Zuckersteuer: Deutschland bleibt süß | Deutschland | DW | 05.04.2018
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Gesundheitsschutz

Zuckersteuer: Deutschland bleibt süß

Großbritannien und Irland besteuern ab Freitag Softdrinks mit besonders viel Zucker. So soll Diabetes und Übergewicht bekämpft werden. Für Deutschland fordern Verbraucherschützer ähnliches. Bislang erfolglos.

Wenn es im Mund perlt und der Zucker einem in die Adern schießt - dann hat man wohl zu Cola oder einem ähnlichen Süß-Getränk gegriffen. Millionen Menschen nehmen auf diese Weise jeden Tag mehr Zucker zu sich, als ihnen bewusst ist. Mehr als vier Stück Würfelzucker stecken allein in einem Glas der meisten Erfrischungsgetränke. Die Schattenseiten eines maßlosem Konsums von Cola und Co.: Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen.

In Großbritannien und in Irland wird der süße Genuss deshalb ab diesem Freitag höher besteuert. Rund 20 Cent "Soft Drinks Industry Levy" pro Liter kassiert dort der Staat, wenn mehr als 50 Gramm Zucker im Spiel sind. Steckt noch mehr Zucker drin, wird eine höhere Abgabe fällig. In mehreren Ländern, darunter Mexiko und Frankreich, haben derartige Abgaben den Konsum von Zuckerlimonaden gesenkt.

Zucker ist die neue Zigarette

Die Verbraucher-Organisation Foodwatch hat die deutsche Regierung aufgefordert, eine ähnliche Regelung auch hierzulande einzuführen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt das jedoch ab. Damit sei nicht gewährleistet, "dass wir das Thema Fehlernährung in den Griff bekommen", so die CDU-Politikerin.

Deutschland Foodwatch Pressekonferenz zum Coca-Cola Report (DW/B. Knight)

Voller Zucker: Foodwatch kritisiert Softdrinks

"Zuckerhaltige Getränke sind die neuen Zigaretten", warnt dagegen Martin Rücker von Foodwatch Deutschland. Auf einer von Foodwatch organisierten Pressekonferenz zum Thema wurde ein "Coca-Cola-Report" vorgestellt, der eingeladene Vertreter von Coca-Cola fehlte jedoch. Foodwatch wirft dem Konzern vor, mit "unverantwortlichem" Marketing gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen.

Wer glaubt an den Weihnachtsmann?

In einem 108 Seiten starken Bericht zeigt Foodwatch, dass der Konzern mit Youtube- und Instagram-Stars Werbung macht, die vor allem bei jungen Leuten ankommen soll. Coca-Cola sagt, dass seine Werbekampagnen sich nicht an Kinder unter 12 Jahren richten. Foodwatch hält dagegen, dass der Coca-Cola-Weihnachtsmann oder die Fußballer als Werbebotschafter auch bei jüngeren Kindern verfangen. "Fußballstars wie Manuel Neuer sind die Idole von Jungs in diesem Land", sagt Oliver Huizinga von Foodwatch. "Wer da behauptet, keine Werbung an Kinder zu richten, der täuscht die Öffentlichkeit."

Patrick Kammerer, Mitglied der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland, nahm die Einladung von Foodwatch zwar nicht an. Er ließ jedoch in einer Stellungnahme wissen:  "Übergewicht ist ein komplexes Phänomen. Einfache Antworten sind verlockend, aber sie lösen das Problem nicht".

CDU-Bundesparteitag (picture-alliance/dpa/B.Von Jutrczenka)

Will keine Zuckersteuer, aber eine "Gesamtstrategie" zur Reduktion von Fett, Zucker und Salz: Julia Klöckner

Trotz jahrelanger Diskussion ist eine ähnliche Abgabe wie in Großbritannien in Deutschland aber nicht absehbar. Foodwatch wirft der Bundesregierung vor, zu sehr auf die Interessen der Zucker-Lobby einzugehen. "Der Gesundheitsschutz von Verbrauchern und die Lebensmittelindustrie werden in einem Ministerium verantwortet", sagt Huizinga. Dies seien jedoch widerstreitende Interessen.

Softdrinks im Wandel

In Großbritannien hatten Hersteller wie Coca-Cola zwei Jahre lang Zeit, sich auf die neue Abgabe vorzubereiten. Warnungen, dass durch die Abgabe der Preis für Verbraucher steigen könnte, haben sich bislang nicht bestätigt. Viele Firmen haben stattdessen zuckerreduzierte Getränke ins Angebot genommen. Der koffeinhaltige Irn-bru-Softdrink aus Schottland stellte zu einem großen Teil auf den Süßstoff Aspartam um. Bevor die Regelung überhaupt in Kraft trat, hat auch Coca-Cola reagiert: die Limonaden Sprite und Fanta stellt der Konzern in Großbritannien bereits mit verringertem Zuckergehalt ins Regal.

 

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