Wie das Berliner Kino Ufa-Palast Filmgeschichte schrieb | Filme | DW | 17.09.2019
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Kino

Wie das Berliner Kino Ufa-Palast Filmgeschichte schrieb

Der Berliner Ufa-Palast war nicht nur ein Kino, sondern eine Institution, die die großen Ufa-Produktionen erstmals zeigte. Den Nazis diente es als Propagandakino. Nach dem Krieg wurde es als Zoo Palast wieder aufgebaut.

Ein Filmtheater gab es an der Hardenbergstraße, ganz in der Nähe des Berliner Zoos, schon seit 1912. Die Cines-Filmgesellschaft hatte die Ausstellungshallen, in denen zuvor Sportveranstaltungen gastierten, zu einem Kino umgebaut und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs dort Eigenproduktionen gezeigt. Historisch bedeutend wurde es aber erst später. Noch während des Ersten Weltkriegs war 1917 die Universum Film AG (Ufa) gegründet worden, die das Cines-Kino zur eigenen Spielstätte umbaute. Mit "Madame Dubarry" feierte das Kino am 18. September 1919 seine Einweihung.

In den folgenden Jahren machten Aufsehen erregende Premieren, die von aufwendigen Lichtinstallationen begleitet waren, den Ufa-Palast am Zoo zum berühmtesten Kino des Landes. Die Uraufführungen aller großen Ufa-Produktionen fanden hier statt. Es war die Zeit der ersten großen Filmtheater, Berlin war mit weit über 100 Kinos die Filmmetropole Europas. Die Goldenen Zwanziger tobten und die kulturelle Szene traf sich im Romanischen Café. Doch den bunten Jahren der Weimarer Republik folgten die düstersten der deutschen Geschichte. In den 1930er-Jahren bis zu seiner Zerstörung durch einen Luftschlag 1943 war der Ufa-Palast das Propagandakino der Nationalsozialisten.

 Filmszene aus Metropolis (Imago/EntertainmentPictures)

Eine von vielen Premieren im Ufa-Palast: "Metropolis" von 1925

Lange Pause nach dem Krieg

Es dauerte lange, bis der Standort neu erblühen sollte. Im zertrümmerten Berlin gab es in den Nachkriegsjahren wichtigeres als den Wiederaufbau eines Kinos, für dessen Besuch sowieso niemand Geld gehabt hätte. Erst 1955 wurde die Ruine abgerissen, ab 1956 entwarfen Paul Schwebes und Hans Schoszberger, zwei während des Wiederaufbaus der Stadt vielbeschäftigte Architekten, mit ihrem Kollegen, dem mit Kinoprojekten erfahrenen Gerhard Fritsche, den Zoo Palast. Das Kino wurde schließlich im Jahr 1957 mit "Die Zürcher Verlobung" mit Liselotte Pulver eröffnet.

Das Lichtspielhaus wurde nach der Blockade ein Symbol des freiheitlichen und weltoffenen West-Berlins. Die Amerikaner hatten bereits 1952 die Berlinale initiiert, die nun im Zoo Palast ihre neue Hauptspielstätte fand. Vom Zoo Palast und den ihn umgebenden Neubauten ging ein Signal aus: Die Trümmerstadt war zu neuem Leben erweckt worden.

Fassade des Romanisches Cafés in Berlin (picture-alliance/arkivi)

Das Romanische Café war in den 1920er Jahren Treffpunkt der kulturellen Szene

Der Konkurrenz getrotzt

Seither hat das Haus viele Höhen und Tiefen durchgemacht: Zuschauerschwund, Konkurrenz durch Videotheken, den Verlust der Berlinale, die 2000 an den Potsdamer Platz gewandert war. Der Zoo Palast kämpfte mit seinem Statusverlust und neuen Sehgewohnheiten. Das Publikum forderte vom Kinobesuch ein Ereignis ein, Multiplex-Kinos mit riesigen Leinwänden und Sälen setzten den traditionsreichen Häusern zu, die zum Überleben nachziehen mussten. Der Zoo Palast erlebte seit den 1990er Jahren mehrere Betreiberwechsel, überstand aber alle Tiefen - im Gegensatz zu vielen anderen Ku'damm-Bühnen.

Seit 2013 betreibt die Premium Entertainment GmbH des früheren Cinemaxx-Vorstands Hans-Joachim Flebbe den Zoo Palast. Das Unternehmen führt auch mehrere Astor Lounges und setzt auf Premiumkinos mit breiten Sesseln und Garderobe. Während des zweijährigen Umbaus wurden die historischen Bauelemente herausgearbeitet, um das Raumgefühl der 1950er Jahre wieder aufleben zu lassen.

Zum Jubiläum der Ufa-Palast-Eröffnung vor 100 Jahren zeigt der Zoo Palast Ernst Lubitschs Premierenfilm "Madame Dubarry". Zu diesem Anlass spielt zudem das Metropolis Orchester Berlin, ein Kino-Orchester, das Stummfilmklassiker vertont.

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