Zehntausende demonstrieren gegen Gewalt an Frauen | Aktuell Europa | DW | 23.11.2019
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Frankreich

Zehntausende demonstrieren gegen Gewalt an Frauen

Allein in Paris gingen etwa 50.000 Menschen auf die Straße, um gegen Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. Die Politik räumte ein, beim Schutz der Frauen versagt zu haben.

Lila Rauch, lila Plakate, lila Schminke: Farbenfroh und laut haben in Frankreich Zehntausende Menschen gegen Gewalt an Frauen und Diskriminierung demonstriert. Landesweit gab es rund 30 Kundgebungen. Die Teilnehmer wollten unter anderem auf die hohe Zahl sogenannter Femizide aufmerksam machen - also Tötungen von Frauen wegen ihres Geschlechts.

Es habe sich um den "größten Marsch der französischen Geschichte" gegen sexistische und sexualisierte Gewalt gehandelt, erklärte eine der Organisatorinnen, Caroline De Haas. Landesweit seien 150.000 Menschen auf die Straße gegangen. Zu den Protesten hatten knapp 70 Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Verbände aufgerufen.

Die Teilnehmer forderten einen besseren Schutz für Frauen. Auf Schildern war unter anderem "Brecht das Schweigen, nicht die Frauen" oder "Aggressoren, Stalker, ihr seid erledigt, die Frauen sind auf der Straße" zu lesen. Die Organisatoren hatten auf Facebook zuvor ein schärferes Vorgehen des Staates bei Verbrechen gegen Frauen gefordert. "Mit diesem Marsch werden wir die Behörden zu angemessenen Maßnahmen zwingen", hieß es.

Mindestens 116 Frauen wurden in Frankreich seit Jahresbeginn von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, wie eine Recherche der Nachrichtenagentur AFP ergab. Aktivisten berichteten sogar von mindestens 137 getöteten Frauen. Im vergangenen Jahr gab es nach offiziellen Angaben 121 Todesopfer. Experten des Europarats hatten Frankreich in dieser Woche einen Mangel an Schutzunterkünften und zu laxe Gesetze vorgeworfen.

Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet hatte das Versagen der öffentlichen Einrichtungen eingeräumt. "Unser System schafft es nicht, diese Frauen zu schützen", sagte Belloubet. Die französische Regierung will Anfang nächster Woche Ergebnisse eines runden Tischs gegen häusliche Gewalt vorstellen.

Unter dem Motto "Nicht eine weniger" gingen auch in Rom Tausende Frauen auf die Straße. An der Spitze marschierten Vertreterinnen von Frauenhäusern und Beratungsstellen. In Italien wurden in diesem Jahr laut Medienberichten 94 Frauen ermordet. Erst am Freitag wurde eine 30-jährige Frau in Palermo von ihrem Liebhaber erstochen.

mir/jj (afp, dpa)

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