Wie die Mumins die Welt eroberten | Kultur | DW | 23.02.2019
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Literatur

Wie die Mumins die Welt eroberten

Die finnische Trollfamilie ist zurück: In Großbritannien startet mit "Moominvalley" eine neue Zeichentrickserie. Mumin-Schöpferin Tove Jansson verarbeitete in den Geschichten der Fabelwesen ihre Kriegserlebnisse.

Den ersten Band veröffentlichte Tove Jansson, eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen und Illustratorinnen Finnlands, Ende des zweiten Weltkriegs - 1945. Er hieß "Mumins lange Reise" und handelt von Muminmama und Mumin, die auf der Suche nach einem Zuhause sind. Unterwegs müssen sie viele Gefahren und Naturkatastrophen bestehen, zwischendurch treffen sie viele merkwürdige Wesen.  

Die Reise geht gut aus, es findet sich nicht nur der verloren geglaubte Muminpapa, sondern auch ein behagliches neues Heim. Was sich zunächst wie eine Kindergeschichte liest, ist in Wirklichkeit jedoch mehr. Tove Janssons metaphorische Erzählungen handeln auch von Themen wie Verlust und Vertreibung, zugleich aber werden Gefühle wie Sicherheit und Geborgenheit in der Familie assoziiert, denn die überaus niedlichen Kreaturen werden von ihren realen oder imaginären Herausforderungen niemals überwältigt und arbeiten stets zusammen, um Hindernisse zu überwinden. 

Die Abenteuer der Trollfamilie sind eher gefühlsbetont als komisch. Die Art und Weise, wie sie die Herausforderungen des Lebens gemeinsam bewältigen, hinterlässt ein wohliges Gefühl im Kontrast zur Härte der realen Welt. Auch wenn die Geschichten wichtige Themen ansprechen, so sind Tove Jansson Erzählungen immer feinsinnig und nie moralisierend - das macht die Trolle wohl heute auch noch so sympathisch.

Schwarz-weiß Portrait Tove Jansson mit einem kleinen Mumin als Stofftier (Foto: picture-alliance/dpa)

Tove Jansson mit einem Mumin aus Stoff (1956)

Spiegel der Zeitgeschichte

"Jede Künstlerin, die sich selbst darstellt, stellt auch die Zeit dar, in der sie lebt", schreibt die Literaturprofessorin Boel Westin in der Biographie "Tove Jansson: Life, Art, Words". Die Erlebnisse der Weltkriege, die die damals junge Tove Jansson schwer erschütterten, spiegeln sich deutlich in ihren Erzählungen und Illustrationen wider.

Tove Jansson wurde am 9. August 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, geboren. Ihre Eltern, selbst Künstler, gehörten zur schwedischsprachigen Minderheit in Finnland und so blieben Tove und ihre Mutter in Stockholm, während der Vater im finnischen Bürgerkrieg kämpfte. Diese frühe Erfahrung von Verlust findet sich auch in dem fehlenden Muminpapa des ersten Kinderbuches wider.

Nach dem Krieg lebte die Familie wieder vereint in Helsinki. Da das Haus auch als Atelier diente, wuchs Tove Jansson buchstäblich mit einem Pinsel in der Hand auf - und legte diesen Zeit ihres Lebens nur selten zur Seite. Als Teenager schrieb sie erste Geschichten und fertigte Illustrationen an. Mit 19 hatte sie ihre erste Ausstellung.

Krieg als Qual - und Inspiration

Ab den 1930er Jahren verdiente Jansson ihr Geld mit Karikaturen und Illustrationen, unter anderem für Buchumschläge und Postkarten. Ihre politischen Karikaturen in der schwedischen Zeitung "Garm" richteten sich gegen den Nationalsozialismus und den Stalinismus und stießen immer wieder auf Kritik. "Es ist, als ob die ganze Welt zu einem Klumpen voller Qualen geworden ist", schrieb sie 1941 in ihr Tagebuch. Die Entstehung der Mumins wurde zu einem Weg, mit diesen Qualen umzugehen.

Tove Jansson - Moomins | Geburtstag (Moomin Characters™)

Autorin und Schriftstellerin Tove Jansson (1914 - 2001)

"Es waren die höllischen Kriegsjahre, die mich dazu brachten, Geschichten zu schreiben", sagte sie nach der Veröffentlichung ihres zweiten Buches "Komet im Mumintal". "Flucht, Katastrophe und Obdachlosigkeit verbanden die ersten beiden Geschichten mit der Realität. Der Krieg hinterließ keine unmittelbaren Spuren in ihren Gemälden; keine Bomben, keine Ruinen, keine Flucht", schreibt Biografin Westin. "Die Geschichte der Familie im Tal war eine Verwirklichung der Vorstellung von einer glücklichen Gesellschaft und einer friedlichen Welt, eine Fiktion auf Grundlage der Träume der Kriegsjahre und die Sehnsucht nach etwas anderem."

Kommerzieller Erfolg

Das erste Mumin-Buch, das zeitgleich mit Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" veröffentlicht wurde, hatte eine kleine Auflage, von der nur einige wenige Exemplare verkauft wurden. Doch Tove Jansson arbeitete unbeirrt weiter an den Geschichten ihrer Trollfamilie, durchlebte in den Abenteuern ihre eigenen Erlebnisse der Nachkriegszeit. 1948 erschien der dritte Band "Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft", der es wider Erwarten schaffte, ins Englische übersetzt zu werden.

Heute sind Tove Janssons Werke - neun Kinderbücher, drei Bilderbücher und zahlreiche Comics - in 45 Sprachen übersetzt und als diverse Fernsehserien und Kurzfilme adaptiert. Am 23. Februar startet in Großbritannien "Moominvalley", eine Serien-Neuauflage, in der Schauspielerinnen wie Rosamund Pike und Jennifer Saunders, die ihre Stimme liehen, versuchen, einer neuen Generation von Kindern die Fantasiewelt der Mumins näher zu bringen.

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