Wer mehr Geld hat, lebt umweltschädlicher | Wissen & Umwelt | DW | 29.08.2016
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Wer mehr Geld hat, lebt umweltschädlicher

Menschen mit höherem Einkommen verbrauchen meist viel mehr Energie und Ressourcen als Menschen mit niedrigem Einkommen. Nach einer Studie verhageln vor allem große Wohnungen, Autofahrten und Flüge die Ökobilanz.

Wovon hängt ein niedriger Umweltverbrauch ab und welche Rollen haben Einkommen und Umweltbewusstsein? Das Umweltbundesamtes (UBA) erstellte dazu eine umfangreiche Studie. Tausend Bürger in Deutschland wurden zu ihrem Leben befragt, wie sie wohnen, heizen, duschen, sich ernähren, kleiden, reisen, Auto fahren und wie hoch das Einkommen ist.

Deutschland Maria Krautzberger PK in Berlin

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes

Dabei kam heraus: Wer mehr Geld hat verbraucht meist mehr Energie und Ressourcen. "Mehr Einkommen fließt allzu oft in schwerere Autos, größere Wohnungen und häufigere Flugreisen - auch wenn die Menschen sich ansonsten im Alltag umweltbewusst verhalten", sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. "Aber gerade diese 'Big Points' beeinflussen die Ökobilanz des Menschen am stärksten. Der Kauf von Bio-Lebensmitteln oder eine gute Mülltrennung wiegen das nicht auf."

Einfaches Milieu hat bessere Ökobilanz

Vor allem Fernflüge, Autofahrten, der Dämmstandard der Wohnung, deren Größe und der Konsum von Fleisch entscheiden über den Energieverbrauch und die Emission von Treibhausgasen. Daher haben Menschen mit hohem Umweltbewusstsein laut Studie nicht zwangsläufig eine gute persönliche Ökobilanz.

Sie besitzen zwar mehr energieeffiziente Haushaltsgeräte, kaufen mehr Bio-Produkte und essen oft weniger Fleisch. Aber sie unterschätzen häufig andere Aspekte ihres Konsums wie Fernreisen oder berücksichtigen diese nicht bei der Bewertung des eigenen Verhaltens auf Nachhaltigkeit. In der Summe verursachen sie so deutlich mehr CO2-Ausstoß als Menschen mit niedrigerem Einkommen. Menschen aus einfacheren Milieus, die sich selbst am wenigsten sparsam beim Ressourcenschutz einschätzen, belasten die Umwelt laut Studie am wenigsten.

Wer verbraucht wie viel Energie?

Jeder Bürger in Deutschland verbraucht laut Studie im Durchschnitt rund 13.700 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Davon wird rund ein Drittel für das Beheizen der Wohnung benötigt und ein weiteres Drittel für die Alltagsmobilität. Das verbleibende Drittel verbrauchen die Bürger für Nahrungsmittel, Urlaubsfahrten, Kleidung, Duschwasser, Licht und Haushaltsgeräte zusammen.

Bevölkerungsgruppen mit hohen Einkommen verbrauchen laut Erhebung zudem etwa doppelt so viel Energie wie Menschen mit niedrigem Einkommen und Personen mit Hochschulabschluss im Vergleich zu denen mit einfacher Schulbildung etwa ein Viertel Energie mehr.

Entscheidend für den Energieverbrauch ist laut Studie auch die Anzahl der Personen die in einer Wohnung zusammen leben: Lebt nur eine Person in der Wohnung, so verbraucht sie etwa ein Viertel mehr Energie als ein Haushalt mit fünf oder mehr Personen.

Heizung und Verkehr verhageln Energiebilanz

In der Studie bildeten die Autoren zudem typische Gruppen und Personen mit ähnlichen Energieverbrauchsmustern. Die sogenannten 'Vielverbraucher Wohnen' verbrauchen am meisten Energie, vor allem weil sie viel und schlecht gedämmten Wohnraum mit relativ wenig Personen nutzen. Sie verfügen zudem über ein höheres Einkommen, sind älter und haben ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau.

Einen hohen Energieverbrauch hat auch die sogenannte Gruppe 'Vielverbraucher Mobilität'. Hier ist das Einkommen etwas niedriger, der Energieverbrauch jedoch vor allem wegen der starken Nutzung vom Auto im Alltag und zusätzliche Urlaubsfahrten hoch.

Den höchsten Energieverbrauch im Urlaub haben durch Flugreisen die sogenannten 'Bewussten' Verbraucher. Die Personen in dieser Gruppe verfügen über ein relativ hohes Einkommen, ein hohes Bildungsniveau und haben eine positive Umwelteinstellung. Der im Vergleich geringere Verbrauch in anderen Lebensbereichen erscheint hier als "eine bewusste Entscheidung und nicht als ein durch finanzielles Restriktionen erzwungener Verzicht", schreiben die Autoren.

Infografik Treibhausgase im Verkehr

Autofahrten und Flüge sind besonders klimaschädlich und verhageln die Ökobilanz

Den geringsten Energieverbrauch haben laut Studie jedoch die sogenannten 'Einkommensschwachen' und 'Sparsamen'. Die Personen in diesen Gruppen haben im Durchschnitt ein niedrigeres Einkommen, niedrigere Bildungsabschlüsse, fahren kaum in Urlaub und haben eine weniger positive Umwelteinstellung.

In der Gruppe der 'Sparsamen' befinden sich zudem noch mehr Ältere, Personen die kaum Energie für Alltagsfahrten verbrauchen und aus traditionellen, einfachen und prekären Milieus stammen. Nach Einschätzungen der Autoren kann bei beiden Gruppen "vermutet werden, dass der Energieverbrauch nicht aus Umweltschutzgründen gering ausfällt, sondern auf (erzwungene) Sparsamkeit zurückzuführen ist.

Appelle und Aufklärung reichen nicht aus

Solarsiedlung in Freiburg

Wohnsiedlung in Freiburg: Die Häuser erzeugen mehr Energie als die Bewohner verbrauchen, Autos gibt es kaum

Um Energieverbrauch und Treibhausgase zu senken, empfehlen die Autoren, da anzusetzen, wo der Energieverbrauch und damit das Einsparpotenzial groß ist, die Bürger aufgeklärter sind und zudem mehr Geld haben. Die größten Sparpotentiale lägen in den "gehobenen und den kritisch-kreativen Milieus" und dort "in den Bereichen Heizung und Mobilität", lautet ein Fazit. Darüber hinaus hätten diese Gruppen auch eine "gewisse Vorbildfunktion für die Mainstream-Milieus".

Als mögliche Maßnahmen zur CO2-Reduktion sehen die Autoren gesetzliche Vorgaben für den Energiebedarf von Häusern und PKW und höhere Verbrauchssteuern. Auch "könnte eine angemessene Besteuerung von Kerosin die Nachfrage nach Flugreisen dämpfen und Effizienzanstrengungen im Flugsektor anstoßen."

Nach Ansicht der Autoren zeige die Studie zugleich aber auch, dass Appelle und Aufklärung alleine nicht ausreichen werden, um den Verbrauch von Ressourcen und Treibhausgasemissionen in der erforderlichen Dimension zu senken. "Ohne einen grundsätzlichen Wertewandel und eine Neuorientierung an einer nachhaltigen Lebensweise" dürften die notwendigen Reduktionen demnach "kaum zu erreichen sein". Die Autoren empfehlen dafür entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies sollten "Anreize für einen nachhaltigeren Konsum und hohe Hürden für einen nicht-nachhaltigen Konsum" sein, so das Fazit.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links