Wer kann Lewis Hamilton 2020 angreifen? | Sport | DW | 01.12.2019
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Formel 1

Wer kann Lewis Hamilton 2020 angreifen?

Die Formel-1-Saison wurde erneut von Lewis Hamilton dominiert. Der Weltmeister geht auch als großer Favorit in die nächste Saison. Erster Verfolger könnte Max Verstappen werden, wenn Ferrari weiter intern kämpft.

Wenn 2018 bereits eine frustrierende Saison war, so muss die Bilanz der Formel-1-Saison 2019 aus Sicht von Sebastian Vettel umso frustrierender ausfallen. Im Vorjahr waren es noch einige teamtaktische und jede Menge individuelle Fehler, die Vettel um seinen ersten WM-Titel mit Ferrari brachten. In diesem Jahr kam zu den Fehlern mit Charles Leclerc auch noch ein forscher, junger Teamkollege hinzu, der kräftig an Vettels Status als Nummer eins bei der Scuderia rüttelte.

Tatsächlich ist Vettels Name nicht mehr der erste, der einem in den Sinn kommt, wenn es darum geht, wer in der kommenden Saison zum ärgsten Widersacher von Titelverteidiger Lewis Hamilton werden könnte. Leclerc im Ferrari und Max Verstappen im Red Bull sind mindestens zwei "junge Wilde" gleichauf mit Vettel - oder haben ihn vielleicht sogar schon überholt.

Verstappen hat in der abgelaufenen Saison drei Grands Prix gewonnen, Leclerc stand zweimal ganz oben auf dem Treppchen. Vettel konnte seiner Bilanz "nur" den Erfolg beim Rennen von Singapur hinzufügen. Zwar war der Deutsche im Endklassement in 21 Saisonrennen elf Mal besser als der junge Monegasse, doch setzte Leclerc den älteren Teamkollegen vor allem in der zweiten Saisonhälfte unter Druck und forderte über Boxenfunk vehement sein Recht ein - zum Beispiel in Sotschi, als Vettel beim Start an Leclerc vorbeifuhr, sich danach aber weigerte, ihn gemäß der vorher vereinbarten Taktik wieder vorbei zu lassen.

Wer wird Nummer eins bei Ferrari?

Negativer Höhepunkt der Rivalität der beiden Ferrari-Piloten war ihr Crash beim Rennen in Sao Paulo, als keiner bereit war, dem anderen Platz zu machen und beide ausschieden - nicht ohne anschließend laut fluchend dem jeweils anderen die Schuld zu geben. Der lange schwelende Konflikt trat so offen zutage wie nie zuvor - und er wird auch in der kommenden Saison weiterschwelen, weil keiner der beiden bereit sein wird, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben. Das Ausrufen einer klaren Nummer eins könnte helfen, allerdings scheuen die Ferrari-Verantwortlichen davor zurück. Denn sowohl eine Rückstufung des vierfachen Weltmeisters als auch die des talentiertesten Nachwuchsfahrers würden Narben hinterlassen.

Formel 1 Großer Preis von Brasilien Charles Leclerc (picture-alliance/dpa)

Entscheidet Charles Leclerc das Teamduell bei Ferrari für sich und verdrängt Sebastian Vettel?

Vettels Vertrag läuft Ende 2020 aus, eine Verlängerung ist fraglich. Für ihn ist es daher die letzte Chance, sich seinen Kindheitstraum vom WM-Titel mit den "Roten" zu erfüllen. Bekommt er also im letzten Vertragsjahr zum Abschied "freie Fahrt", und anschließend wird Leclerc zum starken Mann?

Herbeigeredete Harmonie

"Wir wissen, wie wir weitermachen müssen", behauptete Ferrari-Teamchef Mattia Binotto in einem Video, das der Rennstall vor dem abschließenden Saisonrennen veröffentlichte. Er nannte Vettel und Leclerc "gute Teamkollegen" und sprach von einer "großartigen Mischung". Zudem sei das Verhältnis zwischen dem 32-Jährigen und dem 22-Jährigen bestens. "Sie haben Spaß zusammen, weil sie eine gute und harmonische Beziehung haben", beteuerte Binotto. "Man könnte meinen, dass sie einen Konflikt auf der Strecke haben, aber das ist nicht der Fall."

Doch auch wenn Binotto versucht, nicht vorhandene Harmonie herbeizureden, wird es wohl nicht lange dauern, bis wieder alle Zuschauer über den Boxenfunk mitbekommen, wie sich wieder der eine über den anderen beschwert.

Verstappen in Lauerstellung

Vom teaminternen Duell bei Ferrari könnte neben Hamilton ein weiterer Pilot profitieren, der in seinem Rennstall unangefochtene Nummer eins ist: Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat das fahrerische Können, um Hamilton unter Druck zu setzen, den Ehrgeiz, ganz oben anzugreifen, und mittlerweile auch die nötige Technik. "Ich denke, wir haben ein Auto, mit dem man den Titel gewinnen kann", sagte der 22 Jahre alte Niederländer im Interview mit motorsport-total.com: "Das ist der Plan für nächstes Jahr. Wir wollen um den Titel kämpfen."

Formel 1 - Großer Preis von Brasilien | Sieger Max Verstappen (Getty Images/AFP/C. de Souza)

Max Verstappen ist reifer geworden: 2019 profitierte er von der Konstanz seines Red Bull

Auch Hamilton prophezeit für die Saison 2020 starke Red Bulls: "Honda hat große Schritte vorwärts gemacht und es ist toll, dass ein weiterer Hersteller so stark ist", sagt der Brite und freut sich sogar über die gewachsene Konkurrenz: "Hoffentlich bekommen wir nächstes Jahr einen echten Drei- oder sogar Vierkampf in der Formel 1." Der gesamten Rennserie würde nach Jahren der Mercedes-Dominanz eine erhöhte Spannung gut tun.

Ob auch Sebastian Vettel in der Lage sein wird, Hamilton vor sich herzutreiben oder ihm sogar davonzufahren, wird sich zeigen. Der 32 Jahre alte Deutsche fühlt sich noch nicht als Auslaufmodell in der Formel 1. "Wenn man gut genug ist, ist man auch noch jung genug", sagt Vettel und zieht trotz fehlender Titel nach fünf Jahren bei Ferrari eine positive Bilanz. Er habe sehr viel dazugelernt, und das Team sei gereift, so Vettel. "Ich hoffe nur, dass es nicht noch fünf Jahre dauert, bis wir ernten können."

Fraglich ist nur, ob es tatsächlich Sebastian Vettel sein wird, der für Ferrari ernten darf - oder ein anderer.