Wirecard-Milliarden nicht auf den Philippinen | Aktuell Deutschland | DW | 21.06.2020
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Wirtschaft

Wirecard-Milliarden nicht auf den Philippinen

Im Finanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard verdichten sich die Zeichen für einen großen Betrug. Angeblich liegen 1,9 Milliarden Euro auf philippinischen Treuhand-Konten. Die Zentralbank in Manila dementiert.

Die in der Bilanz des Zahlungsabwicklers Wirecard fehlenden Milliarden befinden sich auch nach Angaben der philippinischen Zentralbank nicht in dem Land. Erste Berichte besagten, dass Wirecard keinerlei Guthaben bei Banken auf den Philippinen habe, erklärte Benjamin Diokno, Präsident der Zentralbank.

Philippinische Banken sprechen von Fälschungen

Am Freitag hatten bereits die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands (BPI) mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Kunde bei ihnen sei. Die Dokumente, die externe Prüfer von Wirecard dazu vorgelegt hätten, seien gefälscht, teilte BPI mit. Man werde den Fall weiter untersuchen. Auch BDO erklärte, Papiere, die ein Konto von Wirecard bei der Bank bestätigen sollten, trügen gefälschte Unterschriften von Bankenvertretern. Dokumente externer Prüfer, die das Gegenteil besagen, seien gefälscht.

Auf zwei angeblichen Treuhandkonten, die laut Wirecard bei den Banken BDO und BPI geführt würden, hätte laut Unternehmensangaben eigentlich die Summe von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro liegen sollen.

Wirecard hatte am Donnerstag die Veröffentlichung des lange erwarteten Jahresabschlusses 2019 zum vierten Mal verschoben. Begründet wurde das damit, dass die Abschlussprüfer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young keine Hinweise auf das Vorhandensein der 1,9 Milliarden Euro gefunden hätten. Der Betrag entspricht rund einem Viertel der Bilanzsumme.

Da die Prüfer von Ernst & Young in der Folge das Testat für den Jahresabschluss verweigerten, könnten Banken Wirecard nun den Geldhahn abdrehen. Die Wirtschaftsprüfer, die sich seit einiger Zeit meist nur noch mit dem Kürzel "EY" präsentieren, hatten in den Jahren zuvor die Jahresberichte des in Schieflage geratenen Konzerns Wirecard jeweils abgesegnet. 

Aktie im Sinkflug

Unternehmenschef Markus Braun trat wegen des Bilanzskandals am Freitag zurück, interimsweise übernimmt der US-Manager James Freis, der erst am Vorabend in den Vorstand berufen worden war. Die Aktie ist seit Tagen im Sturzflug. Die Ratingagentur Moody's senkte die Kreditwürdigkeit des Zahlungsdienstleisters auf Ramschniveau.  

Wirecard selbst sieht sich als Opfer und hat Anzeige gegen unbekannt gestellt. Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder beziehungsweise von Banken, die die Treuhandkonten führten, falsche Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt worden seien, teilte das Unternehmen mit. Wirecard wurde in Medienberichten in den vergangenen Jahren immer wieder Bilanzfälschung vorgeworfen. Der Konzern hat das stets bestritten.

Das Münchener Unternehmen steuert nicht nur das bargeldlose Bezahlen mit Smartphone oder Kreditkarte an der Ladenkasse und in Online-Shops, sondern übernimmt auch für Händler das Ausfallrisiko von Zahlungen. Zur Absicherung dieser Geschäfte zahlt Wirecard Gelder auf Treuhandkonten ein, die nach erfolgreichem Abschluss wieder zurückfließen. 

qu/ww (rtr, dpa)

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