Wie junge Russen, Ukrainer und Weißrussen ihre Zukunft sehen | Europa | DW | 29.11.2018
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Meinungsumfrage

Wie junge Russen, Ukrainer und Weißrussen ihre Zukunft sehen

Junge Russen, Ukrainer und Weißrussen wünschen sich in unterschiedlichem Maße Veränderungen in ihren Ländern. Viele wollen auswandern, so eine aktuelle Umfrage. Welche Probleme beklagen sie?

Russland (Getty Images/AFP/M. Antonov)

Proteste für Oppositionsführer Alexej Nawalny in Moskau

Russen, Ukrainer und Weißrussen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren schmieden für höchstens ein oder zwei Jahre im Voraus Zukunftspläne. Nur etwa ein Drittel plant längerfristig. Als Grund nennen sie vor allem die schlechte Wirtschaftslage in ihren Ländern. Ein weiteres Problem ist aus ihrer Sicht die Verletzung von Bürgerrechten. Außerdem wünschen sie sich mehr Stabilität und staatliche Förderung. Auf der Liste der Probleme steht bei den Weißrussen allerdings an zweiter Stelle die Suche nach einem Arbeitsplatz.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des russischen Meinungsforschungsinstituts "Lewada-Zentrum". Sie wurde gemeinsam mit der Boris-Nemzow-Stiftung mit Unterstützung des deutschen Auswärtigen Amtes durchgeführt. Befragt wurden Personen in 15 russischen Millionenstädten, in zwölf ukrainischen Städten mit mehr als 350.000 Einwohnern und in Weißrussland in allen Gebiets-Hauptstädten. In jedem Land nahmen 1000 Personen telefonisch und per Internet an der Befragung teil.

Wunsch nach Veränderung

Grundlegende Veränderungen in ihrem Land wünschen sich 88 Prozent der jungen Ukrainer. Das wollen aber nur 63 Prozent der Russen und 52 Prozent der Weißrussen. Priorität hat für die Befragten in allen drei Ländern eine allgemeine Verbesserung der Lebensverhältnisse mit höheren Löhnen und Renten. Gleichzeitig gehen aber über 80 Prozent der Befragten in den Ländern davon aus, dass in rund 25 Jahren die Menschen selbst für eine Rente werden vorsorgen müssen und sich dabei nicht mehr auf den Staat verlassen können.

Infografik Veränderung Russland DE

In Russland und der Ukraine gingen die Antworten oft einher mit der Forderung nach einer Bekämpfung der Korruption und nach einer Aufhebung der Privilegien für Beamte. Der Studie zufolge war der Wunsch nach freien und fairen Wahlen sowie nach einer besseren staatlichen Verwaltung seltener zu hören. In Russland und der Ukraine wünschen sich jeweils rund 15 Prozent politische Veränderungen. Dagegen in Weißrussland weniger als zehn Prozent der Befragten. Sie wünschen sich vielmehr die Lösung von Problemen im Bildungswesen und eine bessere wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Viele der Befragten bekundeten ihre Bereitschaft, sich für die Verbesserung der Lage in ihrem eigenen Land aktiv einzusetzen. An oberster Stelle steht die Beteiligung an Wahlen, aber auch an Petitionen und Beschwerden an staatliche Stellen. Etwa die Hälfte der Befragten ist außerdem bereit, in gesellschaftlichen und politischen Organisationen mitzuwirken oder sich freiwillig zu engagieren. Darüber hinaus ist ein Drittel der Russen und Ukrainer bereit, sich an Protestaktionen zu beteiligen und ein Viertel kann sich vorstellen, sich auf verschiedenen Ebenen zur Wahl zu stellen. In Weißrussland sind dazu nur 20 beziehungsweise 13 Prozent bereit.

Regierungsanhänger und Liberale

Nur 42 Prozent der russischen Befragten, 31 Prozent der jungen Ukrainer und 25 Prozent der Weißrussen konnten oder wollten sich zu ihren politischen Ansichten äußern. Unter ihnen finden sich in allen drei Ländern am häufigsten Anhänger der jetzigen Regierungen, gefolgt von Menschen demokratischer oder liberaler Gesinnung.

Auf die Frage, welchem Politiker sie am meisten vertrauen, nannten die Befragten in Russland am häufigsten den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Rechtspopulisten Wladimir Schirinowski und den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. In der Ukraine nannten die Befragten die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, Präsident Petro Poroschenko und Jewgenij Murajew vom "Oppositionsblock". Die jungen Weißrussen vertrauen am meisten Präsident Alexander Lukaschenko, Ministerpräsident Sjarhej Rumas und Anna Konopazkaja, der einzigen oppositionellen Abgeordneten im Parlament.

Bereitschaft zur Auswanderung

Die jungen Russen, Ukrainer und Weißrussen wurden auch gefragt, an welchem Land sich ihr eigenes orientieren sollte. In allen drei Ländern genießt Deutschland die höchste Attraktivität. In Russland kam China auf Platz zwei, was laut Studie die "geopolitische Lage widerspiegelt, und zwar die Freundschaft Russlands mit China gegen den Westen".

Bemerkenswert ist, dass Russland nur in Weißrussland ein attraktives Vorbild zu sein scheint. Russland teilt sich dort mit Polen den zweiten Platz. In der Ukraine kommt Russland lediglich auf den siebten Platz. Dabei liegt Russland mit neun Prozent weit hinter Deutschland, das auf 39 Prozent kommt.

Der Umfrage zufolge konnten die meisten jungen Stadtbewohner in Russland, der Ukraine und Weißrussland bereits Auslandserfahrungen sammeln. Von den befragten jungen Russen waren über 60 Prozent im Ausland, von den Ukrainern knapp 60 Prozent und von den Weißrussen knapp 80 Prozent. Mehr als die Hälfte der Weißrussen und Ukrainer wollen ganz auswandern. In Russland sind es mit 44 Prozent etwas weniger. Die Hauptmotive seien vor allem eine höhere Lebensqualität im Ausland, die instabile wirtschaftliche Lage im eigenen Land und der Wunsch, eigenen Kindern eine bessere Zukunft zu sichern, heißt es in der Studie.

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