Weltraumschrott: Die kleinen Trümmer sind die gefährlichsten | Wissen & Umwelt | DW | 30.08.2018
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Interview

Weltraumschrott: Die kleinen Trümmer sind die gefährlichsten

Ein winziges Teilchen hat ein Leck in ein Sojus-Raumschiff geschlagen, das an der ISS angedockt ist. Winzige Teilchen sind eine große Gefahr für Raumstationen, sagt der Weltraumschrott-Experte Donald J. Kessler.

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Weltraumschrott: Ein wachsendes Problem

Die Astronauten auf der Internationalen Raumstation mussten an diesem Donnerstag ein Leck reparieren, dass ein Mikro-Meteorit in die Außenwand eines angedockten Sojus-Raumschiffes geschossen hatte. Ob das Teilchen natürlichen Ursprungs war, oder vielleicht winziger Weltraumschrott, ist kaum nachzuvollziehen.

Der Vorfall zeigt aber, wie gefährlich kleine Teile Raumstationen und Satelliten werden können. Wir haben mit dem U.S. Weltraumschrott Experten Donald J. Kessler über die Gefahren kleiner Teile im Orbit gesprochen.  

Deutsche Welle: Eigentlich heißt es ja, mal solle sich nicht wegen Kleinigkeiten aufregen. Sie aber sagen, wir sollten genau das tun?

Donald J Kessler (DW/C. Dillon)

Donald J. Kessler, der "Papst des Weltraumschrotts"

Don Kessler: Ja, ganz genau, zumindest wenn es um Weltraumschrott geht. Es sind nämlich die kleinen Objekte im Erdorbit, die ein Raumschiff durchschlagen können. Wenn zwei Satelliten zusammenstoßen, entstehen dabei unzählige Millimeter- und Zentimeter-kleine Trümmerstückchen. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß ist, dass die wieder mit anderen Trümmern kollidieren.

Dadurch entstehen immer kleinere aber sehr gefährliche Schrottteilchen. Die Quelle dieser winzigen Trümmerstücke sind die großen Objekte, aber die wirkliche Gefahr geht von den kleinen Dingen aus.

DW: Versagen die Weltraumagenturen wie NASA und ESA, wenn es darum geht, dem Weltraumschrott Herr zu werden?

Zum Teil ja. Allerdings: wir waren schon mal an einem Punkt, an dem wir gar nicht daran dachten, dass Weltraumschrott überhaupt ein Problem sein könnte. Es geht also voran. Wie immer müssen sich die Menschen bewusst werden, dass etwas unternommen werden muss. Erst dann werden sie handeln.

DW: Es gab über die letzten 20, 30 Jahre ja schon sehr viele Ideen, wie wir den Schrott aus dem Weltall holen könnten, etwa mit Netzen oder Lassos. Welcher Vorschlag begeistert Sie am meisten?

Viele der vorgeschlagenen Konzepte sind interessant. Das Problem: Keines von ihnen wurde bisher überhaupt getestet. Man könnte Laser benutzen, um Partikel aus dem Weg zu räumen - aber so ein Vorgehen birgt auch Gefahren. Ich selbst würde gerne auf die altmodische Art zurückgreifen, um etwas wegzuräumen: ein Raumschiff, das nach oben geht, sich ein Trümmerteil greift und es entweder zur Erde zurückbringt oder es auf eine geringere Höhe bringt damit es letztlich verglüht.

Man müsste sich lediglich ein Objekt pro Weltraummission vornehmen. Insgesamt müssen wir 500 Objekte über die nächsten hundert Jahre zurückholen, also fünf jedes Jahr. Das hieße: Etwa ein Zehntel mehr Raketenstarts über die nächsten hundert Jahre, um da oben aufzuräumen.

Das Interview führte Conor Dillon an Rande einer ESA-Konferenz in Darmstadt zum Thema Weltraumschrott im April 2017. 

Der US-Astrophysiker und ehemalige NASA-Mitarbeiter Donald J. Kessler ist einer der ersten, die auf die Gefahr von Weltraumschrott hingewiesen haben, war. Im Jahr 1978 veröffentlichte er seine Studie "Kollisionshäufigkeit mit künstlichen Satelliten: Die Erschaffung eines Schrottgürtels". Die NASA machte Kessler daraufhin zum Leiter des neu errichteten Weltraumschrottprogramms. Seit 1996 ist er im Ruhestand berät aber noch immer aktiv die Raumfahrtorganisationen. 

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