Wenn COVID-19 auf Grippe trifft | Wissen & Umwelt | DW | 23.09.2020
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Wissen & Umwelt

Wenn COVID-19 auf Grippe trifft

Als wenn COVID-19 allein nicht schon genug wäre. Die alljährliche Grippewelle wird schon bald anrollen, wenn Herbst und Winter kommen. Was also wenn uns beide gleichzeitig erwischen?

Kaum haben die Wissenschaftler einen Erfolg in der Corona-Forschung zu verbuchen, kommen neue Probleme. Jetzt stehen Herbst und Winter vor der Tür und damit die Jahreszeit für Erkältung und Grippe und nach wie vor für COVID-19.

Nicht nur das Corona-Virus, auch diese Kombination der beiden gefährlichen Infektionskrankheiten ist Neuland für die Wissenschaft. Es gibt viele Spekulationen, wie es sein könnte, was zu erwarten ist und was eintreffen wird oder eintreffen könnte. Das macht es so schwierig, sich ausreichend auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit im Herbst und im Winter sind nichts Neues und auch die Grippe  ist fester Bestandteil dieser Jahreszeiten. Gegen letztere können wir uns impfen lassen. "Wenn gegen Influenza Geimpfte dennoch Grippe-Symptome haben, handelt es sich dabei mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht um Influenza", gibt   Gerárd Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung  in Braunschweig zu bedenken. "Das wiederum macht die Abwägung in Bezug auf häusliche Quarantäne und diagnostische Abklärung einfacher", so der Epidemiologe weiter. 

Ein Mann erhält eine Grippeimpfung in Moskau (picture-alliance/dpa/V. Prokofyev)

Ob eine Grippe-Impfung den Verlauf von COVID-19 abmildern kann, ist unklar

Grippeschutzimpfung

Eine Grippe-Impfung kann also möglicherweise eingrenzen, zu welcher Krankheit die Symptome gehören, zu einer einfachen Grippe oder doch zu COVID-19. Aber ob eine solche Impfung auch einen Einfluss auf das Verhalten des gefährlichen, neuen Virus hat, ist - wie so vieles - nicht klar. "Indirekt ist das denkbar. Ob dies im engeren Sinne auch immunologisch der Fall sein könnte, ist meines Wissens eher spekulativ", sagt Krause.

Jeden Winter sind die Wartezimmer der Ärzte voll mit Menschen, die husten und schniefen und von denen die meisten dann doch nur einen heftigen Atemwegsinfekt haben.

Auch SARS-CoV-2 dürfte je nach Jahreszeit Schwankungen unterliegen, so der derzeitige Erkenntnisstand. Im Winter fühlen sich Erkältungsviren wohl, denn kalte und trockene Luft bieten ideale Voraussetzungen für ihre Verbreitung.

Hinzu kommt, dass es schwieriger werden wird, Räume regelmäßig und intensiv zu lüften. Das wäre eine weitere Maßnahme, um dem Virus zu begegnen und die Gefahr, die von den Aerosolen ausgeht, zumindest einzudämmen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts infizieren sich in Deutschland jedes Jahr zwischen fünf und 20 Prozent der Bevölkerung mit Grippeviren. Auch sie sind gefährlich und können tödlich sein. Jedes Jahr muss die Grippe-Impfung an die Influenzaviren angepasst werden, weil sie mutieren. Aber zumindest gibt es eine Impfung. 

Grafische Darstellung eines Grippeimpfstoffes (Novartis Vaccines)

Das Grippe-Virus kann tödlich sein

Gegen Corona wird bis zur nächsten Grippewelle wohl kaum ein Impfstoff zur Verfügung stehen, sind sich die meisten Experten einig. Selbst wenn ein Impfstoff zugelassen werden sollte, bleiben noch viele Unbekannte.

COVID-19 und Grippe im Doppelpack

So fehlt die praktische Erfahrung im gleichzeitigen Umgang mit SARS-CoV-2 und Grippe. Es ließe sich etwa spekulieren, dass eine Grippe dem Coronavirus den Eintritt erleichtern könne. "Die allgemeine Schwächung des Immunsystems im Rahmen einer Influenza-Infektion könnte bei einem Patienten die Empfänglichkeit für eine SARS-CoV-2 Infektion erhöhen", erklärt Krause. 

Wie gefährlich diese Doppel-Infektion letztendlich aber sein könnte, ist ungewiss und auch, was man dagegen tun kann. Laut Krause müssen wir uns gegen alle drei Erkrankungen wappnen. Bei einer Erkältung helfen meist schon Bettruhe, heiße Tees und ein Hustenmittel, gegen Grippe können wir uns impfen lassen,  wie aber mit COVID-19 umgehen?

Ein Mann liegt mit Erkältung im Bett (picture-alliance/dpa/C. Klose)

Eine Erkältung kann unangenehm sein, ist aber nicht lebensbedrohlich

Vermutlich kann jeder einzelne nur hoffen, dass ihn eine milde Form dieser Infektionserkrankung trifft, die dann auch möglichst wenige Nachwirkungen im Schlepptau hat. Um das zu erreichen, ist die Einhaltung der Hygiene-Regeln sicher hilfreich. So hat der Bonner Virologie Professor Hendrik Streeck im DW-Interview deutlich gemacht, dass eine Erkrankung meist schwerer verläuft, wenn auch die SARS-CoV-2 Viruslast bei der Infektion  schon hoch war. 

Hygiene, Hygiene, Hygiene

Die Hygiene-Maßnahmen, mit denen wir versuchen, COVID-19 zunächst einmal zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen, gelten auch für Grippe. Je weniger wir mit Viren in Kontakt kommen, desto größer die Chance, dass wir von einer Infektion verschont bleiben oder, dass sie mild verläuft.

Hände waschen (picture alliance/dpa/C. Klose)

Händewaschen ist eine der wichtigsten Hygienemaßnahmen

Dazu gehören die allgemeinen hygienischen Vorkehrungen wie häufiges Händewaschen genauso wie das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes. "Die diversen hygienischen Maßnahmen gegen COVID-19 werden auch die Verbreitung von Influenza reduzieren. Beide Effekte sind quasi gegenläufig", sagt Krause. "Möglicherweise wird man noch weitere, eher immunologische Zusammenhänge aufdecken. " Das bleibt zu hoffen, denn die Grippe-Saison hat noch nicht einmal begonnen.

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