Weltweit größte Impfkampagne gegen Malaria startet in Afrika | Aktuell Afrika | DW | 22.04.2019
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Afrika

Weltweit größte Impfkampagne gegen Malaria startet in Afrika

Es ist der erste Einsatz eines Malaria-Impfstoffs überhaupt: In drei afrikanischen Ländern werden Tausende Kinder gegen die Krankheit geimpft. Der Pilotversuch weckt große Hoffnungen, birgt aber auch Fallstricke.

Malaria ist besonders gefährlich für Kleinkinder

Malaria ist besonders gefährlich für Kleinkinder

In drei afrikanischen Ländern startet in dieser Woche eine großflächig angelegte Impfkampagne gegen Malaria. Im Rahmen eines Pilotversuchs sollen bis 2022  insgesamt jedes Jahr rund 360.000 Kleinkinder gegen die von Stechmücken übertragene Krankheit geimpft werden. Malawi soll am Dienstag den Anfang machen und die Impfung mit dem "Mosquirix" bezeichneten Impfstoff in die Routine-Immunisierungsprogramme für Kinder übernehmen. Ghana und Kenia sollen in Kürze folgen. "Es ist ein historischer Moment",  sagte der Direktor des Malaria-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Pedro Alonso.

Dem Pilotversuch waren Jahrzehnte Forschung und Entwicklung voraus gegangen. Der Hersteller von "Mosquirix", das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK), hat drei Jahrzehnte lang an dem Impfstoff gearbeitet. Dieser erhielt 2015 ein positives Votum von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und wurde seither in den Ländern des Pilotversuchs für die Anwendung zugelassen. GSK spendet Millionen Impfdosen für den Pilotversuch. Dieser wird zudem unter anderem von der WHO, der Impfallianz Gavi und dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria unterstützt. Begleitet wird das Projekt von Wissenschaftlern der "University of Norh Carolina".

Kinder besonders häufig betroffen

Besonders gefährdet von Malaria seien Kinder. "Malaria kann ein Kind in weniger als 24 Stunden töten", sagt Wissenschaftler Tisungane Mvalo. Jedes Jahr sterben in Afrika rund 250.000 Kinder an Malaria.

"Die Impfung hat das Potenzial, das Leben von Zehntausenden Kindern zu retten", erklärt Mary Hamel, die Koordinatorin des Malaria-Impfprogramms bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Durchführung des Pilotversuchs wird aber auch als aufwendig angesehen, da die Konzentration auf Kinder Hürden birgt. Für eine volle Wirksamkeit müssen Kleinkinder vier Spritzen bekommen. Die ersten drei Impfungen sollen im Alter von etwa fünf bis neun Monaten stattfinden, die vierte etwa im Alter von zwei Jahren. Nicht alle Impfungen fallen mit anderen Routineimpfungen zusammen, daher ist es eine der Herausforderungen des Pilotversuchs, sicherzustellen, dass Eltern ihre Kinder tatsächlich zu allen vier Impfterminen bringen.

Kombination aus Wirkstoffen

Mit der Impfung verbinden sich große Hoffnungen. In der bislang größten klinischen Studie mit rund 15.000 Kleinkindern hat der Impfstoff rund 40 Prozent der Malaria-Erkrankungen und rund 30 Prozent der schweren Malaria-Fälle verhindert.

Kein Impfstoff bietet vollständigen Schutz gegen Malaria

Kein Impfstoff bietet vollständigen Schutz gegen Malaria

Allerdings setzen Experten darauf, dass eine Kombination verschiedener Mittel - die einzeln jeweils keinen vollständigen Schutz bieten - dabei helfen kann, Malaria langfristig zu besiegen. Auch mit Insektizid behandelte Moskitonetze böten nur teilweise Schutz, sagte Alonso. "Der Kampf gegen Malaria ist einer, in dem wir unvollkommene Werkzeuge nutzen. Die beste Wirkung können wir nur haben, wenn wir sie kombinieren. Diese Malaria-Impfung verstärkt unseren Werkzeugkasten."

Einige Experten sind aber skeptisch, ob der Impfstoff des Pilotversuchs die Erwartungen erfüllen kann. Er wirkt nur gegen den in Afrika verbreiteten und gefährlichsten Malaria-Erreger "Plasmodium falciparum".

Die Malaria-Erreger, fünf unterschiedliche sogenannte Plasmodien, werden durch Anopheles-Mücken übertragen. Nach Jahren des Fortschritts war die Zahl der Erkrankungen weltweit zuletzt wieder gestiegen. Laut WHO gab es im Jahr 2017 rund 219 Millionen Malaria-Erkrankungen in 87 Ländern - zwei Millionen Fälle mehr als 2016. Rund 435.000 Menschen starben an der Krankheit, die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. 92 Prozent der Erkrankungen und 93 Prozent der Todesopfer gab es in Afrika. 

lh/hf (dpa, kna, afp) 

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