Was Sie schon immer über Picasso wissen wollten, aber nie zu fragen wagten… | Kunst | DW | 13.03.2019
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Kunst

Was Sie schon immer über Picasso wissen wollten, aber nie zu fragen wagten…

War Picasso das arbeitswütige Genie, das sich immer wieder neu erfand und nebenbei die Frauen betörte? Was ist dran am Mythos Picasso? Hier kommen zehn wissenswerte Fakten…

1. Wieviele Bilder und Kunstwerke schuf Picasso in seinem Leben?

Die Zahl schwankt. Nach Schätzungen von Kunsthistorikern und Museumskuratoren schafft der spanische Maler und Bildhauer im Laufe seines Lebens gut 50.000 Werke - neben Gemälden auch Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Plastiken und Keramiken. Kein anderer Künstler seiner Generation ist so produktiv, noch dazu bis ins hohe Alter. Schon damit nimmt Picasso eine Ausnahmestellung in der neueren Kunstgeschichte ein.

2. Wie alt war Pablo Picasso, als er sein allererstes Bild malt?

Sein erstes Bild ist gleich ein Ölgemälde - "Der kleine Pikador", wozu ihn der Besuch eines Stierkampfes inspiriert hat. Da ist Pablo Ruiz Picasso gerade mal 9 Jahre alt. Doch kommt er aus einem kunstsinnigen Elternhaus.

Pablo Picasso Porträt (picture-alliance/akg-images)

Picasso als junger Mann 1904

Geboren wird Pablo am 25. Oktober 1881 im spanischen Malaga, einer Stadt, in der die Kunst eine jahrhundertealte Tradition hat. Sein Vater ist Maler und Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule, Malmaterial steht bei ihnen überall zu Hause herum. Sein Vater sieht in ihm das "Wunderkind" und unterrichtete ihn schon früh in akademischem Zeichnen.

3. Lernte Pablo Picasso das Handwerk als Maler, Bildhauer und Zeichner? 

1892 wird der talentierte Pablo Ruiz an der Kunstschule von Malaga aufgenommen. Neben dem normalen Schulunterricht malt und zeichnet Pablo in jeder freien Minute und qualifiziert sich schnell für höhere Ausbildungsgänge.

Nach der Oberstufe wechselt er an die Kunstakademie in Barcelona, kurz danach an die renommierte Akademie San Fernando in Madrid. Aber die Unterrichtsmethoden gefallen dem jungen Maler nicht. Schon nach einem halben Jahr verlässt er das Institut – und bildet sich fortan selbst aus und weiter.

Seinen Wissensdurst stillt er in Museen, Salons und Ateliers, er studiert die Techniken anderer Künstler und saugt alles auf, was um ihn herum an neuartiger Kunst, Literatur und Musik entsteht.

Porträt seiner Jaqueline (Succession Picasso/VG Bild-Kunst Bonn/Claude Germain)

Porträt seiner Jaqueline - ein Spätwerk, zu sehen im Potsdamer Barberini Museum .

4. Wie entstand "Picasso" als Kürzel für den später weltberühmten Maler?

Anfangs malt und signiert Pablo Ruiz Picasso – Picasso ist der Mädchenname seiner Mutter – noch mit vollem Namen. Ab 1900 unterschreibt er seine Bilder nur noch mit dem Schriftzug "Picasso". Da lebt und arbeitet er noch in Barcelona. Erst 1904 bezieht er ein Atelier in Paris.

Später wird sein Nachname zum Synonym für große Kunst und seine gestisch verwegene Mal- und Zeichentechnik. Anfangs sind  seine Gemälde noch starkfarbig und fast grell. Der junge talentierte Spanier will um jeden Preis auffallen. Picassos starkes Künstler-Ego treibt ihn zu ungeheurer Produktivität an.

5. Wie hieß Picasso eigentlich mit vollem Familiennamen?

Picasso stammt aus einer gutbürgerlichen Familie. Mit seinen beiden jüngeren Schwestern wächst Pablo in einer kulturaffinen, sehr gebildeten Umgebung auf. In der Familie ist es Tradition, die Kinder mit vielen klangvollen Namen auszustatten. So heißt Picasso mit vollem Taufnamen: Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso.

6. Wann hatte Picasso seine erste große Ausstellung?

Gleich die erste Ausstellung im Jahr 1909, die auch Arbeiten von ihm enthielt, kann der junge Maler als Erfolg verbuchen. Zum Leben reichen die Verkäufe aber noch nicht, im Gegenteil. Nicht selten übermalt er seine Bilder, weil ihm das Geld für neue Leinwand fehlt.

Hungrig nach neuen Erfahrungen und einem inspirierten Künstlerleben geht er zwischenzeitlich nach Paris, wo er erstes Atelier mietet. In den Cafes und Salons der Stadt kommt er in Kontakt mit der Kunstszene der französischen Kunstmetropole. Hier lernt er auch den Kunsthändler Pedro Manach kennen, der ihm einen monatlichen Festbetrag für seine Bilder anbietet.

Von den Museumsdirektoren und internationalen Kunstsammlern wird Picasso erst spät entdeckt. 1932 hat er seine erste große Einzelausstellung – im Kunsthaus Zürich in der Schweiz. Da war er schon über 30, hat den Kubismus miterfunden und ist wieder zu einem neoklassizistischen Stil zurückgekehrt. Neben seinen Gemälden schafft er zu diesem Zeitpunkt Skulpturen, Büsten und andere innovative Arbeiten.

Pablo Picasso

Pablo Picasso

7. Wann begann Picasso mit seiner Kunst Geld zu verdienen?

Durch die Arbeiten seiner von der Kunstgeschichte so genannten "Blauen Periode" und der nachfolgenden "Rosa Periode", die bis 1904 dauert, wird Picasso als Maler in Paris immer bekannter. 1906 macht er die Bekanntschaft mit dem damals bedeutendsten französischen Künstler, Henri Matisse, der ihm zahlreiche Kontakte verschafft.

Durch ihn lernt Picasso auch Ambroise Vollard kennen, der ihm alle Bilder seiner "Rosa Periode" abkaufte und ihn zum ersten Mal finanziell sorgenfrei macht. Später trägt der Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler, selbst eine Berühmtheit in der Kunstwelt, entscheidend dazu bei, dass Picasso einer der teuersten Künstler des 20. Jahrhunderts wird.

Kahnweiler vermittelt auch den Verkauf eines der Schlüsselwerke von Picasso - das großformatige Gemälde "Les Demoiselles d´Avignon". Der geschäftstüchtige deutsch-französische Galerist nimmt neben Picasso auch die Maler George Braque, Juan Gris und Ferdinand Léger unter Vertrag, verbietet allen aber im Gegenzug an den Pariser Salons und offiziellen Ausstellungen teilzunehmen. Picasso kann sich endlich eine neue Wohnung und ausgedehnte Reisen leisten.

Pablo Picasso Skulptur im Museum in Antibes (picture alliance/J. Hoelzl)

Frauenskulptur Picassos im Museum in Antibes in Südfrankreich.

8. Wie teuer ist das wertvollste Gemälde von Picasso?

Der bei einer Auktion 2015 in New York erzielte Umsatzrekord für ein Gemälde von Picasso beträgt 179,4 Millionen US-Dollar. Versteigert wurde das großformatige Ölgemälde "Les Femmes d´Algier", (deutsch: Die Frauen von Algier) das der spanische Maler im Jahr 1955 gemalt hat, bei dem Auktionshaus Christies.

9. Wie alt war Picasso, als er sein letztes Bild malt?

Für einen Künstler erreichte er ein fast schon biblisches Alter: mit über 90 ist Picasso noch immer als Maler und Zeichner aktiv. Er stirbt am 8. April 1973 in seiner Villa Notre-Dame-de Vie an der Côte Azur - im Alter von 91 Jahren.

In seinen letzten aktiven Lebensjahren als Maler widmet sich Picasso zunehmend zarten, kleinformatigen Stilleben und dem Interieur seines vorletzten Domizils, der "Villa Californie" in Südfrankreich.

Dort lebt er sehr zurückgezogen zusammen mit seiner zweiten Frau Jaqueline, die ihn weitgehend von der Außenwelt und seinen anderen Kindern abschirmt, und deren Tochter Catherine. Von der umtriebigen Kunstszene in Paris und den Zentren der internationalen Kunstwelt, die ihn als "Jahrhundertgenie" feiern, hat er sich da längst entfernt.

Filmstill | Henri-Georges Clouzot: Picasso (1955) (picture-alliance/dpa/Everett Collection)

Der Maler in einem Film von Henri-Georges Clouzot von 1955.

10. Was hat Picasso seinen Erben und der Nachwelt vermacht?

Schon bald nach dem Tod von Picasso bricht zwischen den Erben ein erbitterter Rechtsstreit aus. Die Familienverhältnisse sind kompliziert: Picasso war zwei Mal offiziell verheiratet, hatte aber auch mit seinen anderen Frauen Kinder. Seine Kinder aus der Beziehung mit Francoise Gilot, der Fotograf Claude Picasso und die Designerin Paloma Picasso sowie die Enkel seines ehelichen Sohn Paulo Picasso (1921-1975) streiten erbittert um ihren Anteil an dem riesigen Erbe.

1976 wird das materielle Vermögen, das der Künstler und mehrfache Millionär Pablo Picasso  hinterlassen hat, auf 3,75 Milliarden Franc (ca. 696 Millionen Euro) geschätzt. Dazu gehörten Häuser, Grundbesitz, Ateliers, diverse Immobilien und Picassos eigene private Kunstsammlung mit wertvollen Bildern von befreundeten oder von ihm sehr bewunderten Künstlern, wie Matisse, Miró, Modigliani, Cézanne und van Gogh.

Der eigene künstlerische Nachlass des berühmten spanischen Malers wird auf einen Wert von 1,275 Milliarden Franc geschätzt. Er umfasst: 1885 Gemälde, 7089 Zeichnungen, 19.134 Grafiken, 3222 Keramik-Arbeiten, 1228 Skulpturen und Objekte, sowie 175 Skizzenbücher mit rund 7000 Zeichnungen, die Picasso oft als Vorskizzen zu großen Arbeiten angefertigt hat.

Die millionenschwere Erbschaftsteuer an den französischen Staat wird von den Erben zum Teil in Kunst bezahlt. Diese Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen wurden zum Grundstock des 1985 eröffneten Picasso-Museums in Paris - bis heute ein Publikumsmagnet auch für Touristen aus aller Welt. (http://www.museepicassoparis.fr/)

(Quellen: Munzinger Archiv/dpa)

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