Wer ist der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke? | Deutschland | DW | 24.10.2019
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Landtagswahlen in Thüringen

Wer ist der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke?

Bei der Wahl in Thüringen Ende Oktober könnte jeder vierte Wähler für die Rechtspopulisten stimmen. Deren Spitzenkandidat Björn Höcke will die AfD weiter nach rechts rücken. Über einen Mann zwischen Jubel und Hass.

AfD Björn Höcke l Wahlkampf-Veranstaltung der AfD in Bad Langensalz, Thüringen (picture-alliance/dpa/M. Reichel)

Björn Höcke bei seiner Rede Mitte Oktober in Bad Langensalza

Wenn er auftritt, wird es laut. Dessen kann er sich sicher sein. Die einen klatschen und feuern ihn an mit "Höcke, Höcke, Höcke", die anderen pfeifen und rufen "Nazis raus".

Dieser Riss zieht sich auch durch das Städtchen Bad Langensalza im ostdeutschen Thüringen. Und Björn Höcke scheint die aufgeheizte Stimmung zu genießen. Als er auf die Bühne tritt, reißt er beide Arme nach oben, um seine Anhänger zu begrüßen, mit einem Lächeln auf den Lippen, das ihm während seiner einstündigen Rede um keinen Zentimeter verrutscht.

AfD Björn Höcke l Wahlkampf-Veranstaltung der AfD in Bad Langensalz (DW/M. Strauß)

Für Höcke: Zuschauer bei Björn Höckes Rede in Bad Langensalza

Höcke ist wohl der Politiker, der Deutschland gerade am meisten entzweit. Bei den Landtagswahlen in Thüringen am 27. Oktober tritt er als Spitzenkandidat für die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) an. Höcke ist einer, der selbst vielen seiner eigenen Parteifreunde zu weit rechts steht. Einer, der "eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte, der Ausdrücke wie "Entartung" oder "vollständiger Sieg" in seine Reden einflicht, obwohl er als ehemaliger Geschichtslehrer weiß, welches Kapitel der deutschen Geschichte er damit heraufbeschwört.

Der Jenaer Rechtsextremismusforscher Axel Salheiser sagt, die Sprache von Höcke und anderen AfD-Vertretern strotze nur so von Vokabular, das dem des Dritten Reiches sehr, sehr ähnlich sei, "zum Verwechseln ähnlich".

Höcke spielt mit rassistischen Stereotypen

Auf der kleinen Bühne in Bad Langensalza weiß Höcke, wie er die Menschen an den Biertischen zum Klatschen bringt. Die meisten hier sind nicht zufrieden mit der Migrationspolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, vor allem mit ihrer Entscheidung 2015, die Grenzen offenzuhalten und Hunderttausende ins Land zu lassen. Viele beklagen auch, die etablierten Parteien interessierten sich nicht für ihre Sorgen. Merkel als "Führerin eines Regimes" zu bezeichnen, Kritik an der "Elite" des Landes zu üben, oder an den "Kartellparteien", wie Höcke sie nennt, all das kommt hier gut an.

AfD Björn Höcke l Wahlkampf-Veranstaltung der AfD in Bad Langensalz (DW/M. Strauß)

Gegen Höcke: Demonstranten am Rande der AfD-Wahlkampf-Veranstaltung in Bad Langensalza

Zu Höckes Erfolgsrezept gehört es auch, gezielt mit rassistischen Stereotypen zu spielen. Mal ordnet er die gesamte Bevölkerung Afrikas einem "afrikanischen Ausbreitungstypen" zu, mal behauptet er, tausende Jugendliche in Deutschland würden "Schulen als Angstraum erleben, weil sie dort von Migrantenmachos gemobbt, gequält und geschlagen werden".

Nicht alle, die an diesem Herbsttag nach Bad Langensalza gekommen sind, würden Höckes Aussagen so unterschreiben, verurteilen wollen viele ihn aber auch nicht. Eine AfD-Kollegin sagt, Höckes Worte würden oft aus dem Zusammenhang gerissen. Ein älterer Mann meint zu einigen seiner Aussagen, "ja, das müsste er lassen, gerade vor der Wahl." Aber: "Ansonsten hat er Recht. Mit allem." In Deutschland gebe es schon genug arme Leute, da solle man nicht so viel Geld für "die Ausländer" ausgeben.

Kampf zwischen dem "Flügel" und dem Rest der AfD

Eine aktuelle Umfrage zeigt zwar, dass nur acht Prozent der Thüringer für Björn Höcke stimmen würden, wenn der Ministerpräsident des Landes direkt gewählt würde. Die von ihm angeführte Partei wird allerdings bei den Landtagswahlen, wenn man den Befragungen der vergangenen Wochen glaubt, zwischen 20 und 25 Prozent der Stimmen bekommen.

Die AfD in Thüringen wird - wie auch in den anderen Bundesländern im Osten Deutschlands - stark vom "Flügel" dominiert, einer Bewegung innerhalb der Partei, der sich geschätzt 40 Prozent der AfD-Mitglieder zugehörig fühlen. Und deren Kopf Björn Höcke ist. Rechtsextremismusforscher Salheiser ordnet den "Flügel" als "rechtsradikal bis rechtsextrem" ein. Der deutsche Verfassungsschutz betrachtet die Bewegung seit Anfang des Jahres als Verdachtsfall.

Deutschland Rechte Demo in Chemnitz (picture-alliance/dpa/R. Hirschberger)

Björn Höcke bei der Demonstration von AfD und dem Bündnis Pegida am 1. September 2018 in Chemnitz

Das Ziel Höckes und seiner Anhänger ist es, die AfD weiter nach rechts zu rücken. Dabei scheut er nicht davor zurück, zusammen mit bekannten Rechtsextremen zu marschieren wie etwa in Chemnitz im September 2018. Gemäßigteren AfD-Politikern, die die Partei auch für eine bürgerliche Mitte wählbar machen wollen, ist Höcke ein Dorn im Auge. Vor zwei Jahren wollte der Bundesvorstand der Partei ihn aus der AfD ausschließen, ein Schiedsgericht lehnte den Antrag allerdings ab.

Der Kampf darüber, in welche Richtung die Partei in Zukunft steuern soll, wird wahrscheinlich beim Parteitag der AfD Ende November erneut ausgefochten werden. Höcke selbst hat angekündigt, seinen Einfluss und den des "Flügels" vergrößern zu wollen. Ob er selbst für den Parteivorstand kandidieren will, ist noch unklar.

"Höcke raus"

In Bad Langensalza trifft Höcke nicht nur auf Fans, sondern auch auf Menschen, die sein Aufritt entrüstet. Einer davon ist Pfarrer Dirk Vogel, den es erbost, dass die AfD sich ausgerechnet seine Kirche als Kulisse für den Wahlkampf ausgesucht hat. Aus seiner Sicht entzweit Höcke, grenzt ab, würdigt Menschen herab, die aus anderen Kulturen kommen. Vogel schaut sich vom Rand aus Höckes Rede an. Andere drücken lautstark ihren Protest aus, schreien "Höcke raus", manche weinen. Der AfD-Politiker rät ihnen von der Bühne aus, Ritalin zu nehmen, bezeichnet sie als "rote Nazis".

AfD Björn Höcke l Wahlkampf-Veranstaltung der AfD in Bad Langensalz - Pfarrer Dirk Vogel (DW/M. Strauß)

Pfarrer Dirk Vogel beim Bürgerfest, das verschiedene Vereine und Parteien aus Protest gegen die AfD organisiert haben

Hier in diesem kleinen Ort zeigt sich, wie gespalten die Menschen sind, wenn es um die Person Höcke geht. Die Gegendemonstranten sagen, wenn die da drüben Höcke wählten, sei es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ein Gespräch, das Höcke selbst momentan verweigert. Zumindest den Medien. Fragen der DW in Bad Langensalza beantwortet er nicht. Seitdem er Mitte September ein Interview mit dem deutschen TV-Sender ZDF abgebrochen hat, gibt er nach Informationen eines AfD-Sprechers bis zu den Landtagswahlen keine Interviews mehr. Das Gespräch mit dem ZDF beendete er unter anderem mit den Worten, es könne sein, dass er mal eine interessante politische Persönlichkeit werde in Deutschland. Manche könnte das begeistern, für andere wäre es ein wahrgewordener Albtraum.

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