Wirtschaft zu EU-USA: ″Wir können nur hoffen″ | Wirtschaft | DW | 26.07.2018
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Handelskonflikt

Wirtschaft zu EU-USA: "Wir können nur hoffen"

Ökonomen und Wirtschaftsverbände sind sich einig: Gelöst ist der Handelskonflikt zwischen der EU und den USA nach den Absichtserklärungen in Washington noch lange nicht.

"Ich freue mich zu erfahren, dass sich die USA und die Europäische Union heute darauf verständigt haben, zusammenzuarbeiten, um Handelshürden zu senken und gemeinsam mit anderen Partnern die WTO zu stärken", kommentiert IWF-Chefin Christine Lagarde die Einigung von EU und USA zum Handel. Die globale Wirtschaft könne nur davon profitieren, wenn Länder konstruktiv Handels- und Investitionsstreitigkeiten zu lösen suchten, ohne auf außerordentliche Maßnahmen zurückzugreifen.

"Wie immer der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU ausgeht - wir waren immer der Meinung, dass die EU nicht ganz oben auf der protektionistischen Agenda von Trump steht, weil sie kein geopolitischer Konkurrent der USA ist", sagt Jörg Kremer, Chefvolkswirt von der Commerzbank. Trump wolle dagegen Chinas wirtschaftlichen und politischen Aufstieg mit Zöllen bremsen. "Es ist gut möglich, dass Trump am Ende die gesamten chinesischen Exporte in die USA mit Strafzöllen belegen wird. Leider wird die Globalisierung in den nächsten Jahren teilweise rückgängig gemacht."

Hoffnungen auf Abbau von Handelsbarrieren

Gabriel Feldermayr vom ifo-Institut erklärt: "Der Ausgang des Gipfels weckt Hoffnungen, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in konstruktive Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren einsteigen, anstatt sich gegenseitig mit Zöllen und Gegenzöllen zu bedrohen. Da die bedrohlichen Autozölle zunächst abgewendet scheinen, schwächen sich die Konjunktursorgen etwas ab."

"Es ist noch kein richtiger Deal. Aber es ist ein Schritt weg vom Abgrund", sagt Holger Schmieding von der Berenberg Bank. "Mit ein bisschen Glück könnte sich sogar die Lage grundlegend verändern." Das Abkommen, das Juncker und  Trump gestern geschlossen haben, verringere das Risiko eines Handelskrieges zwischen den beiden Wirtschaftsriesen der Welt vorerst.

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bewerten die Einigung grundsätzlich positiv. Die geplante Abschaffung von Zöllen und technischen Handelshemmnissen sei eine gute Nachricht. "Wir können nur hoffen, dass sich US-Präsident Trump an seine Grundsatzzusagen hält", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Auch die Autobauer zeigten sich zufrieden, schließlich sind die angedrohten Strafzölle auf europäische Autos erst einmal vom Tisch. "Damit besteht nun eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern", erklärt der Branchenverband VDA. Nun müsse es rasch Verhandlungen geben.

"Konflikt noch nicht beendet"

Volkswirte der Landesbank Hessen schreiben in einem gemeinsamen Kommentar: "Der transatlantische Handelsstreit ist damit zwar noch nicht beendet, eine weitere Eskalation konnte jedoch zunächst vermieden werden."

Zudem sei es ein ermutigendes Zeichen, dass endlich wieder miteinander und nicht nur übereinander geredet werde. Jetzt komme es darauf an, die Differenzen zwischen den USA und Europa über Verhandlungen auszuräumen. "Sollten hier jedoch keine Fortschritte in den nächsten Wochen und Monaten erzielt werden, dürfte der Waffenstillstand seitens der USA wieder aufgekündigt werden."

"Über die Gründe, warum sich Donald Trump relativ sanftmütig gegenüber der EU zeigte, kann nur spekuliert werden", meint Thomas Gitzel von der VP Bank Lichtenstein. "Zeigen etwa die europäischen Strafzölle gegenüber einer Reihe von US-amerikanischen Waren schon Wirkung? Wir wissen es nicht."

Vielleicht sei es ja  auch so, dass die Transatlantiker nicht vollständig ihren Einfluss verloren haben, so der Ökonom. "Fakt ist, gestern ging eine Tür auf." Die Europäer hätten mehr Zölle und höhere Zollsätze in der Vergangenheit installiert als die USA. Die Vorwürfe Donald Trumps seien jedenfalls nicht völlig unberechtigt. "Es liegt nun deshalb auch an der EU, die Chance zu ergreifen und Handelshemmnisse abzubauen", sagte Gitzel.

"Moderate Gegenmaßnahmen und gleichzeitige Deeskalation"

Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommentiert: "Die EU handelt gut, wenn Sie auf der einen Seite bei neuen US-Zöllen moderate aber deutliche Gegenmaßnahmen ankündigt, und gleichzeitig deeskaliert. Noch besteht eine Chance, einen eskalierenden Handelskrieg zwischen Partnern zu verhindern." Die Probleme der Welthandelsordnung müssten laut Bardt von den USA und Europa gemeinsam angegangen werden, nicht gegeneinander.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sieht das Treffen in Washington als "wichtiges Zeichen der Entspannung" - allerdings müssten "den Worten auch Taten folgen".

Bei der angekündigten Zusammenarbeit in der Reform der Welthandelsorganisation WTO sollten sich die EU und die USA auf eine Agenda verständigen, die das Regelwerk modernisiert und die Überwachungs- und Durchsetzungsmechanismen der WTO stärkt, mahnt der BDI-Präsident. Die WTO sei unverzichtbar als Hüterin des Welthandels."