Wie China den Wahlkampf in Japan mit Pandas beeinflusst
26. Januar 2026
Am Sonntag (25.1.) verabschiedeten sich Tausende japanische Fans im Tokioter Ueno-Zoo von Xiao Xiao und Lei Lei. Die letzten zwei chinesischen Pandas verlassen diese Woche Japan. Wegen der hohen Nachfrage musste der Zoo die täglich 4.800 Eintrittskarten für die beiden Gehege der vierjährigen Riesenpandas während der letzten elf Besuchstage verlosen.
Jeder Besucher hatte eine Minute für einen letzten wehmütigen Blick auf die knuddeligen schwarz-weißen Tiere, während sie an Bambuszweigen kauten, dösten und herumspazierten. Im Herzen der Nation klaffe nun ein pandaförmiges Loch, klagte die Zeitung Toyo Keizai.
Symbole der Freundschaft
Nach ihrer Abreise am Dienstag (27.1.26) wird erstmals seit 54 Jahren kein Riesenpanda mehr in Japan zu sehen sein. Als die einstigen Kriegsgegner 1972 ihre diplomatischen Beziehungen normalisierten, schickte Peking das Panda-Paar Kang Kang und Lan Lan als Symbol der neuen Freundschaft. Zuvor hatte Japans Premier Tanaka schriftlich bestätigt, dass Japan Chinas Anspruch auf Taiwan als "unveräußerlichen Teil" seines Territoriums "voll und ganz" verstehe und respektiere.
Nun wirft China Japan vor, diese "Ein-China-Politik" aufgegeben zu haben, nachdem die populistische Premierministerin Sanae Takaichi im November im Parlament erklärte, eine chinesische Blockade Taiwans wäre eine "existenzielle Bedrohung" für Japan. Ihre Aussage impliziert, dass japanische Streitkräfte Taiwan an der Seite der USA gegen China verteidigen könnten.
China verlangt seitdem von Takaichi, ihren Satz zurückzunehmen, und verhängte mehrere Sanktionen. Doch Takaichi wollte den geforderten Kotau nicht leisten. Sie versprach nur, sich künftig "konkreter Kommentare zu spezifischen Szenarien zu enthalten" und zog sich schließlich auf die Floskel zurück, dass die Regierung bei einer Taiwan-Krise "eine Entscheidung treffen wird, nachdem sie alle verfügbaren Informationen abgewogen hat".
Panda-Boykott als Druckmittel
Zu Chinas Druckmitteln gehört auch ein Panda-Boykott. In den letzten fünf Jahrzehnten verliehen die Machthaber in Peking über 30 Pandas an japanische Zoos. Die Japaner schlossen sie in ihr Herz, viele Pandas wurden zu nationalen Berühmtheiten. Die meisten Tiere kehrten jung nach China zurück, wurden aber stets ersetzt. Die Abreise der Zwillinge Xiao Xiao und Lei Lei war ebenfalls lange geplant. Doch anders als sonst signalisierte China diesmal, keine weiteren Pandas mehr an Japan zu verleihen - offensichtlich, um Druck auf Takaichi auszuüben.
"Die mögliche erste 'pandalose' Situation in Japan seit 50 Jahren könnte mit den falschen Worten und Taten der japanischen Seite zusammenhängen", schrieb die kommunistische Global Times in Peking. Das chinesische Außenministerium bestätigte dies indirekt. "Ich weiß, dass Riesenpandas in Japan geliebt werden, und wir heißen japanische Freunde herzlich willkommen, sie in China zu besuchen", antwortete Sprecher Guo Jiakun ausweichend auf die Frage, ob China neue Pandas nach Japan schicken werde.
Japanischer Rückhalt für Takaichi
Chinas Kalkül, dass die Trauer der japanischen Pandafans in Ärger über Takaichi umschlägt, ging jedoch nicht auf. Eine Umfrage der Agentur Kyodo im November ergab, dass 49 Prozent der Befragten Takaichis Aussage zustimmen, Japan solle Taiwan militärisch unterstützen. 44 Prozent waren dagegen. Trotzdem blieben Takaichis Zustimmungswerte über 70 Prozent.
Dass sie nicht vor China einknickte, wurde ihr nicht negativ ausgelegt. Ihre anhaltend hohe Popularität veranlasste sie sogar dazu, am 23. Januar das Parlament aufzulösen und für den 8. Februar Neuwahlen anzusetzen, als Abstimmung über ihre Person. Sie will ihre durch Skandale angeschlagene Liberaldemokratische Partei (LDP) stärken und mit ihrem Partner Japan-Erneuerungspartei (Nippon Ishin no Kai) eine stabilere Regierung erreichen.
Chinas Boykotte wenig effektiv
Auch Chinas wirtschaftliche Strafmaßnahmen konnten Takaichi nicht einschüchtern. Die Boykotte richteten wenig Schaden an. China stoppte den Import japanischer Meeresfrüchte, doch dieser Stopp galt bereits seit August 2023 wegen der Einleitung von Abwasser aus dem 2011 im Tsunami zerstörten Atomkraftwerk Fukushima und war gerade erst aufgehoben worden.
Auch reduzierte China touristische Reisen nach Japan um 40 Prozent. Dennoch wuchs im Dezember die Gesamtzahl der Auslandstouristen in Japan insgesamt um knapp vier Prozent. Leidtragende des Boykotts sind japanische Kaufhäuser, Hotels und Tourenveranstalter, die auf Chinesen spezialisiert sind. Doch viele Japaner, die einen Übertourismus beklagen, dürften sich über den Rückgang eher gefreut haben.
China schränkte auch den Export von 800 Gütern nach Japan ein, die sich militärisch und zivil nutzen lassen. Berichten zufolge stoppte es auch den Export bestimmter Seltener Erden. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen blieben begrenzt. Analysten erwarten daher keinen negativen Einfluss der Boykotte auf das Wahlergebnis. Sollte Takaichi klar gewinnen, müsste China seine Einschüchterungspolitik wohl überdenken. Erst dann könnten chinesische Pandas nach Japan womöglich wieder zurückkehren und erneut besserer Beziehungen symbolisieren.