Wettstreit um Impfstoffe für Sportler | Sport | DW | 07.01.2021
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Verteilung der Corona-Impfstoffe

Wettstreit um Impfstoffe für Sportler

Der Kampf um die Impfstoffe hat auch unter den Profi-Sportlern begonnen. Während DOSB-Chef Alfons Hörmann zur Besonnenheit aufruft, will IOC-Mitglied Richard Pound eine bevorzugte Behandlung der Aktiven erreichen.

Kaum ein Thema wird derzeit in Deutschland so intensiv diskutiert wie der Start der Impfungen gegen das Coronavirus. Auch die Profi-Sportler sind natürlich daran interessiert, dass sie schnellstmöglich ihre Dosis bekommen, um wieder ungestört trainieren und Wettkämpfe bestreiten zu können. In der Hierarchie der vom deutschen Ethikrat sowie der Bundesregierung festgelegten Impfreihenfolge gehören Sportler nicht zu den ersten drei priorisierten Gruppen, müssen sich also hinten anstellen. 

Für Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist die bisherige Einordnung nachvollziehbar und akzeptabel. "Beim DOSB haben wir uns da sehr zurückgehalten mit dem ganz klaren Fazit, dass wir uns da nicht in irgendeiner Form vordrängen möchten", sagte Hörmann im einem Interview der ARD-Sportschau. "Aus Sicht des Sports und derer, die international tätig sind", sei der Gedanke, möglichst früh eine Impfung zu bekommen, zwar durchaus nachvollziehbar. Man werde aber, so Hörmann, die nun festgelegte Reihenfolge akzeptieren. Deutsche Athleten seien bereits auf den DOSB mit dem Wunsch auf eine frühere Impfung zugekommen.

DOSB-Chef Alfons Hörmann setzt für die Sportler-Impfungen auf das Frühjahr

DOSB-Chef Alfons Hörmann setzt auf das Frühjahr

"Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass wir im März und April vielleicht schon an den Punkt kommen, an dem mehr Impfstoff vorhanden ist, als es Interessenten gibt", sagte Hörmann. "Und deshalb hoffen wir sehr, dass irgendwann im Lauf des Frühjahrs - ohne da jetzt irgendeine bestimmte Frist zu definieren - automatisch auch solche Gruppen drankommen wie die Athletinnen und Athleten, die regelmäßig zu Qualifikations-Wettkämpfen international unterwegs sind oder die für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio nominiert werden." 

Athleten für frühe Impfung - wenn es ausreichend Impfstoff gibt

Der Verein "Athleten Deutschland" hält eine frühzeitige Impfung möglicher Olympia-Starter für sehr sinnvoll. Gleichzeitig aber sollte es nicht zu einem Konkurrenzkampf mit den Risikogruppen kommen. "Für die Athletinnen und Athleten steht außer Frage, dass Angehörige von Risikogruppen und die Beschäftigten der Daseinsfürsorge zuerst geimpft werden sollten", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer der unabhängigen Athletenvertretung.

Gleichzeitig gelte es aber zu bedenken, dass die Sportler sich nicht erst in Tokio, sondern wegen häufiger Reisen zu Qualifikationswettkämpfen bereits jetzt in Gefahrensituationen begeben müssten. "Eine frühzeitige Impfung ist der beste Weg, die Athletinnen und Athleten dort zu schützen", sagte Herber. Sobald ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stünden und sichergestellt sei, dass die Sportler nicht mit den akuten Risikogruppen konkurrierten, "wäre eine Impfung angemessen", so Herber.

IOC-Mitglied Pound will schnell impfen lassen

IOC-Mitglied Richard Pound will die kanadischen Sportler so schnell es geht impfen

IOC-Mitglied Richard Pound will die kanadischen Sportler so schnell es geht impfen

Auf internationaler Ebene gibt es allerdings Funktionäre, die eine andere Haltung als Hörmann und Herber einnehmen. Der Kanadier Richard Pound etwa, das dienstälteste Mitglied des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC), ist der Auffassung, dass Athleten bevorzugt geimpft werden sollten. Das sei eine Entscheidung, die jedes Land einzeln treffen müsse. Aber: Nur so könne man einen sicheren Ablauf bei den Olympischen Spielen in Tokio gewährleisten, sagte der 78-Jährige dem Sender "Sky News": "In Kanada haben wir vielleicht 300 oder 400 Athleten. 300 oder 400 Personen früher als geplant zu impfen, um Kanada bei einem Event dieser Größenordnung starten zu lassen, würde jetzt keinen großen Aufschrei in der Bevölkerung auslösen." 

Andy Anson, Geschäftsführer der British Olympic Association, sagte gegenüber "Sky News", auch er führe Gespräche mit hochrangigen Regierungsvertretern darüber, wie Sportler und Mitarbeiter seiner Organisation geimpft werden könnten. Anson erwartet jedoch nach eigenen Worten nicht, dass Sportler "vorrangig Zugang erhalten". Alle, einschließlich der Athleten, seien sich einig, dass jene Priorität genießen sollten, die die Impfung am dringendsten benötigten: "Diejenigen, die an vorderster Front arbeiten, ältere Menschen, Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Die müssen in der ersten Phase geimpft werden." 

Mehrere US-Sportligen haben bereits angekündigt, dass sie in Sachen Impfung ebenfalls nicht vorpreschen wollen, darunter die NHL (Eishockey), die NBA (Basketball) und die NFL (American Football).

Tokio erneut im Ausnahmezustand

Wie ernst die Lage im Olympia-Gastgeberland derzeit ist, zeigt die jüngste Entwicklung: Die japanische Regierung rief zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wegen der Corona-Pandemie den Ausnahmezustand für den Großraum Tokio aus. Die Beschränkungen treten am Freitag in Kraft und sollen mindestens bis zum 7. Februar andauern. Ministerpräsident Yoshihide Suga sah sich zu dem Schritt gezwungen, nachdem die Zahl der Infektionen in den letzten Tagen nach oben geschnellt war und in Tokio am Donnerstag mit 2447 neuen Fällen ein Höchstwert erreichte wurde. 88 Prozent der Krankenhausbetten in der Hauptstadt sind belegt.    

Das Coronavirus hält die Stadt Tokio in Atem

Das Coronavirus hält die Stadt Tokio in Atem

Der neuerliche Ausnahmezustand nach dem im Frühjahr 2020 betrifft Tokio und die drei angrenzenden Regionen Chiba, Kanagawa und Saitama. Dieses Gebiet zählt fast 37 Millionen Einwohner und sorgt für ein Drittel des japanischen Bruttoinlandsprodukts.

Trotz der stark ansteigenden Infektionszahlen hatten sich die Olympia-Macher zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass die Olympischen Spiele im wie geplant vom 23. Juli bis 8. August über die Bühne gehen können. Sowohl Regierungschef Suga als auch IOC-Präsident Thomas Bach versprachen der Sportwelt zum Jahreswechsel "sichere Spiele".

Bach hatte die Athletinnen und Athleten aufgerufen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Der IOC-Präsident wollte eine Impfung aber nicht zur Voraussetzung für eine Teilnahme an den Spielen in Tokio machen. 

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