Wer darf Olympia 2020 ausrichten? | Welt | DW | 10.09.2013
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Welt

Wer darf Olympia 2020 ausrichten?

Istanbul? Madrid? Tokio? Das Internationale Olympische Komitee hat die Qual der Wahl, welcher der drei Metropolen es den Zuschlag für die Sommerspiele 2020 erteilt. Einen leichten Favoriten gibt es aber.

"Bridge together", "Illuminate the future" oder "Discover tomorrow" - so die offiziellen Slogans der Bewerberstädte Istanbul, Madrid und Tokio. Doch weder das Motto noch die prominenten Unterstützer, die alle Kandidaten vorweisen, werden den Ausschlag geben, wenn am 7. September in Buenos Aires der Austragungsort für die Spiele 2020 in geheimer Abstimmung gewählt wird.

Madrid führt nach Noten, aber was sagen die überhaupt aus?

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Dreikampf um Olympia

Was aber gibt für die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) letztlich den Ausschlag, ihre Stimme der einen oder der anderen Stadt zu geben? Es gibt offizielle Kriterien und Bewertungen des IOC, über die Medien und Kandidaten seit Jahren diskutieren und spekulieren. Als das Komitee im Mai 2012 die drei Kandidaten akzeptierte und die Mitbewerber Doha und Baku aus dem Rennen warf, gab es noch Noten: Madrid 8,08, Tokio 8,02 und Istanbul 6,98. Doch messbar ist das ganze Verfahren kaum. Der IOC-Prüfbericht bescheinigte Ende Juni allen Kandidaten "hochklassige Bewerbungen" und folglich die Fähigkeit, "erfolgreiche Spiele" zu organisieren. So die Schlussfolgerung der Evaluierungskommission, die unter Vorsitz von Sir Craig Reedie im März alle Städte inspizierte.

Der Bericht beschreibt für jede Stadt jedes einzelne der 14 Kriterien des IOC. Darunter zum Beispiel der Punkt: "Vision, Konzept und Vermächtnis". Istanbuls Konzept setzt, ganz seinem Motto entsprechend, auf die Brücke zwischen Orient und Okzident; Tokio möchte die "olympischen Werte erneuern" und auch den "nationalen Geist" nach dem Erdbeben 2011. Madrid betont sein kleineres Budget und die Integration von Menschen mit Behinderungen. Das liest sich alles sehr schön. Spätestens seit die erfolgreiche London-Bewerbung für 2012 dem Vermächtnis der Spiele besondere Bedeutung zumaß, gewinnt dieser Punkt zumindest rhetorisch an Gewicht. Es geht dabei um den langfristigen Nutzen der Werbung, sowohl finanziell als auch das Image der Stadt betreffend.

Skyline von Madrdid (Foto: Lauren Frayer)

Der Favorit? Madrid will die Sommerspiele 2020 und gab nach IOC-Noten die beste Bewerbung ab

Ein anderes IOC-Kriterium ist die öffentliche Unterstützung der Kandidatur. Die offiziellen Prozentzahlen der Zustimmung sind in allen Ländern hoch. Laut der Nachrichtenagentur dpa führte hier zuletzt Istanbul (83%) vor Madrid (76%) und Tokio (70%). Allerdings ist auch dieser Punkt nicht eindeutig zu bestimmen. So war innerhalb nur einer Woche im März dieses Jahres zum einen zu lesen, dass es hinsichtlich der öffentlichen Unterstützung für Madrid, "nicht gut aussehe" und zum anderen, dass in der spanischen Hauptstadt die Zustimmung bei 80-90 Prozent läge und nur "ein kleiner Haufen" Widerstand bekunde. In allen drei Kandidatenstädten gibt es organisierte Widerstandsgruppen, die auf (mögliche) negative Auswirkungen hinweisen, von Umsiedlungen über steigende Mieten und Steuern bis hin zu Umweltzerstörungen.

Spaniens Dopinggeschichte und Istanbuls Verkehrsproblem

Weitere prominente und öffentlich debattierte Kriterien sind Infrastruktur, Verkehr und Doping. Madrid verfügt bereits über 28 der 35 benötigten Sportstätten. Aber ist die spanische Antidoping-Haltung überzeugend, Stichwort Fuentes-Urteil? Überzeugender zum Beispiel als zuletzt das türkische Vorgehen gegen rund 30 überführte Leichtathleten? Bekommt die 14-Millionen-Stadt Istanbul, die 9,8 Milliarden US-Dollar (7,44 Milliarden Euro) in bessere Transportwege investieren will, damit das Verkehrsproblem in den Griff? Was passiert in Tokios schon jetzt überfüllter Metro, wenn das kompakte Konzept der Spiele realisiert wird? Fragen über Fragen.

Das Atatürk-Olympiastadion in Istanbul (Foto: OZAN KOSE/AFP/Getty Images)

Traditionsreich: Das Atatürk-Olympiastadion in Istanbul

Doch vielleicht spielen die Antworten gar keine Rolle. Ein intimer Kenner des IOC, der zahlreiche Bewerbungsverfahren aus der Nähe erlebt hat, sagt, die Entscheidungen fällten die Mitglieder letztlich "unabhängig von der technischen Beurteilung des IOC" . Betrachtet man die jüngsten IOC-Entscheidungen, scheinen andere Kriterien mehr Gewicht zu haben: Zum Beispiel die neu zu erschließenden Märkte. Dem subtropischen Badeort Sotschi beschert diese Prioritätensetzung in wenigen Monaten Winterspiele.

Oder die Anzahl der bereits gescheiterten Bewerbungsversuche und das kontinentale Rotationsprinzip - zwei Argumente, welche die Entscheidung für Pyeongchang 2018 motivierten. Das Rotationsprinzip ist dabei besonders interessant, denn hier kommen die Zukunftspläne aller IOC-Mitglieder potenziell ins Spiel. So darf man aktuell annehmen, dass die einflussreichen Vertreter aus der Golfregion, allen voran der kuwaitische Scheich Al-Sabah, kein Interesse an Sommerspielen 2020 in Asien, sprich Tokio oder Istanbul, haben, denn damit würden die Chancen zum Beispiel für Doha für 2024 oder 2028 deutlich sinken.

Stimmen gegen 25-Milliarden Euro Entwicklungshilfe?

Maßnahmen der "politischen Landschaftspflege" sind seit dem Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele nach Salt Lake City 2002 eingedämmt worden. Im aktuellen Verfahren hat das IOC selbst Istanbul angewiesen, einen 250 Millionen US-Dollar schweren Fonds, der den Präsidenten des IOC und des IPC in Aussicht gestellt wurde, aus den Bewerbungsunterlagen zu streichen. Ebenso durfte Tokio nicht mit dem Angebot werben, die Transportkosten aller Nationalen Olympischen Komitees zu übernehmen. Was nicht verboten werden kann, zeigt der japanische Premierminister Shinzo Abe: Bei einer Konferenz mit afrikanischen Regierungschefs im Juni dieses Jahres bat er um die afrikanischen Stimmen im IOC und sicherte ganz nebenbei ein 25-Milliarden-Euro-Entwicklungshilfepaket zu. "Letzten Endes spielen mehr persönliche Kriterien eine Rolle," urteilt ein IOC-Kenner.

Der Präsident der Japanischen Bewerbung Tsunekazu Takeda, der Triathlet Yuka Sato und der CEO der Bewerbung Masato Mizuno (v.l.) zeigen ein Plakat (Foto: YOSHIKAZU TSUNO/AFP/GettyImages)

Tokios Bewerbung für Olympia ist engagiert - und wird begleitet von einem Milliarden-Versprechen

Nach der letzten Präsentation der Kandidaten Anfang August in Lausanne galt Madrid als Punktsieger, denn der erneute wirtschaftliche Aufschwung wird nun schon für 2014 prognostiziert. IOC-Mitglied Richard Pound bescheinigte den Spaniern den besten Auftritt "in punkto Präsentation und Botschaft". Fragen an die türkischen Vertreter zur Reaktion der Sicherheitskräfte auf die Proteste rund um den Gezi-Park gab es keine. Auch die jüngsten Lecks am Atomkraftwerk Fukushima oder der Syrienkonflikt dürften bei der Entscheidung eher keine Rolle spielen, schließlich geht es um 2020.

Es gibt am Samstag (07.09.2013) einen letzten Auftritt der Kandidaten in Buenos Aires und um 17 Uhr Ortszeit (22 Uhr, MESZ) wird IOC-Präsident Jacques Rogge den Gewinner verkünden. Welche Kriterien den Ausschlag gegeben haben, wird er nicht verraten.

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