Wie westafrikanische Bauern von sozialen Medien profitieren
Einige Landwirte in Westafrika nutzen Tiktok und andere soziale Medien, um Märkte zu erschließen, Wissen zu teilen und das Image ihres Berufsfeldes zu stärken. Der digitale Zugang steigert spürbar ihre Erträge.

Tiktok als Marktplatz
Der senegalesische Landwirt Pape Fall aus Thies, einer Stadt im Westen Senegals, nutzt inzwischen sein Tiktok-Profil, das er mit landwirtschaftlichen Produkten füllt, um den Großteil seiner Ernte zu verkaufen. Zunächst wollte er die App nur für Fußball und lustige Videos nutzen, doch dann begann er, seine Produkte online zu präsentieren und entdeckte Tiktok als digitalen Marktplatz.
Vom Feld ins Netz
Fall ist einer von Millionen Bauern in Westafrika, die Tiktok nutzen, um Produkte zu verkaufen, Wissen zu teilen und das Image der Landwirtschaft aufzuwerten. "Soziale Medien demokratisieren den Zugang zu Informationen für Landwirte", sagt Abbie Phatty-Jobe von Caribou, einem britischen Forschungsunternehmen, das als erstes die Nutzung von Tiktok durch regionale Landwirte untersucht hat.
Digitale Plattformen verbinden Landwirte
Auch der landwirtschaftliche Alltag wird auf den Kanälen der Bauern dokumentiert. Das Forschungszentrum Caribou half beim Aufbau eines Netzwerks von 24 Agrar-Influencern in elf afrikanischen Ländern. Ihre Inhalte erreichen fünf Millionen Menschen. Sie machen unter anderem Forschungsergebnisse für Landwirte leichter zugänglich.
Soziale Medien bringen neue Kunden
Zu den Influencern gehört auch Nogaye Sene, die Ackerland für die senegalesische Diaspora und für Kunden mit wenig Erfahrung verwaltet. "Der Erfolg meines Unternehmens ist den sozialen Medien zu verdanken", sagt die 29-Jährige, die 40 Mitarbeiter beschäftigt und 70 Prozent ihrer Kunden über Instagram und Tiktok gewinnt. Sie möchte die Sichtweise junger Menschen auf die Landwirtschaft verändern.
Frauen fördern Frauen
In ihren Videos behandelt Nogaye Sene eine Vielzahl von Themen, darunter den Anbau von Chilipflanzen, das Fahren eines Traktors und den Einsatz moderner Technologien. Um mehr junge Landwirtinnen zu ermutigen, half sie im letzten Dezember bei der Organisation einer Schulung für 50 Frauen zum Thema Landwirtschaft und soziale Medien.
Partnerschaften gegen Fehlinformationen
Trotz der Vorteile ist auch Vorsicht geboten: Viele von Senes Kunden wurden online von Personen getäuscht, die sich als Landwirtschaftsberater oder Influencer ausgaben. Phatty-Jobe von Caribou empfiehlt daher Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen und staatlichen Beratungsdiensten, um Betrug und Fehlinformationen zu verhindern.
Qualitätskontrolle auf dem Feld
Doch fehlendender Zugang zu Technologie und Finanzmitteln trennt viele Bauern von den Vorteilen der sozialen Medien. Ohne Smartphone für Apps wie Tiktok oder Instagram droht ihnen der Ausschluss vom digitalen Markt. Gleichzeitig bietet der digitale Weg jedoch enorme Chancen, unabhängiger von Zwischenhändlern zu werden und Preise selbst zu gestalten.