Zur Buchmesse: Film und Buch I | Kultur | DW | 09.10.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Zur Buchmesse: Film und Buch I

Ein großes deutsches Filmereignis wird auch publizistisch begleitet. Edgar Reitz neuer "Heimat"-Film literarisch und im Bild - vom Regisseur selbst in Szene gesetzt.

Dass "Die andere Heimat" von Edgar Reitz ein paar Tage vor der Eröffnung der Buchmesse in Frankfurt in den deutschen Kinos anlief, ist natürlich Zufall. Ein schöner Zufall, der beiden Medien, Film und Buch, hilft. Gleich zwei Bücher sind pünktlich zum Start der "Anderen Heimat" erschienen. Ein prachtvoller Fotoband sowie eine Filmerzählung, die sich an das Drehbuch anlehnt. Und es gibt noch weitere Parallelen.

Traumland Brasilien

Die Haupfigur im Film von Edgar Reitz neuer "Heimat" träumt vom Auswandern in das ferne Brasilien. Das Land ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse und wer mag, kann sich in dem großen Angebot der Bücher über und aus Brasilien Anregungen holen und darüber ins Nachdenken kommen, warum sich die Deutschen damals, Mitte des 19. Jahrhundert, ausgerechnet dieses südamerikanische Land als Auswanderer-Paradies erträumten. Am Ende ist es nicht Jakob, der über den Ozean zieht, sondern dessen Bruder. Jakob hingegen hat sich andere Fluchtwege aus dem tristen Alltag erschlossen: die Welt der Bücher und die der Literatur.

Filmszene aus DIE ANDERE HEIMAT: Der Aussiedlertreck bewegt sich quer durch den Hunsrück (Foto: Nikolai Ebert/Concorde Film)

Der große Auswandererzug Von Schabbach in die große weite Welt

Schon die früheren Teile der Heimat-Filmserie des Regisseurs wurden begleitet von Büchern zum Film. Schon damals widmete sich Reitz mit viel Liebe und Sorgfalt auch dem anderen Medium. Eigentlich sei es unmöglich, eine Kunstform in eine andere zu übersetzen, schreibt Edgar Reitz in einem Essay, der den Bildband abschließt, und fährt fort: "Ein literarischer Satz kann nicht zu einer Filmszene werden, ohne seine Poesie zu verlieren. Eine Filmszene kann ebenso wenig zu einem Standbild werden, ohne ihre Zeitgeschichte einzubüßen. Dennoch gelingt es hin und wieder, Werke der Literatur kongenial zu verfilmen."

Eine fruchtbare Beziehung

Umgekehrt gelte das auch, wie der Regisseur hinzufügt: "Im digitalen Zeitalter ist es möglich geworden, die Filmszenen selbst nach ausdrucksstarken Momenten zu durchsuchen." Das im Verlag Schirmer/Mosel erschienene Buch "Chronik einer Sehnsucht" tut das auf überzeugende Art und Weise. Wunderbare Fotografien, zumeist in S/W, sind in dem Band enthalten. Man sollte sich zunächst den Film anschauen - im Kino. Die Bücher sind eine gelungene Ergänzung und erlauben die Vertiefung. Ein schönes Zusammenspiel von Film und Buch.

Zum weiterlesen: Edgar Reitz: Chronik einer Sehnsucht - Die andere Heimat: Mein persönliches Filmbuch, Schüren Verlag 2013, 294 Seiten, 19,90 Euro; ISBN: 978-3894728687; Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht, mit zwei Essays von Edgar Reitz und einem Vorwort von Michael Krüger, Schirmer/Mosel Verlag 2013, 220 Seiten, 49,80 Euro, ISBN-13:978-3829606615.

Die Redaktion empfiehlt