Fliegen verhindert Klimaschutz | Wissen & Umwelt | DW | 10.08.2015
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Wissen & Umwelt

Fliegen verhindert Klimaschutz

Der Flugverkehr ist besonders klimaschädlich. Sein Anteil am Treibhauseffekt liegt bei über fünf Prozent. Die starke Zunahme des Flugverkehrs ist für den Klimaschutz ein Problem. Experten schlagen Maßnahmen vor.

Das Flugzeug wird ein immer beliebteres Verkehrsmittel - ob für Kurz- oder Langstrecken, in Business oder Freizeit. Hält dieser Trend an, prognostizieren Experten eine Verdopplung des weltweiten Flugverkehrs in den kommenden zwei Jahrzehnten. Die Folge? Ein zunehmender Treibhauseffekt.

Klimawirkung von Flugzeugen zwei- bis fünfmal so hoch

Während der Flugverkehr derzeit für rund 2,5 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, bewirken die Emissionen aus den Flugzeugen in der Höhe einen wesentlich höheren Treibhauseffekt. Denn neben CO2 gehören auch Stickoxide, Schwefeloxide, Ruß und Wasserdampf zu den Emissionen, die hinsichtlich des Klimas zusätzlich zu berücksichtigen sind. Stickoxide bilden in der Atmosphäre das besonders klimaschädliche Ozon und der Wasserdampf Kondensstreifen, die vor allem in der Nacht den Treibhauseffekt verstärken.

Das Bundesumweltamt (UBA) geht davon aus, dass diese Effekte des Flugverkehrs zwischen zwei- bis fünfmal so hoch sind wie der CO2-Ausstoß. Der Anteil des Flugverkehrs am globalen Treibhauseffekt liegt demnach bei mindestens fünf Prozent.

Zug statt Flugzeug

Hinsichtlich der Klimafreundlichkeit schneidet das Flugzeug im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln also besonders schlecht ab - nach Berechnungen des UBA liegen die Emissionen pro Person und Flugkilometer im Durchschnitt bei mindestens 196 Gramm CO2, der Fernverkehrszug verursacht dagegen nach Angaben der Deutschen Bahn nur elf Gramm CO2 pro Person und Kilometer. Anders ausgedrückt: Die Fahrt mit dem Zug ist mindestens 18 Mal klimafreundlicher.

Mangelnde Aufklärung

Reisende werden über die Klimabelastung von Flügen in der Regel nicht aufgeklärt. Bei Buchungsanfragen, im Flughafen oder während des Fluges gibt es solche Informationen nicht. Hilfreich sind dagegen spezielle Internetrechner wie der von Atmosfair. Er bezieht die Daten der Flugzeugtypen, Flugrouten und die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Berechnung der Klimabilanz mit ein.

Demnach erzeugt zum Beispiel ein Hin- und Rückflug mit einer Boeing 747 zwischen Berlin und New York 6530 Kilogramm CO2. Da dieser Flug vor allem in großer Höhe und über dem Meer erfolgt, sind nach der Berechnung von Atmosfair die Klimaeffekte besonders groß. Pro Person und Kilometer sind das 507 Gramm CO2.

Für den User hilfreich sind bei Atmosfair auch die angehängten Informationen, um ein Gefühl für die Emissionen des geplanten Fluges im Vergleich zu bekommen. Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen beträgt demnach 2300 Kilogramm. Zum Vergleich: Die Pro-Kopf-Jahresemissionen in Indien liegen derzeit bei 1400 Kilogramm CO2.

Um das Klima zu schützen, rät das Umweltbundesamt, Flüge besser zu vermeiden. Bei notwendiger Reise mittlerer Distanz empfiehlt es die Nutzung von Bus und Bahn. Ist ein Flug unumgänglich, sollte eine möglichst kurze Flugroute ohne Umstieg gewählt werden, da das Starten und Landen noch mit zusätzlichen Emissionen und auch Lärmbelastungen verbunden ist.

Mit Klimaabgabe gegen Treibhausgas

Flugzeug hebt ab (Foto: PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images).

Mit Subvention die Nase vorn

Der Flugverkehr ist von Umsatz- und Kerosinsteuern weitgehend befreit. In Deutschland wird laut Umweltbundesamtes der Flugverkehr so mit über zehn Milliarden Euro pro Jahr subventioniert. Experten fordern den Abbau von Subventionen und auch die Übernahme der Klimakosten durch den Flugverkehr. Damit solle auch ein fairerer Wettbewerb zwischen den Verkehrsmitteln entstehen.

Um den Klimaschutz beim Fliegen zu fördern, schlägt jetzt ein breites Bündnis von deutschen NGOs eine Klimaabgabe für den Luftverkehr vor. Demnach sollen die Fluggesellschaften ab 2020 pro Tonne CO2 zehn Euro zahlen, bis 2030 diese Abgabe auf 80 Euro je Tonne erhöht werden, und auch die Klimawirkungen des Flugverkehrs durch Ozon- und Wolkenbildung in die Berechnungen einfließen. "Durch die Einbindung dieser sogenannten Nicht-CO2-Effekte bekommen die Fluggesellschaften wichtige Anreize. Sie können Flughöhen und die Flugrouten verändern und so weniger Klimaschäden verursachen. Mit einer Klimaabgabe werden sie dazu animiert", erklärt Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Das Bündnis von Umwelt-, Verkehrs und Entwicklungsorganisationen schlägt in ihrem Luftverkehrskonzept vor, dass die Einnahmen aus der Klimaabgabe in den Green Climate Fund gehen. "Damit können Programme zur Minderung von Treibhausgasemissionen und Klima-Anpassungsmaßnahmen in den wirtschaftsschwächsten und vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern finanziert werden", erklärt Annegret Zimmermann, Referentin für Klimagerechtigkeit von Brot für die Welt.

Klimaabkommen für Luftverkehr?

Das Bündnis will mit den Vorschlägen die Bundesregierung zu mehr Klimaschutz im Luftverkehr animieren. Bis Anfang 2016 plant das Bundesverkehrsministerium ein umfassendes Luftverkehrskonzept. Zum anderen haben die NGOs auch die Klimakonferenz in Paris und die Internationale zivile Luftfahrtsorganisation (ICAO) im Blick. Diese soll bis 2016 ein weltweit marktbasiertes System zur Klimaabgabe im Luftverkehr ausarbeiten, das 2020 in Kraft treten soll.

Ursprünglich sah die EU vor, dass bereits ab 2012 Airlines für Flüge von und nach Europa eine Klimaabgabe zahlen. Der Vorstoß scheiterte allerdings am Widerstand von Russland, China und den USA. Nach Einschätzung von Reh wird ICAO allerdings keinen wegweisenden Vorschlag zur CO2–Reduktion im Luftverkehr liefern. "Das ist eine Interessenorganisation, dort sitzen Verkehrsminister und Vertreter der Airlines. Die Reduktion von Treibhausgasen spielt da keine Rolle", so Reh.

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