Woodstock: Trotz Chaos eine Legende – 7 Geschichten um Stars, Matsch und Drogen | Musik | DW | 12.08.2019
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Musikfestival

Woodstock: Trotz Chaos eine Legende – 7 Geschichten um Stars, Matsch und Drogen

Der Mythos Woodstock lebt, auch nach 50 Jahren noch. Das Festival gilt als Meilenstein und Ende der großen Hippie-Bewegung für Frieden. Doch es gab auch einige Schattenseiten.

Die Idee hatten die beiden Konzertpromoter Michael Lang und Artie Kornfeld, beide waren sehr erfahren in der Organisation von Großfestivals. Ein gewinnbringender Konzertmarathon mit 32 bekannten Bands und Solisten schwebte ihnen vor. "Drei Tage voller Frieden und Musik" sollten es werden. Friedlich blieb es tatsächlich weitgehend bis zum Schluss. Doch sonst ging so einiges schief, auch bei späteren Revival-Festivals.

1.   Hippie-Event ohne Bob Dylan

Das geplante dreitägige Open Air Konzert sollte in der Nähe von Bob Dylans Wohnort Woodstock stattfinden. Doch Dylan wehrte sich neben vielen anderen Bewohnern. Das Konzert wurde nach Bethel (New York) verlegt.

Woodstockbesucher sitzen auf dem Dach eines Busses (picture-alliance/akg-images)

Bessere Aussicht vom Flower-Power Bus

In seiner Autobiografie schreibt Dylan: "Früher einmal war der Ort eine ruhiges Refugium gewesen, jetzt nicht mehr. In allen fünfzig Bundesstaaten hatte man wohl Karten gedruckt, damit die Gangs von Dropouts und Drogensüchtigen unsere Farm finden konnten. Pilger aus dem fernen Kalifornien hingen herum. Zu allen Tag- und Nachtstunden brachen Idioten bei uns ein." Noch vor dem Festival suchte Bob Dylan das Weite und verbrachte die Zeit mit seiner Familie in New York City. In Woodstock trat der bekannte Folksänger, der als Zugpferd hatte dienen sollen, nicht auf.

2.   Programmiertes Chaos

Mit rund 200.000 Besuchern hatten die Veranstalter des Musikfestivals gerechnet. Am Ende kamen über 400.000. "Es sah nicht aus wie eine Menschenmenge, es sah aus wie ein Teppich", erinnert sich Sängerin Nancy Nevins von der Band Sweetwater gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Sie sah die Menschenmassen vom Hubschrauber aus. Statt zu zahlen, rissen die Leute Zäune nieder, um auf das Gelände zu kommen, die Verpflegung reichte nicht aus, und der Regen verwandelte den Boden in Schlamm.

3.   Die Hinterlassenschaften: Drogen, Müll und Fäkalien

Aufräumarbeiten während des Woodstock-Festivals (picture-alliance/dpa/UPI)

Die Aufräumarbeiten während des Hippiefests

Als das Festival vorbei war, hinterließen die Menschen rund um Bethel eine Wüste aus Schlamm, Abfall und Fäkalien. Debra Conway lebte in der Nähe des Festivalgeländes und schildert ihre Eindrücke bei AP: "Bis Sonntag war es wirklich ekelhaft schlammig und stinkend und feucht-dampfend. Es war nicht der große Glamour-Mythos. Wir waren nicht so high von Drogen, für die Leute, die Drogen genommen hatten, war es vielleicht anders."

US-Sängerin Janis Joplin mit Wuschelfrisur, runder Brille und zahlreichen Armreifen und Ringen auf einem Schwarzweißbild (picture-alliance/United Archives/Roba Archiv)

Zu jung an Heroin gestorben: Janis Joplin starb 1970 mit 27 Jahren

Drogen wie Cannabis, Heroin und LSD – sogenannte bewusstseinserweiternde Drogen – machten in Woodstock die Runde. Jimi Hendrix und Janis Joplin, die Stars auf der Woodstock-Bühne, starben knapp ein Jahr später: Jimi Hendrix an den Folgen seines Drogenkonsums und Janis Joplin an einer Überdosis Heroin.

4.   Wirtschaftlich (k)ein Reinfall

Das berühmte Musikfestival fand vom 15. bis zum 18. August 1969 auf dem Gelände des Milchbauern Max Yasgur in der Kleinstadt Bethel im Hinterland von New York statt. Ein Konzert für die Hippie-Generation, für all jene, die gegen den Vietnmamkrieg waren und den bürgerlichen Lebensstil verpönten, die frei, friedlich und tolerant sein wollten. Das Lebensgefühl der 68er-Generation. Doch bei den Investoren standen die kommerziellen Interessen im Vordergrund. Nach Recherchen der Österreichischen Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung hat das Festival an Gagen 2.000.000 US-Dollar gekostet plus weitere 600.000 für Prozesskosten und Abfindungen. Nur 1,8 Millionen kamen durch Kartenverkäufe in die Kassen, weitere 1,5 Millionen Dollar verdienten die Veranstalter an den Filmrechten der großen Woodstock-Dokumentation. Ohne die hätte das Unternehmen wohl in Konkurs gehen müssen. Es blieb ein Minus von 100.000 Dollar.

5.   Woodstock II: das Revival 1994

Zwei schlammverschmierte Menschen umarmen sich. AP Iconic Images USA Woodstock '94 (AP)

Versinken im Schlamm - Das "Modstock-Festival" 1994

25 Jahre nach Woodstock hatte man aus den Fehlern gelernt. Wieder war es der Konzertptomoter Michael Lang, der 350.000 Besucher in die Kleinstadt Saugerties im Staate New York lockte. Vom 12. bis 14. August 1994 wurde das Gelände nicht nur umzäunt, sondern auch bewacht. Drogen waren verboten, kommerzielle Anbieter sorgten für die Verpflegung. Immerhin kostete ein Ticket 135 US-Dollar. "We waited for him 25 years…", mit diesen Worten wurde Bob Dylan auf der Bühne angekündigt, der diesmal mit von der Partie war. Was blieb von 1969 waren Regen und Schlamm, so dass dieses Festival als "Mudstock" in die Geschichte einging.

6.   Woodstock III: das katastrophale Revival 1999

Auch 1999, 30 Jahre nach Woodstock, hatte wieder Michael Lang seine Finger im Spiel, bewies aber diesmal kein glückliches Händchen. 250.000 Zuschauer hatte er zu einem Fest "des Friedens, der Liebe und des Glücks" mobilisiert, doch das Festival in Rome (New York) artete aus. Statt auf einer Wiese fand das Ganze auf Asphalt statt. Die Hitze war kaum zu ertragen, die Preise für die Verpflegung waren hoch. Nach einem friedlichen Konzertbeginn kam es zu Ausschreitungen, bei denen Besucher schwer verletzt wurden. Während des Auftritts von Limp Bizkit vergewaltigten mehrere Männer eine Frau direkt vor der Bühne. Randalierer beschädigten Autos, Stände, Absperrgitter und Toiletten. Auch Bühnen und Lautsprechertürme brachten sie zu Fall. Zum Abschluss des Woodstock-Jubiläumsfestivals legten einige der Randalierer Feuer auf dem Konzertgelände, der herumliegende Abfall fing ebenfalls Feuer. Verkaufsfahrzeuge und ambulante Händler wurden ausgeplündert. Ein Polizeieinsatz musste die Ausschreitungen beenden. Diesen unrühmlichen Abschluss nannten viele "den Tag, an dem die 90er starben".

7.   Woodstock, der Mythos lebt weiter

Bus mit der Aufschrift Woodstock or Bust und dem Friedenszeichen, USA 2009 (picture-alliance/AP Photo/C. Chernin)

Woodstock or bust, Woodstock oder Nichts, steht auf diesem Bus beim Festival 2009

Seit 2017 ist das ehemalige Festivalgelände auf der Wiese von Bethel offizielles Kulturdenkmal der USA. Seit den 90er Jahren betreibt dort eine gemeinnützige Organisation ein Woodstock-Museum. Archäologen einer US-Universität versuchen derweil, die exakte Lage der Bühne zu ermitteln und haben bei ihren Grabungen bereits Glasscherben und Verschlüsse von Getränkedosen gefunden. Alljährlich gibt es Woodstock-Revival-Feste von Waffenrod in Deutschland bis Bethel in den USA. Denn auch wenn das eigentliche Woodstock-Revival, von Michael Lang zum 50. Jubiläum geplant, kurzfristig abgesagt wurde, weil Künstler und Investoren abgesprungen sind, so finden auf dem ehemaligen Festivalgelände in Bethel auch in diesem Jubiläumsjahr Konzerte statt, unter anderem mit Ringo Starr und Santana.

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