? | Asien | DW | 29.04.2020
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COVID-19

Zweite Corona-Welle aus Chinas Nordosten?

Aus der chinesischen Provinz Heilongjiang werden mehrere neue Cluster von Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die offiziellen Reaktionen sind bislang zurückhaltend, während manche schon ein "zweites Hubei" befürchten.

In China ist das Alltagsleben weitgehend zur Normalität zurückgekehrt, die "Kurve" von neu registrierten COVID-19-Fällen liegt seit Anfang April beständig bei fast Null, wie aus einer aktuellen Grafik der Johns Hopkins Universität hervorgeht.

Allerdings gibt es Meldungen von neuen Infektionen in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang, die in der Bevölkerung Sorgen vor einer "zweiten Welle" schüren: "Ganz klar, Heilongjiang entwickelt sich zu einem zweiten Hubei", sagte ein  Bewohner namens Qiu aus dem Südwesten der Provinz der DW. In Hubeis größter Stadt Wuhan begann die Epidemie Ende 2019.

Infografik Karte China mit der Provinz Heilongjiang DE

Mehrere Cluster in Heilongjiang

Seit Mitte April sind nach Angaben der staatlichen Gesundheitskommission der Provinz Heilongjiang in mehreren Städten zeitlich und räumlich gehäufte Fälle von Infektionen, sogenannte Cluster, registriert worden. Aktuell (Stand 29.04.) gibt es in der Provinz 553 bestätigte Fälle von COVID-19, 386 davon durch heimkehrende Chinesen aus dem benachbarten Russland. 

Nach Bekanntwerden eines Infektionsclusters in einem Krankenhaus der Stadt Mudanjiang am 18. April verschärften die Behörden die Kontrolle über die Wohnviertel. Am 26. April wurden alle Einwohner von Mudanjiang aufgefordert, ihre Wohnung nur zu verlassen, wenn unbedingt nötig. Auf der online verbreiteten Mitteilung der Stadtverwaltung wird jeder Haushalt aufgefordert, eine Person "mit starkem Immunsystem" aus seiner Mitte auszuwählen, welche die notwendigen Einkäufe erledigen soll. 

China - Suifenhe (Reuters/H. Wu)

Kaum Sparziergänger in Suifenhe, einer Stadt in Chinas Nordost-Provinz Heilongjiang

Drohende Sperrung in Mudanjiang

Weiter war dort zu lesen: "Vom 27. April an wird die Stadtverwaltung Teams zur Disziplinkontrolle auf Streife schicken. Gruppen aus von mehr als drei Personen werden festgenommen. Elektro-Roller sind nicht mehr zum Straßenverkehr zugelassen." Private Pkw dürfen nur mit Sondergenehmigung fahren.

Auch der Zutritt nach Mudanjiang für Bewohner aus anderen Teilen der Provinz ist weitgehend gesperrt. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, Ausnahmen gibt es für kleinere Lebensmittelläden und ähnliche Geschäfte für den Alltagsbedarf.

Ein Bewohner namens Huang sagte der DW, dass die meisten Leute in der Stadt den offiziellen Zahlen mit Skepsis begegneten. "Sie vertrauen diesen Zahlen nicht vorbehaltlos." Im übrigen herrsche Unsicherheit darüber, ob und wann die Behörden die Stadt insgesamt unter Quarantäne stellen und eine Ausgangssperre verhängen werden. "Wir wissen einfach nicht, ob solche Entscheidungen aus politischen Erwägungen oder aufgrund von wissenschaftlich erhärteten Fakten getroffen werden."

China Harbin Ice & Snow Festival Stadt aus Eis (Reuters/Aly Song)

Durch Eisskulpturen im langen Winter weltbekannt: Provinzhauptstadt Harbin

Provinzhauptstadt Harbin auch betroffen

Wie die Pekinger Volkszeitung weiter meldet, werden auch aus der Provinzhauptstadt Harbin mit rund zehn Millionen Einwohnern mehrere Infektionscluster im Umfeld von Krankenhäusern gemeldet. In einem Fall hat ein 87 Jahre alter Patient binnen weniger Tage 78 Personen angesteckt, so dass das Krankenhaus Nr. 2 in Harbin vorübergehend schließen musste.   

In Harbin wurden bislang offenbar nicht so strenge Maßnahmen wie in Mudanjiang ergriffen. Ein Bewohner namens Li sagte der DW: "Die Nachbarschaftskomitees geben jetzt Ausweise aus, welche die Bewohner mit einem Passfoto versehen müssen. Damit müssen sie sich ausweisen, wenn sie ihre Wohnviertel betreten wollen, aber mein Eindruck ist, dass das bislang nicht sehr streng kontrolliert wird. Die lokalen Märkte sind auch noch auf,  wobei fast jeder auf der Straße eine Schutzmaske trägt."

Li  hat, anders als Huang aus Mudanjiang, Vertrauen in die Informationen der Behörden. "Ich glaube, in Harbin hat die Regierung die Lage im Griff. Warum sollte sie also Daten zu COVID-19 fälschen? Das würde nur das Ansehen der Regierung noch mehr beschädigen."

Misstrauen gegen Bewohner

Unterdessen schlägt den Einwohnern von Heilongjiang Ablehnung aus anderen Teilen Chinas entgegen. Huang aus Mudanjiang berichtet der DW von vermehrten gehässigen Posts gegen Leute aus der Provinz. Er befürchtet, dass es für Bewohner aus Heilongjiang schwieriger wird, Jobs in anderen Landesteilen zu finden. Einer seiner Bekannten, der während des Höhepunktes der Epidemie von zu Hause aus gearbeitet hatte, wurde vergangene Woche von seinem Chef sofort zurückgeschickt, als er sich wieder zu seiner Arbeitsstelle in der Nachbarprovinz Shandong begeben wollte.   

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