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Wie Afrika vom globalen Rohstoff-Rennen profitieren könnte

Jean-Michel Bos | Ana Munoz Padros
17. September 2025

Grünere Energie, Smartphones und die Waffenindustrie - alle basieren auf kritischen Rohstoffen. Die DW beleuchtet die afrikanischen Länder, die in diesem Sektor führend sind - und wie der Abbau die Region verändert hat.

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Demokratische Republik Kongo Rubaya 2025 | Minenarbeiter laden Coltan-Erz in umkämpftem Gebiet
Ein Arbeiter bereitet Coltan-Erz für den Transport im Steinbruch D4 Gakombe in Rubaya, Demokratische Republik Kongo, vor.Bild: Moses Sawasawa/AP Photo/picture alliance

Von vibrierenden Smartphones bis hin zu Satelliten: Kritische Rohstoffe sind in den Technologien und Produkten enthalten, die Milliarden Menschen weltweit täglich nutzen. Angesichts der Klimakrise steigt weltweit die Nachfrage nach diesen Rohstoffen. Denn sie bilden die Grundlage für umweltfreundlichere Verkehrsmittel und erneuerbare Energieinfrastrukturen.

Eine DW-Datenanalyse zeigt, dass Länder in Afrika eine immer wichtigere Rolle bei der Produktion kritischer Rohstoffe spielen. Der Großteil von Kobalt, Platin, Tantal und Mangan stammt von diesem Kontinent.

Laut Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnten kritische Rohstoffe das Bruttoinlandsprodukt Subsahara-Afrikas in den kommenden 25 Jahren um bis zu 12 Prozent steigern. Der IWF berichtet, dass der weltweite Energiewandel "bei richtiger Steuerung das Potenzial hat, die Region grundlegend zu verändern".

Wird Afrika vom Rohstoffboom profitieren?

Der Wettlauf um die Rohstoffgewinnung hat Städte umgestaltet und Konflikte befeuert. "Wir werden zum Klimaschutz beitragen, doch leider profitieren wir möglicherweise nicht so, wie wir sollten", sagt Sylvain Ilunga Muleka, leitender Metallurgietechniker in Kolwezi im Süden der DR Kongo. Er begleitet die Umsiedlung von Mitgliedern seiner Gemeinde, die den Bergbauaktivitäten weichen müssen.

Eine viele Meter hohe senkrechte Abbruchkante aus orangerotem Gestein; unten stehen Bagger, oben Büsche und Häuser
Den Kobalt-Tagebauen bei Kolwezi müssen immer wieder Anwohner weichen - doch an den Schätzen unter ihrem Land werden sie kaum beteiligtBild: Samir Tounsi/AFP/Getty Images

"Viele afrikanische Länder haben fragile Regierungen, was die Einhaltung umweltrechtlicher Standards durch Bergbauunternehmen zu einer großen Herausforderung macht", erklärt Jimmy Munguriek, Jurist und Landesdirektor der NGO Resource Matters in der DR Kongo, eine Organisation, die sich für den Schutz natürlicher Ressourcen einsetzt.

Zu den negativen Umwelteinflüssen des Rohstoffabbaus zählt laut Munguriek die Wasserverschmutzung. Zudem werde "der durch den Abbau strategischer Rohstoffe erzielte Gewinn nicht unbedingt gerecht zwischen Staat und lokalen Gemeinden verteilt."

Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzte 2024, dass afrikanische Länder lediglich rund 40 Prozent des möglichen Erlöses aus dem Abbau kritischer Rohstoffe erzielen.

Welche Länder haben die meisten kritischen Rohstoffe?

Kritische Rohstoffvorkommen sind weltweit verteilt, dennoch sind manche Regionen besonders stark von Importen abhängig.

So hat die Europäische Union 34 Rohstoffe als besonders wichtig für ihre Wirtschaft eingestuft. Die meisten davon müssen importiert werden.

Fast 70 Prozent des weltweiten Platins, das in Brennstoffzellen und digitalen Geräten wie Festplatten verwendet wird, werden in Südafrika gefördert, ergab die DW-Analyse. Die DR Kongo produziert etwa denselben Anteil an Kobalt, das in Batterien für Elektroautos und zur Speicherung von Solarenergie genutzt wird.

Große Teile des Coltan-Vorkommens in der DR Kongo, aus dem das Metall Tantal gewonnen wird, stammen aus den Ostregionen des Landes. Dort steht die Regierung in einem bewaffneten Konflikt mit den von Ruanda unterstützten M23-Rebellen.

Andere afrikanische Länder halten kleinere, aber bedeutsame Anteile an globalen Reserven kritischer Rohstoffe. So förderte Ghana im Jahr 2023 rund 4 Prozent der weltweiten Mangan-Produktion - eines Minerals, das für die Stahlproduktion essenziell ist und unter anderem beim Bau von Windturbinen und Robotern verwendet wird.

Was macht diese Rohstoffe „kritisch"?

Viele Länder verabschieden sich von fossilen Brennstoffen. Kritische Rohstoffe werden damit unabdingbar für aufstrebende Technologien wie Drohnen und Robotik.

Die Nachfrage aus dem Bereich Erneuerbare Energien für Produkte wie Elektromotoren und Photovoltaik wird bis 2035 auf über 20.000 Kilotonnen steigen eine Verdopplung von rund 10.000 Kilotonnen im Jahr 2024.

Ohne diese Rohstoffe drohen der Energiewirtschaft, der Rüstungsindustrie und anderen strategischen Branchen schwere Störungen: Preise würden steigen, Arbeitsplätze verloren gehen und die Energiewende verzögert werden, warnt die Internationale Energieagentur IEA.

Einige Rohstoffe sind dabei gefragter als andere. Graphit wird vor allem in Elektroautos eingesetzt, deren globaler Absatz 2024 um 25 Prozent zunahm. Doch durch den verstärkten Einsatz von Silizium, das die Leistung von Anoden und Batterien verbessert, sowie den Wechsel zu synthetischem Graphit wird der Bedarf an natürlichem Graphit bis 2045 leicht sinken.

Kupfer hingegen, wird auch in den kommenden Jahren der wichtigste Rohstoff für saubere Technologien wie Elektrofahrzeuge und Photovoltaik bleiben.

Laut den jüngsten Prognosen der Internationalen Energieagentur wird auch die Nachfrage nach Lithium, Vanadium und Mangan in den nächsten zwei Jahrzehnten stark steigen.

Wie entwickeln sich die Preise für kritische Rohstoffe?

Nach starken Preissprüngen in 2022 und 2023 haben sich die Marktpreise für Batteriemetalle, Kupfer und Seltene Erden inzwischen wieder in etwa auf das Niveau von Januar 2020 eingependelt.

Batteriemetalle und Kupfer liegen über den letzten fünf Jahren leicht im Plus, seltene Erden hingegen leicht im Minus, obwohl die Nachfrage für saubere Energietechnologien weiter zunehmen dürfte.

Obwohl die Kobaltpreise seit Februar etwas gestiegen sind, liegt der Tonnenpreis noch immer bei nur rund einem Drittel des Werts von 2022.

Dieser Preisverfall wird auf eine globale Überproduktion zurückgeführt. China wird außerdem verdächtigt, die Preise niedrig zu halten, um strategische Reserven aufzubauen.

Auf der anderen Seite übt die Entwicklung und Ausweitung sauberer Technologien Druck auf die Preise aus. Lithium-Ionen-Batterien, die ohne Kobalt auskommen, bieten Herstellern eine Alternative zur Abhängigkeit von China. Die Volksrepublik wird voraussichtlich bis 2030 mehr als 70 Prozent des weltweiten Kobalts raffinieren.

Wohin exportieren afrikanische Länder ihre Rohstoffe?

2023 exportierten afrikanische Länder Rohstoffe im Wert von etwa 266 Milliarden US-Dollar. Das entspricht nach UN-Angaben 10,6 Prozent des weltweiten Handels.

Der Großteil der afrikanischen Exporte geht zur Weiterverarbeitung nach China, dem weltweit größten Importeur kritischer Rohstoffe. Weitere wichtige Abnehmer sind Indien, Australien und Norwegen.

Mauretanien, Angola und Uganda liefern über 98 Prozent ihrer kritischen Rohstoffe nach China. Die DR Kongo exportiert 88 Prozent, die Elfenbeinküste etwa die Hälfte ihrer Mineralien ins "Reich der Mitte".

Jimmy Munguriek von Resource Matters erklärt: "China beherrscht den Markt für kritische Rohstoffe und hält sich wenig an Vorgaben bezüglich guter Regierungsführung, Transparenz, Rechenschaftspflicht sowie Menschen- und Umweltrechten."

Nach den dramatischen Landgewinnen der M23-Miliz im Ostkongo im Frühjahr 2025 trafen sich Vertreter des Kongo und Ruandas zu Friedensgesprächen unter Vermittlung der USA. Ein im Juni geschlossener Friedensvertrag gewährt den USA als Vermittler Zugang zu kritischen Rohstoffen.

Ist regionale Verarbeitung der nächste Schritt?

Der Boom bei kritischen Rohstoffen bietet "viele Chancen" - aber auch Risiken für rohstoffabhängige Länder, warnte die UN-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD 2024.

"Um ihr Rohstoffpotenzial voll auszuschöpfen, müssen Entwicklungsländer über die reine Rohstofflieferung hinausgehen und in der Wertschöpfungskette aufsteigen", heißt es zudem im UNCTAD-Bericht.

Das bedeutet: Afrikanische Produzenten könnten kritische Rohstoffe nach der Förderung selbst veredeln und so höhere Gewinne erwirtschaften. Zwar verfügt der Kontinent über alle benötigten Rohstoffe für Lithiumbatterien, doch nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank verbleiben nur 10 Prozent des Werts von der Förderung bis zum Endprodukt in Afrika.

Demokratische Republik Kongo Rubaya 2025 | Minenarbeiter laden Coltan-Erz in umkämpftem Gebiet
In dieser Coltan-Mine bei Rubaya im Ostkongo ist der Mechanisierungsgrad gering - und weil Technik und Energie zur Veredlung fehlen, profitieren die Menschen vor Ort kaum vom RohstoffreichtumBild: Moses Sawasawa/AP Photo/picture alliance

Die Verarbeitung vor Ort ist allerdings energieintensiv. "Wir brauchen große Mengen Strom", sagt Munguriek. "Nehmen wir die DR Kongo: Dort verbietet das Gesetz eigentlich den Export von unverarbeiteten Rohstoffen, aber der Energiemangel verhindert die Verarbeitung."

Obwohl das Bergbaugesetz von 2018 den Export von Rohstoffen in der DR Kongo weitgehend untersagt, erlauben Ausnahmen China, fast die gesamte Rohkobaltproduktion zu übernehmen. Gleichzeitig berichtet die UN, dass die M23-Rebellen 2024 monatlich mindestens 150 Tonnen Coltan aus der DR Kongo nach Ruanda schmuggelten. Dies führt zu einem Überangebot an Mineralien zweifelhafter Herkunft in der ansonsten gut überwachten Rohstofflieferkette der Großen Seen.

"Die Energiepolitik wird über kurz oder lang zu einer verstärkten lokalen Verarbeitung führen, die Mehrwert schafft", so Munguriek. "Aber dafür wird eine gute Regierungsführung notwendig sein. Afrika muss strikt gegen Korruption vorgehen und internationale Partnerschaften eintreten."

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.

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