Was vom Haager Tribunal übrig bleibt | Europa | DW | 29.11.2017
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Kriegsverbrechertribunal

Was vom Haager Tribunal übrig bleibt

Der Selbstmord des bosnisch-kroatischen Generals Slobodan Praljak überschattet das letzte Urteil des Haager Tribunals. In knapp 25 Jahren war das Gericht oft umstritten. Doch das hat seine Bedeutung nicht verringert.

Den Haag Kriegsverbrechertribunal Verurteilung Slobodan Praljak Gift (picture-alliance/AP/A. Emric)

Zuschauer in vielen Ländern erlebten live, wie Praljak bei der Urteilsverkündung Gift nahm

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) hat in Den Haag im Berufungsverfahren gegen sechs ehemalige Anführer der bosnischen Kroaten sein letztes Urteil gesprochen. Für Jadranko Prlić, Bruno Stojić, Slobodan Praljak, Milivoj Petković, Valentin Ćorić und Berislav Pušić wurden die Haftstrafen zwischen 10 und 25 Jahren bestätigt. Sie wurden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Bruch der Genfer Konvention und Verletzungen des Kriegsrechts für schuldig befunden.

Der demonstrative Selbstmord von Slobodan Praljak im Gerichtssaal überschattete die Urteilsverkündung. Nachdem sein Urteil von 20 Jahren Haft bestätigt wurde, rief Praljak "Ich bin kein Verbrecher" und trank Gift aus einer kleinen Flasche, die er bei sich hatte. Kurze Zeit später starb er im Krankenhaus. "Das ist eine Tragödie, dass ein Mensch sich in so einer Situation das Leben genommen hat. Daran müssen wir in erster Linie denken", sagt Wolfgang Schomburg, der erste deutsche Richter beim ICTY in Den Haag. "Wir hatten auch in der Vergangenheit Situationen, in denen Selbstmord mehrfach angedroht worden ist - etwa durch den Hungertod bei Vojislav Seselj (Parteigründer und Vorsitzender der Serbischen Radikalen Partei, Anm. d. Red.). Und mir ist auch als einem deutschen Strafrechtler nicht unbekannt, dass Leute in einer solchen Situation zum Äußersten greifen, aus sehr verschiedenen Motiven." Die Gesamtsicht auf das Tribunal könne sich aber durch einen einzelnen Vorfall eines Verurteilten nicht ändern.

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