″Wir Umweltverbände begrüßen EU-Initiative gegen Plastikmüll″ | Wissen & Umwelt | DW | 28.05.2018
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Kampf gegen Plastikmüll im Meer

"Wir Umweltverbände begrüßen EU-Initiative gegen Plastikmüll"

Die EU will die Entsorgung von Plastikmüll ins Meer bremsen und so etwa 22 Milliarden Euro an Folgekosten für Umweltsünden einsparen. "Wir sehen die Initiative positiv", sagt Abfallexperte Rolf Buschmann vom BUND.

Deutsche Welle: Herr Buschmann. Immer mehr Plastikmüll landet in den Ozeanen. Die EU will jetzt die Ozeane schützen und so hohe Umweltkosten einsparen. Mit Aufklärung, Recyclingquoten, Steuern auf Plastik und auch Verboten soll das Ziel erreicht werden. Wie bewerten Sie diese EU-Initiative?

Buschmann: Prinzipiell ist es ein sehr guter Tag. Es ist gut, dass die EU-Kommission endlich etwas unternimmt. Wir kennen alle das Problem, dass Plastik im Meer landet und dass viele Plastikprodukte überflüssig sind. Dabei geht es um Produkte, die wir entweder überhaupt  nicht brauchen oder die wir durch ökologischere Alternativen ersetzen können.

Wie bewerten Sie die Strategien, die die EU vorschlägt?

Dr. Rolf Buschmann (BUND )

Abfallexperte Rolf Buschmann vom BUND

In vielen Punkten sind sie sicherlich gut. Es geht auch um Verbote. Man muss immer schauen wie ein solches Verbot  in der Praxis angenommen wird und an wen es adressiert ist.

Das Gleiche gilt für eine mögliche Plastiksteuer. Grundsätzlich sind Steuern für Umweltschäden nicht schlecht. Ich halte es allerdings für falsch, wenn die EU sagt, dass alle Mitgliedsstaaten 80 Cent pro Kilogramm für nicht recyceltes Plastik bezahlen. Wir wünschen uns hier eine differenzierte Herangehensweise. Wir müssen optimale Strategien entwickeln, damit überhaupt recycelt werden kann.

Was würde die EU-Strategie verändern wenn sie umgesetzt wird, wie vorgeschlagen?

Der Konflikt um die  Einwegverpackungen würde  in vielen Punkten deutlich entschärft. Es gäbe mehr Produkte ohne Kunststoffe und hoffentlich Materialien, die einfacher und  besser recycelt werden können  oder zumindest  Materialien, die die Umwelt weniger stark belasten.

Die Coffee to-go-Becher, die to-go Produkte in den Supermärkten, die Einwegverpackungen in Fast-Food-Restaurants, sind in der jetzigen Form dann nicht mehr zulässig und da muss sich entsprechend etwas ändern.

Reicht das, um die Entsorgung von Kunststoffen ins Meer zu reduzieren?

Es würde sicherlich die Kunststoffe reduzieren, die von  der EU ins Meer gelangen. Aber große Mengen an Plastik gelangen aus ärmeren Ländern ins Meer. Wir müssen also auch global weitere Schritte unternehmen, um dort Lösungen zu finden.

Wie kann man sich ein gutes System vorstellen, mit dem Plastik reduziert wird?

Sicherlich ist es ein System, bei dem Pfand auf Produkte erhoben wird. Wenn ich eine Flasche oder einen wiederverwertbaren Kaffeebecher benutze, dann kann ich den auch überall auch wieder zurückgeben.

Eine zweite Möglichkeit ist eine andere Art der Verpackung und der Produkte: Sind die verwendeten Stoffe wirklich recyclingfähig? Sind dort Schadstoffe enthalten, die nachher mühsam als Gefahrenstoff entsorgt werden muss? Wir brauchen einfache Lösungen und  wir müssen vor allen Dingen die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Sie müssen die Produkte so gestalten, dass sie ökologisch sind, recyclingfähig oder auch wiederverwendbar.

Beim Waschen gelangen Kunstfasern aus unseren Textilien ins Abwasser und dann ins Meer. Dieses Thema hat die EU nicht thematisiert. Was wäre hier die Lösung?

Auch  bei  den Textilien müssen wir  ökologischer werden. Wir müssen über entsprechende Rücknahmemöglichkeiten in Betracht ziehen, die Produkte optimieren, so dass  weniger Fasern freigesetzt werden. Wenn uns das nicht gelingt, dann müssen wir eben neue Filter in unsere  Waschmaschinen einbauen, die diese Fasern zurückhalten.

Rechnen Sie damit, dass die Vorschläge der EU durchkommen?

Wir als Umweltverband begrüßen das Vorhaben der EU. Unsere Sorge ist natürlich, dass  die Lobby der entsprechenden Industrie groß ist und Druck auf die Mitgliedsstaaten ausübt. Wir hoffen, dass der EU-Vorschlag weitgehend umgesetzt wird.

Immer mehr Plastik landet im Meer. Glauben Sie, dass dieser Trend gebremst oder sogar umgekehrt werden kann?

Ich wäre froh, wenn es in den nächsten zehn Jahren zu einer Trendwende käme.  Aber ich glaube eher, dass die Trendwende mit weltweit annehmbare Lösungen und Konzepte noch 30 Jahre dauert. Da müssen wir  noch viel Arbeit leisten.

Für Europa stehen die Zeichen gut, dass wir in den nächsten Jahren eine deutliche Reduktion von Plastik erreichen können.

Dr. Rolf Buschmann ist Chemiker und seit 2013 Abfallexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND. Zuvor war er Referent für Umwelt- und Gesundheitsschutz der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Wissenschaftler beim KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung.

Das Interview führte Gero Rueter

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