WTO: Welthandel wächst langsamer | Wirtschaft | DW | 27.09.2018
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Prognosen

WTO: Welthandel wächst langsamer

Der Welthandel wird in diesem Jahr deutlich weniger wachsen als bisher angenommen, sagt die Welthandelsorganisation. Schuld daran sei der von den USA angezettelte Handelsstreit, in Folge dessen viele Zölle erhöht wurden.

Wegen der von den USA verhängten Strafzölle und den Vergeltungsmaßnahmen der betroffenen Länder hat die Welthandelsorganisation (WTO) ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels deutlich gesenkt.

Für 2018 seien nicht mehr - wie im April geschätzt - 4,4 Prozent, sondern nur noch 3,9 Prozent zu erwarten. Dies erklärte die WTO am Donnerstag. Für 2019 rechnet die Organisation in Genf jetzt mit 3,7 statt 4,0 Prozent Wachstum.

"Einige der im April angezeigten Risiken sind Realität geworden", heißt es in der Schätzung. WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo hatte im April bereits gewarnt, dass eine Eskalation im sich damals schon anbahnenden Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt schwere Folgen haben könnte.

Die USA haben in diesem Jahr Zölle auf Solarpaneele, Waschmaschinen, Stahl, Aluminium und die Hälfte sämtlicher China-Einfuhren verhängt. Betroffen sind unter anderem auch die Europäische Union, Kanada, Mexiko, Südkorea und Indien. Allein gegen China betreffen die US-Zölle inzwischen Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar. Die meisten Länder haben Gegenzölle verhängt, auch die EU.

WTO-Chef sucht deutsche Unterstützung

Tag der Deutschen Industrie - Roberto Azevedo, Angela Merkel und Dieter Kempf (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

WTO-Chef Azevedo (links) mit Bundeskanzlerin Merkel und BDI-Präsident Kempf

Am Dienstag dieser Woche hatte WTO-Chef Azevedo bei einem Besuch in Berlin an die Bundesregierung und die deutsche Industrie appelliert, ihn zu unterstützen.

"Meine Botschaft heute ist: Lasst uns zusammenarbeiten in der Stärkung des globalen Handelssystems, auch zum Wohle Deutschlands", sagte der Brasilianer bei einer Veranstaltung des Bundesverbands der Deutsche Industrie (BDI).

Die WTO mit Sitz in Genf ist neben IWF und Weltbank eine der zentralen Organisationen, in denen über globale Handels- und Wirtschaftspolitik verhandelt wird. Sie gilt als Hüterin des Freihandels, auch wenn es ihr seit der Gründung 1995 nicht gelungen ist, ein globales Abkommen für ihre inzwischen 164 Mitgliedsstaaten abzuschließen.

US-Präsident Donald Trump sieht sein Land von der WTO schlecht behandelt und hat sogar mit einem Austritt gedroht. Azevedo warnte insbesondere mit Blick auf den Zollstreit zwischen den USA und China vor einem Handelskrieg, der Wachstum und Jobs kosten könne.

Die internationale Zusammenarbeit leide bereits unter dem Konflikt der größten Handelsmächte: "Das macht mir sehr große Sorgen", sagte Azevedo. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Azevedo am Dienstag Hilfe zugesichert und vor einer Erosion des internationalen Handelssystems gewarnt. Die WTO stehe vor "riesigen Herausforderungen", sagte Merkel.

Wichtig sei insbesondere, die elementaren Funktionen der Organisation etwa bei der Streitschlichtung zu erhalten. "Wenn die Richterstellen nicht besetzt werden, dann ist das natürlich auch eine Aushöhlung", sagte die CDU-Chefin zur Entscheidung der USA, die ihnen zustehenden Stellen bei Streitschlichtungskammern nicht zu besetzen. Das Thema werde beim G20-Treffen in Argentinien eine zentrale Rolle spielen.

bea/ul (dpa, reuters)