Wie China in der Corona-Krise seinen Einfluss in Afrika ausbaut | Afrika | DW | 23.04.2020
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COVID-19

Wie China in der Corona-Krise seinen Einfluss in Afrika ausbaut

Nach den rassistischen Anfeindungen gegen afrikanische Migranten in China fordern viele Afrikaner eine Reaktion von ihren Regierungen. Doch die brauchen China in der Corona-Krise mehr denn je.

Chinesische Coronavirus-Hilfsgüter auf einem Flugplatzwagen in Accra (imago images/X. Zheng)

Medizinische Hilfsgüter aus China für 18 afrikanische Staaten landeten Anfang April per Luftfracht in Accra, Ghana

In ganz Afrika wappnen sich Länder dieser Tage gegen das Coronavirus - und fast überall erhalten sie dabei Unterstützung aus China. In Äthiopien, aber auch in Burkina Faso sind seit einigen Tagen etwa chinesische Ärzte als Berater im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie im Einsatz. DW-Korrespondenten in allen Teilen des Kontinents berichten von der Ankunft von Containern aus China, vollgepackt mit Masken, Beatmungsgeräten und Schutzanzügen. Und der chinesische Milliardär Jack Ma und seine Stiftung machen mit hohen Spendengeldern von sich reden, die nach Ruanda, Kamerun und in zahlreiche andere Länder des Kontinents fließen.

Was steckt hinter der "Maskendiplomatie"?

Für Stephen Chan, Professor für Politik und internationale Beziehungen an der London School of Oriental and African Studies, sind Chinas Hilfsaktionen vor allem eines: dringend nötig. "Sie liefern Masken, Beatmungsgeräte und Material für Tests - daran mangelt es in Afrika." Doch er fügt hinzu: "Was die Chinesen tun, ist sehr hilfreich - natürlich auch für ihre diplomatischen Beziehungen zu Afrika."

Eine Person in Schutzkleidung sitzt vor einem Laptop und sprocht per Videoanruf mit Personen in Kenia (imago images/Xinhua)

Experten aus Wuhan tauschten sich schon im März per Videoanruf mit kenianischen Kollegen aus

Nichts davon sei neu, schließlich sei China schon seit vielen Jahren in Afrika mit Infrastrukturprojekten und Hilfsprogrammen aktiv. Die Unterstützung inmitten der Pandemie könne deshalb als Fortsetzung dieser Partnerschaft und als Zeichen des guten Willens gesehen werden, sagt Chan. "Besonders mit Blick auf die jüngsten Probleme, die in China hinsichtlich der dort lebenden Afrikaner auftauchten."

Rassismus in China

Damit meint Chan die seit Wochen anhaltenden rassistischen Übergriffe gegen afrikanische Migranten in China, die inzwischen Empörung in Afrika auslösen. Vor allem in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Guangzhou, in der viele afrikanische Einwanderer leben, häufen sich derzeit Berichte über offene Diskriminierung und rassistische Anfeindungen gegen Schwarze. Ausländer würden dort häufig pauschal als potentielle Träger des Coronavirus gesehen, mehrfach sei Afrikanern deshalb etwa der Zugang zu Supermärkten verwehrt oder sogar der Mietvertrag gekündigt worden.

Video ansehen 04:34

Vernetzt mit China - Afrikas Wirtschaft erkrankt

Bislang spielt die chinesische Regierung die Ereignisse herunter. Hinter den Kulissen habe es aber bereits Maßnahmen gegeben, so Chan. Demnach würden die Behörden in Guangzhou inzwischen versuchen, mit Anti-Rassismus-Schulungen das Problem in den Griff zu bekommen. Doch empörte Meinungsbeiträge in afrikanischen Medien zeigen: China hat ein Image-Problem in Afrika.

Das sieht auch Cobus van Staden so, China-Experte beim südafrikanischen Institut für internationale Angelegenheiten (SAIIA) in Johannesburg. "Es gab viele verärgerte Reaktionen nach den Anfeindungen gegen Afrikaner in Guangzhou", sagt er im DW-Interview. "Wir sehen jetzt ein Drängen der afrikanischen Zivilgesellschaft, die Antworten von ihren Regierungen fordern."

"Alle in einem Boot"

Viele Optionen haben die afrikanischen Regierungen allerdings nicht. Im Gegenteil: Durch die Krise müsse Afrika noch stärker mit China zusammenarbeiten als zuvor, sagt van Staden. "Die globale Wirtschaftskrise zwingt Afrika, seine finanziellen Schulden mit China neu zu verhandeln." Auch Stephen Chan erwartet in Afrika keinen Kurswechsel: "Ich glaube nicht, dass diese Vorfälle die politischen Beziehungen zwischen beiden Kontinenten schädigen", so der Afrikaexperte im DW-Interview. "Auf offizieller Ebene gibt es wenig Ärger."

Für Chan steht fest, dass China seinen Einfluss in Afrika durch die Krise weiter ausbauen wird. Die aktuellen Hilfsmaßnahmen würden ein starkes Bild von China als verständnisvollen und hilfreichen Partner auf dem Kontinent vermitteln. Auch weil die chinesische Wirtschaft durch die Corona-Krise einen Rückschlag erlitten habe, sei die chinesische Botschaft an Afrika klar: "Wir sitzen alle in einem Boot."

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