Wenige Erfolge beim Entwicklungsziel Kindersterblichkeit | Globale Zusammenarbeit | DW | 25.09.2013
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Globale Zusammenarbeit

Wenige Erfolge beim Entwicklungsziel Kindersterblichkeit

Eines der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) sieht die drastische Reduzierung der Kindersterblichkeit vor. Zwei Jahre vor Ablauf der Frist 2015 haben einige Länder das Ziel schon erreicht - andere hinken hinterher.

Äthiopien, Liberia, Malawi und Tansania in Afrika und Bangladesch, Nepal und Ost-Timor in Asien - diese Länder haben ihr Ziel bereits zwei Jahre vor Ablauf der Frist erreicht, nämlich die Reduzierung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel bis zum Jahr 2015.

Das Beispiel Äthiopien illustriert dabei die Herausforderungen dieser Länder mit geringem Einkommen, zu denen die Weltbank insgesamt 36 Staaten zählt: In dem ostafrikanischen Land kommt auf 36.000 Einwohner gerade mal ein Arzt - selbst für Afrika ist das eine sehr geringe Abdeckung. Äthiopien ist nach Nigeria mit 85 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es gehört aber auch zu jenen 34 Staaten, in denen 90 Prozent der weltweit Unterernährten leben.

Gesundheitspolitik über die Städte hinaus

Umso größer ist der Erfolg bereits zwei Jahre vor der MDG-Ziellinie 2015 zu bewerten: Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef sterben in dem ostafrikanischen Land mittlerweile jährlich 68 von 1000 Kindern vor ihrem fünften Lebensjahr - im Jahr 1990, auf das sich die MDG-Ziele beziehen, waren es noch 204.

Eine Hebamme in Äthiopien (Foto: Eva Krafczyk)

Mit vielen zusätzlichen Hebamme hat es Äthiopien geschafft, die Kindersterblichkeit zu reduzieren

Auf die Frage, was Äthiopien im Vergleich zu den Nachbarn richtig gemacht habe, wies Unicef-Landeschef Peter Salama gegenüber der Deutschen Presseagentur auf die massenhafte Ausbildung lokaler Gesundheitskräfte hin. Seit 2003 habe die Regierung 38.000 Gesundheitsarbeiter ausgebildet und deren Löhne übernommen. Anders als andere Länder der Region habe Äthiopien die "ländliche Bevölkerung zur Priorität erklärt" und die Kräfte vorwiegend in arme, entlegene Gebiete geschickt. Dies nennt Salama ein "geradezu revolutionäres Konzept", denn obwohl das Agrarland Äthiopien wie viele andere Länder Afrikas ausgesprochen ländlich geprägt ist, übernimmt es mit dieser Gesundheitspolitik für die Bauern eine Vorreiterrolle.

Die Entwicklungspartner Äthiopiens helfen derweil mit der Logistik, stellen eine Kühlkette für Impfstoffe und Geburtsbetten zur Verfügung und bieten Fortbildungen an. Die so ausgebildeten lokalen Gesundheitshelferinnen sind freilich nicht nur im Kreissaal aktiv, sondern behandeln auch die häufig vorkommenden Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen, Malaria und Mangelernährung - auch bei den Müttern, damit diese ihre Kinder besser versorgen können. Selbst äthiopische Nichtregierungsorganisationen loben, dass die Regierung den nationalen Aktionsplan direkt dem Büro des Premierministers unterstellt und neun Ministerien eingebunden hat.

Äthiopien habe allerdings auch einen Startvorteil, betont Peter Salama von Unicef Äthiopien. So erkrankten in West- und Zentralafrika viel mehr Kleinkinder an der potentiell tödlichen Malaria als im Osten und Süden des Kontinents. Eine Studie des Trinity College in Dublin sieht Malaria auch für die Republik Niger als hemmenden Faktor. Obwohl das Land seit 1990 erhebliche Fortschritte gemacht hat, liegt die Sterblichkeit noch immer bei 167 pro 1000 Kleinkindern.

Politische Stabilität gleich MDG-Erfolg?

Ein Bauer im äthiopischen Dorf Tollaha (Foto: DW)

Die Gesundheitspolitik in Äthiopien kommt den Menschen auf dem Land zugute

Insgesamt hat Sub-Sahara-Afrika zwischen 1990 und 2011 die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren um durchschnittlich 40 Prozent senken können, und bleibt damit hinter der Zielvorgabe von zwei Dritteln zurück. Im Tschad, der Demokratischen Republik Kongo, Somalia, Mali, Burkina Faso und Kamerun ist die Zahl der Todesfälle sogar gestiegen. "Politisch instabile Staaten tendieren zu einem Rückwärtstrend, in stabilen Ländern geht es hingegen aufwärts", schlussfolgert Salama aus den Daten der MDGs.

Allerdings haben zumindest Burkina Faso und Mali im Referenzzeitraum relative politische Stabilität genossen. Ein anderes MDG-Vorzeigeland ist dagegen in derselben Zeit von einem politischen Hoffnungsträger zu einer Diktatur mutiert: Das kleine Eritrea am Horn von Afrika ist eines von gerade einmal vier afrikanischen Ländern, das ein anderes Millenniumsziel, die Frauensterblichkeit, bis 2015 voraussichtlich um stolze 75 Prozent gesenkt haben wird. Auch andere Entwicklungsparameter lassen Eritrea gut aussehen, so etwa eine Alphabetenrate von 90 Prozent. Die vorbildlichen Statistiken haben freilich einen Preis: Eritrea ist eines der repressivsten Länder der Welt, und auch Nachbar Äthiopien wird autoritär regiert.

Afrikas Riese hinkt hinterher

Für Afrikas Kleinkinder sind die jüngsten Unicef-Zahlen zwar eine gute Botschaft, ausruhen dürfen sich Regierungen und Entwicklungspartner aber keineswegs: Nach wie vor sterben jedes Jahr 6,6 Millionen Kinder weltweit vor Erreichen des fünften Lebensjahres. Auch für Afrikas Bevölkerungsriesen Nigeria ist die Bilanz eher mäßig: Gemeinsam mit Indien ist es nach wie vor für mehr als ein Drittel aller Todesfälle unter fünf Jahren verantwortlich.

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