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PolitikJemen

Welche Rolle spielen die Huthi nach den Angriffen auf Iran?

4. März 2026

Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran drohen die jemenitischen Huthi mit Vergeltung. Droht eine weitere Eskalation in der Region - oder zwingt ein geschwächtes Teheran sie langfristig zu Verhandlungen?

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Bewaffnete Huthi-Anhänger, die ihre Maschinenpistolen in die Höhe halten, bei einer anti-israelischen Kundgebung in Sanaa, November 2025
Huthi-Anhänger demonstrieren ihre Stärke in Sanaa, November 2025Bild: Mohammad/Xinhua/IMAGO

Wie reagiert die Huthi-Miliz auf den Angriff der USA und Israels auf den Iran? Zwar hat die schiitische Miliz aus dem Jemen für einen solchen Fall Reaktionen angekündigt, noch aber hält sie sich zurück. Die Lage wirkt angespannt, aber nicht explosiv - zumindest vorerst.

Die Huthi, die sich selbst Ansar Allah - "Helfer Gottes" - nennen, kontrollieren seit 2014 große Teile Nord- und Westjemens, darunter die Hauptstadt Sanaa. Ihr Vormarsch löste 2015 die Intervention einer von Saudi-Arabien geführten Koalition aus. Der folgende Krieg forderte nach UN-Angaben mehr als 150.000 Tote. 2022 kam es zu einem Waffenstillstand, doch der Jemen ist de facto geteilt. International wurden die Huthi im Januar 2024 von den USA erneut als Terrororganisation eingestuft.

Während des Gaza-Krieges griffen sie Israel sowie Handelsschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden an - einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Die Attacken sollten Solidarität mit der Hamas demonstrieren und zugleich Druck auf Israel und seine Verbündeten ausüben. Mehrfach reagierten die USA, Großbritannien und auch Israel mit Luftschlägen auf Huthi-Ziele.

"Iranisches Regime im Überlebenskampf"

Nun stellt sich die Frage, ob die Miliz im Zuge der Angriffe auf Iran erneut eskaliert. Thomas Volk, Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung, ordnet die Lage aus der Perspektive Teherans ein. "Man sieht durch die Gegenangriffe, die das iranische Regime jetzt fährt, dass es hier wirklich um einen Überlebenskampf geht", sagt er.

Aus seiner Sicht versucht Teheran in dieser Situation, sein Netzwerk regionaler Verbündeter wie etwa die Hisbollah zu aktivieren, die Israel bereits angegriffen hat. "Wenn das Regime zu der Erkenntnis gelangt, dass es hier um seinen letzten Kampf geht, wird es alles in Bewegung setzen und versuchen, alle Partner in diesen Kampf einzubeziehen." Dazu zählten auch die Huthi.

Mehrere Drohnen und Raketen sind auf einer Stahlkonstruktion angebracht
Ausstellung von Huthi-Drohnen und -Raketen auf dem Tahrir-Platz in Sanaa, März 2025Bild: Mohammed Huwais/AFP

Dass diese aber darauf reagierten, sei zweifelhaft, erklärt Abdulghani al-Iryani vom Sana'a Center for Strategic Studies. "Die Huthi werden in dieser Konfrontation keine Rolle spielen", sagt er. Ihr strategischer Mehrwert habe bislang darin bestanden, "im Auftrag Irans Unruhe zu stiften und Iran gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, die Verantwortung dafür abzustreiten". Wenn Iran nun selbst offen agiere, verliere dieses Modell an Bedeutung. 

Begrenzte symbolische Schritte

Kurzfristig sind dennoch militärische Aktionen denkbar. "Viele militärische Einrichtungen der Huthi wurden durch die amerikanischen Angriffe im vergangenen Sommer zerstört", sagt Thomas Volk. Dennoch seien sie noch immer "so stark, dass sie zumindest noch einige Wochen Ziele in der Region attackieren können". Das betreffe vor allem Raketen- und Drohnenangriffe sowie Attacken auf die Schifffahrt.

Ein Containerschiff in der Straße von Tiran bei Scharm El Scheich
Ein Containerschiff in der Straße von Tiran bei Scharm El Scheich, Juni 2023Bild: Christophe Geyres/abaca/picture alliance

Al-Iryani erwartet hingegen eher begrenzte Schritte. "Sie könnten zwar symbolische Aktionen, aber keine wirklich ernsthaften Attacken durchführen", erwartet er. Die Bewegung bemühe sich derzeit vielmehr, ihre Position abzusichern. Hinter den Kulissen gebe es Versuche, Saudi-Arabien wieder an den Verhandlungstisch zu bewegen. "Ich denke jedoch, dass Israel sie angreifen könnte, was sie zum Handeln zwingen würde", so al-Iryani. Eine Eskalation könnte also auch von außen herbeigeführt werden.

"Iran nicht unterschätzen"

Eine nachhaltige Schwächung Teherans hätte auch direkte Folgen für die Huthi, sagt Thomas Volk. "Wenn man es schaffen würde, dieses Regime entweder zu beseitigen oder so stark zu schwächen, dass keine Gefahr mehr von ihm ausgeht, dann würde das mittelfristig auch die Schwächung oder Trockenlegung der Proxys - und damit auch der Huthi - bedeuten."

Ohne iranische Finanzströme, Waffenlieferungen und ideologische Rückendeckung verliere die Miliz einen entscheidenden Pfeiler ihrer Macht. Die internationale Gemeinschaft könne dann "noch konsequenter gegen die Huthis vorgehen".

Wie Israelis den Krieg mit dem Iran erleben

Al-Iryani mahnt jedoch, Iran nicht vorschnell abzuschreiben. Selbst geschwächt werde Teheran "auch nach diesem Krieg noch eine Rolle in der Region spielen". Zugleich hält er es für wahrscheinlich, dass eine künftige politische Neuordnung der Region Irans Unterstützung von Stellvertretermilizen einschränkt.

"Ich glaube, dass die Huthi künftig nicht mehr viel Unterstützung vom Iran erhalten werden", so al-Iryani. Das könne sie "zu Verhandlungen über ein faires und ausgewogenes Friedensabkommen im Jemen zwingen".

Pragmatische Zugeständnisse trotz ideologischer Härte

Al-Iryani verweist allerdings auch auf interne Dynamiken. "Durch den Krieg wurden alle Gemäßigten an den Rand gedrängt", erklärt er. Die militantesten Führer dominierten die Organisation. Reformen seien daher schwierig. Möglich sei ein Szenario, in dem die Huthi ideologisch hart blieben, politisch aber pragmatische Zugeständnisse machten, um ihre Macht im Jemen zu sichern. "Das würde ihr Überleben als Organisation sichern und sie relevant halten", sagt er.

Thomas Volk spricht in diesem Zusammenhang von einem "Momentum" für die gesamte Region, da "destabilisierende nichtstaatliche Akteure" so geschwächt werden könnten, "dass sie zumindest mittelfristig kontrollierbar werden".

Mitarbeit: Jenifer Holleis.

 

Dieser Artikel enthielt ursprünglich ein Bild der Agentur SalamPix. Es wurde am 12. März 2026 entfernt, nachdem Picture Alliance und Imago darüber informiert hatten, dass sie SalamPix‑Fotos aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Herkunft und möglicher Manipulation zurückziehen.

DW Kommentarbild | Autor Kersten Knipp
Kersten Knipp Politikredakteur mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika