WHO: Masern in Europa auf dem Vormarsch | Aktuell Europa | DW | 29.08.2019
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Infektionskrankheiten

WHO: Masern in Europa auf dem Vormarsch

Seit 1984 versucht die Weltgesundheitsorganisation, die mitunter tödliche Krankheit in Europa ausrotten. Jetzt schlägt sie Alarm: Auf dem Kontinent explodiert die Zahl der Infektionen. Die Gründe dafür sind eindeutig.

Im ersten Halbjahr 2019 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits rund 90.000 Fälle gezählt. Damit habe sich die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 verdoppelt. Außerdem hätten vier Länder - Albanien, Tschechien, Griechenland und Großbritannien - ihrer Status als masernfrei verloren, teilte die Organisation in Genf mit. Eine solche Entwicklung habe es seit Beginn der genauen Dokumentation 2012 nicht gegeben.

Insgesamt zählen 53 Länder zu dem von der WHO auf die Verbreitung von Masern und Röteln untersuchten Gebiet. Davon sei es in 48 Ländern zu Masernfällen gekommen. Besonders betroffen seien die Ukraine, Kasachstan, Georgien und Russland gewesen. Dort seien 78 Prozent aller Masernfälle des ersten Halbjahrs aufgetreten. In Deutschland kämen Masern noch regional begrenzt vor. Hier gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis Ende Juli dieses Jahres mehr als 450 Masernfälle. 2018 waren es etwa 540 Fälle, 2017 knapp 930.

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Kinderkrankheiten - Deutschland erreicht Impfquote nicht

Der WHO zufolge ist die Zahl der tatsächlichen Fälle deutlich höher als die der statistisch erfassten Fälle. Das letzte Jahr, für das Todesfälle für Masern weltweit dokumentiert worden sei, sei 2017. Damals seien 110.000 Masern-Tote registriert worden. Auch bei den Todesfällen vermutet die Organisation eine wesentlich höhere Dunkelziffer.

Vertrauen in Impfungen nimmt ab

Durch jahrelange Anstrengungen konnten die Masern fast ausgerottet werden. "Aber die Ausbrüche zeigen, dass noch mehr Mühe nötig ist", sagte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab. Die Organisation macht einen geringen Impfschutz für die starke Ausbreitung mitverantwortlich. Zudem habe das Vertrauen in die Impfung in vielen Ländern abgenommen.

Jetzt sei es Zeit, alles anzusprechen, was dazu geführt habe, dass sich das mitunter tödliche Virus weiter hartnäckig halten könne, so Jakab. Jede Gelegenheit müsse genutzt werden, Kindern die Routine-Impfung zu geben und Erwachsene über ihren Impfstatus aufzuklären und gegebenenfalls zu impfen. Laut WHO ist eine Impfrate von 95 Prozent in der Bevölkerung notwendig, um die Krankheit zu eliminieren.

Masern werden durch Viren übertragen. Es kommt zu hohem Fieber, Schnupfen, Husten sowie Hautausschlag. Die Masern greifen das Immunsystem an. Die Erkrankten sind auch anfälliger für andere Krankheiten.

hk/fab (dpa, epd, rtr)

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