Weltbank will schlagkräftiger werden | Wirtschaft | DW | 09.10.2013
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Wirtschaft

Weltbank will schlagkräftiger werden

Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank, hat sich viel vorgenommen: Er will innerhalb einer Generation die Armut ausrotten - und wirbt für seine Ziele auf dem Jahrestreffen in Washington.

Jim Yong Kim hat es schwer. Wenn sich die Finanzminister und Notenbankchefs aus 188 Ländern in Washington zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank treffen, steht der Chef der Weltbank immer im Schatten seiner Schwesterorganisation, dem IWF und dessen Chefin Christine Lagarde. Das ist kein Wunder - der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen, sie springt ein, wenn es kriselt. Krisen gab es genug in den vergangenen Dekaden. Und Einsätze der Feuerwehr sind immer spektakulär.

Das Geschäft der Weltbank macht dagegen weniger Schlagzeilen. Ursprünglich nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinten Nationen gegründet, um den Wiederaufbau im zerstörten Europa zu finanzieren, hat sie jetzt entwicklungspolitische Aufgaben: Sie soll arme Länder durch finanzielle Hilfen, Beratung und technische Hilfe fördern und damit zum Kampf gegen die Armut beitragen.

Tue Gutes und rede darüber

World Bank President Jim Yong Kim speaks at a news conference of the 2013 Spring Meeting of the International Monetary Fund and World Bank in Washington April 18, 2013 (Foto: Reuters)

Angetan vom arabischen Frühling: Jim Yong Kim

Ein hartes und zähes Geschäft, das nur Schlagzeilen macht, wenn Weltbank-Gelder in die falschen Kanäle geraten oder große Projekte zu scheitern drohen. Das ist nicht nach dem Geschmack des Jim Yong Kim, Doktor der Medizin und seit gut einem Jahr an der Spitze der Weltbank-Gruppe. Er will Gutes tun und auch laut darüber reden.

Gegenwärtig hat die Bank über 100 Milliarden Dollar verliehen, damit werden rund 700 Entwicklungsprojekte in über 100 Ländern finanziert - die nicht immer sinnvoll erscheinen. So ist es zum Beispiel fraglich, ob Indiens staatliche Banken Kredite von der Weltbank brauchen oder ob Länder wie Polen oder die Türkei, die kaum von der Finanzkrise betroffen waren, wirklich Weltbank-Milliarden benötigen.

Hilfen für fragile Staaten

Jim Yong Kim will das ändern. Er will die Weltbank-Gruppe schlagkräftiger und effizienter machen, er will neue Projekte auf Staaten konzentrieren, die diese wirklich benötigen, soll heißen: die fragile Regierungen und Institutionen haben oder sich gerade von bewaffneten Konflikten erholen. Besonders am Herzen liegen ihm die Staaten des arabischen Frühlings: "Die Weltbank muss gerade diesen Herausforderungen begegnen", sagt Kim. "Wenn wir die Gelegenheit haben, in fragilen Staaten Institutionen, Infrastruktur und ein Ausbildungswesen aufzubauen und dabei auch noch private Investoren anlocken, dann sollten wir diese Gelegenheit auch nutzen."

Ländern wie Tunesien soll die Weltbank künftig stärker helfen Foto: Katharina Pfannkuch

Die Weltbank soll Ländern wie Tunesien besser helfen

Für Kim ist es kein Zufall, dass viele Staaten des arabischen Frühlings eine Periode des wirtschaftlichen Wachstums hinter sich haben. Dieses Wachstum sei jedoch ungleich verteilt gewesen, habe Unzufriedenheit geschürt und viele Menschen vom Wohlstand und von regulären Arbeitsplätzen ausgeschlossen: "Als 2011 Millionen Menschen in Ägypten auf die Straße gingen, haben ihre Kinder in den Schulen ebenfalls protestiert - sie verlangten bessere Bildung. Das passiert eben, wenn das Wachstum und der Wohlstand nur für wenige Ausgesuchte reserviert ist. In allen, die ausgeschlossen sind, brennt das tiefe Gefühl der Ungerechtigkeit."

Post-Konflikt-Staaten, das ist Kims Credo, sind der wirksamste Hebel, um die Armut in der Welt zu bekämpfen. Noch müssen 20 Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben. Kim will diese Zahl halbieren, dann noch einmal halbieren und schließlich ganz abschaffen. Und das innerhalb einer Generation, bis 2030. Dafür will er auf dem Jahrestreffen der Banker und Politiker aus 188 Staaten werben.

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