Weinstein-Opfer sollen Millionen erhalten | Aktuell Amerika | DW | 01.07.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

#MeToo

Weinstein-Opfer sollen Millionen erhalten

Ex-Filmmogul Harvey Weinstein sitzt wegen Sexualverbrechen in Haft. Nun soll es einen Deal in einem Zivilprozess geben. Mehrere Opfer des früheren Hollywood-Produzenten sehen das höchst kritisch.

USA New York Harvey Weinstein verlässt Gerichtsgebäude (Getty Images/S. Platt)

Harvey Weinstein vor seinem Schuldspruch im Februar in New York

In einem Zivilverfahren gegen den 68-Jährigen wegen sexueller Übergriffe sind hohe Entschädigungszahlungen an die Opfer vereinbart worden. Mit insgesamt fast 19 Millionen Dollar (umgerechnet 17 Millionen Euro) solle ein Fonds geschaffen werden, teilte die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit. Jede der Frauen, die an der Sammelklage beteiligt waren, könne zwischen 7500 und 750.000 Dollar erhalten, heißt es in Medienberichten.

Die Einigung muss allerdings noch von zwei Richtern bestätigt werden. Der Deal würde Weinsteins Opfer auch von etwaigen Vertraulichkeitsabreden entbinden, so dass sie sich öffentlich über die Taten äußern könnten.

"Sieg für alle Frauen"

Die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft hatte 2018 gegen Weinstein, dessen Bruder und die Produktionsfirma Klage eingereicht. Staatsanwältin James sprach nun von einem "Sieg für alle Frauen, die sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Einschüchterung oder Vergeltung" durch Weinstein als ihren Arbeitgeber erfahren hätten.

Schauspielerinnen beschuldigen Harvey Weinstein sexueller Gewalt (Getty Images/AFP/F.J. Brown)

Mehrere Hollywood-Schauspielerinnen bei einer Pressekonferenz nach dem Urteil gegen Weinstein (Archiv)

Die Anwälte einiger Opfer wiesen die Vereinbarung jedoch umgehend zurück. "Sie ist ein völliger Verrat an den Weinstein-Überlebenden", schrieben die Juristen Douglas H. Wigdor und Kevin Mintzer in einer Stellungnahme, über die der Fernsehsender CNN berichtet. Zugleich kündigten sie an, gegen den Deal vor Gericht zu ziehen. Zur Begründung erklärten die Anwälte, Opfern, die die Einigung nicht akzeptieren wollten, könnten andere juristische Wege versperrt sein.

Versicherungen müssen zahlen

Bereits im Dezember war eine Grundsatzeinigung über Entschädigungszahlungen erzielt worden. Dabei hatte Weinstein zugestimmt, dass mehr als 30 Schauspielerinnen und einstige Angestellte insgesamt 25 Millionen Dollar erhalten sollten. In einem Medienbericht hieß es damals, die Versicherer von Weinsteins Filmstudios, die bankrott sind, müssten die Summe übernehmen.

Mehr als 80 Frauen, darunter prominente Schauspielerinnen, haben dem früheren Filmproduzenten sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Er war Ende Februar in New York wegen Vergewaltigung und anderer Sexualdelikte schuldig gesprochen und im März zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Derzeit sitzt er die Strafe ab.

Im Januar hatte auch die Staatsanwaltschaft in Los Angeles in zwei Fällen Anklage gegen Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben. In weiteren Fällen wird ermittelt. Als Reaktion auf die Enthüllungen hatte sich die weltweite #MeToo-Bewegung gebildet, die sexuelle Gewalt gegen Frauen anprangert.

jj/qu (dpa, afp, rtr)

Die Redaktion empfiehlt

Anzeige