Wer kann IOC-Präsident? | Sport | DW | 09.09.2013
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Sport

Wer kann IOC-Präsident?

Fünf Kandidaten konkurrieren mit dem DOSB-Chef Thomas Bach um die zur IOC-Präsidentschaft. In Buenos Aires stellen sie sich zur Wahl, um die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge anzutreten.

Der Belgier Jacques Rogge wird nach zwölf Jahren satzungsgemäß seinen Posten an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees räumen. Auf der 125. IOC-Session am 10. September wählen die IOC-Mitglieder in Buenos Aires seinen Nachfolger. Bereits im Juli hatten die sechs Kandidaten auf einer außerordentlichen IOC-Session in Lausanne ihre Wahlprogramme präsentiert. Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat beste Chancen, erster Deutscher IOC-Präsident zu werden. Wir stellen die Kandidaten vor:

Thomas Bach (Deutschland):

Der ehemalige Fecht-Olympiasieger (1976) gilt als Top-Favorit auf das Amt des IOC-Präsidenten. Als Wirtschaftsanwalt und Aufsichtsratsvorsitzender eines Unternehmens gilt der 59-Jährige als gewiefter Lobbyist und Taktiker. Seit 2006 ist Dr. Thomas Bach Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Der derzeitige Amtsinhaber Jacques Rogge sagte über Bach, er habe "alle Qualitäten, die ein Präsident braucht: Er ist intelligent, kennt den Sport, kann Teams bilden, er hat das Geschick."

Bachs Motto lautet: "Einheit in Vielfalt". Er unterstützt Olympische Spiele in Afrika, möchte mehr Flexibilität bei den olympischen Sportarten und am liebsten Doping und illegalen Sportwetten den Garaus machen. In der Favoritenrolle gibt sich der sonst so selbstbewusste Bach bewusst bescheiden: "Ein Marathonlauf ist nicht nach 40 Kilometern zu Ende."

Denis Oswald (Schweiz):

Seine aktiven sportlichen Erfahrungen machte Denis Oswald als Ruderer bei drei Olympischen Spielen. Er gewann 1968 in Mexiko-City die Bronzemedaille und führt seit 1989 den Weltruderverbandes FISA an. Bis zum vergangenen Jahr war Oswald auch Vorsitzender der Vereinigung der olympischen Sommersport-Verbände ASOIF. Wie Thomas Bach ist auch Oswald Jurist. Der 66-Jährige gilt als Kandidat mit hohen moralischen Ansprüchen.

Er ist Anwalt und Richter beim internationalen Sportgerichtshof CAS. Im Falle seiner Wahl möchte er sogar mehr Sportarten in den olympischen Kanon aufnehmen, indem er die Zahl einzelner Disziplinen reduzieren würde. Vor allem die Sportarten, in denen "vier oder fünf Nationen die Medaillen unter sich ausmachen", müssten um ihren olympischen Fortbestand bangen.

Sergej Bubka (Ukraine):

Sergej Bubka ist vielen Sportfans noch als erster Sechs-Meter-Springer mit dem Stab in Erinnerung. Noch heute hält der inzwischen 49-Jährige den Weltrekord mit 6,14 Metern. Bubka ist Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und Vorsitzender des Leichtathletikverbandes der Ukraine. "Ich habe große Erfahrung in vielen Bereichen, als Athlet, als Funktionär und als Geschäftsmann. Ich habe die Erfahrung, den Antrieb, die Leidenschaft und die Energie, die olympische Bewegung in eine aufregende, aber auch herausfordernde Zeit zu leiten", erklärte Bubka am Rande des Sportkongresses "SportAccord".

Medienberichten zu Folge wird er von ukrainischen Oligarchen und auch vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt. Seine guten Kontakte und sein Gespür für Geschäfte brachten ihm als Betreiber von Großbäckereien angeblich ein dreistelliges Millionenvermögen ein, dazu saß er im ukrainischen Parlament und war Präsident einer Bank. Jetzt will er dem Sport "etwas zurückgeben." Ähnlich wie Rogge machte sich Bubka für eine künftige Bezahlung des IOC-Präsidenten stark, will sein Salär im Erfolgsfall aber wohltätigen Organisationen spenden. Dennoch gilt der jüngste der sechs Kandidaten als Außenseiter.

Ng Ser Miang (Singapur):

Wie Thomas Bach ist der Diplomat bereits IOC-Vizepräsident, also gut vernetzt in der großen Sportpolitik. Der 64-jährige Ng war aktiver Segler und 2010 viel gelobter Organisationschef der ersten olympischen Jugendspiele in Singapur. Die Jugend ist auch der wichtigste Punkt in seinem Wahlprogramm für die Kandidatur zum IOC-Vorsitz.

Der Geschäftsmann brachte es als Leiter der größten Supermarktkette des Staates und einem Busunternehmen zu einem Millionenvermögen. Ng gilt als einer der größten Konkurrenten für Thomas Bach, weiß er doch die meisten asiatischen IOC-Mitglieder hinter sich.

Wu Ching-Kuo (Taiwan):

Die Kandidatur des Präsidenten des Box-Weltverbandes AIBA kam für die meisten Beobachter überraschend. Schließlich hatte sich mit Ng ja schon ein Asiate in Position gebracht. Der 66-Jährige ist selbst nicht groß als aktiver Sportler in Erscheinung getreten, war nur in seiner Jugend Basketballer, und doch ist er seit 1988 IOC-Mitglied.

Der Architekt schaffte es, den von ihm geführten Boxverband radikal zu verändern, indem er ihn organisatorisch stärkte, reformierte und so aus der größten Glaubwürdigkeitskrise seiner Geschichte führte. Bei den nächsten Spielen in Rio de Janeiro sollen sogar die Profiboxer ihre olympische Premiere feiern. Wu ist Mitglied der Evaluierungskommission für die Spiele in Rio. Er gilt als größter Außenseiter des Sextetts.

Richard Carrion (Puerto Rico):

Der Amerikaner ist IOC-Schatzmeister und steht deshalb wohl vor allem bei all denen hoch im Kurs, die die wirtschaftliche Kraft des Internationalen Olympischen Komitees im Blick haben. Unter Carrion als Schatzmeister erhöhten sich die Rücklagen des IOC von 100 auf über 500 Millionen Dollar. Eigene sportliche Erfolge: Fehlanzeige.

Carrion gilt als gut vernetzt und als cleverer Taktiker: Als Präsident will er unter anderem die bisher geltende Altersgrenze von 70 Jahren für IOC-Mitglieder überprüfen, was ihm die Stimmen derer einbringen könnte, die aufgrund der Altersregelung aus dem IOC zu rutschen drohen. "Wir müssen eine sich ständig verändernde Realität annehmen, weiterhin innovativ sein und uns entwickeln", sagt der 60-jährige Carrion und gibt sich damit fast schon ungewohnt offensiv, denn die meisten Kandidaten schlagen eher moderate Töne an. Dennoch gilt er als vielleicht größter Konkurrent für Thomas Bach.

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