Was ist Jom Kippur? | Kultur | DW | 14.09.2013
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Kultur

Was ist Jom Kippur?

Auf Reue und Buße folgt die Versöhnung mit Gott. An Jom Kippur, der in diesem Jahr auf den 14. September fällt, begehen die Juden ihren höchsten Feiertag.

Jom Kippur oder auch Jom ha-Kippurim wird am 14. des jüdischen Kalendermonats Tischri gefeiert, was im September oder auch Oktober des gregorianischen Kalenders liegen kann. Nach jüdischer Zeitrechnung ist es der zehnte Tag nach dem Beginn des neuen Jahres und dem Neujahrsfest Rosch Haschana. Die zwischen jüdischem Neujahr und Jom Kippur liegenden Tage dienen der inneren Einkehr und Buße. Juden bekennen sich zu ihren Sünden und bitten Gott um Versöhnung. Gleichzeitig geht es aber auch darum, die Beziehungen zu seinen Mitmenschen in Ordnung zu bringen und Konflikte zu befrieden.

Der religiöse Ursprung

Mosesberg im Sinaigebirge, Fot: imago/blickwinkel

Auf dem Berg Sinai bat Moses Gott um Vergebung

Aus religiöser Sicht markiert Jom Kippur den Tag, an dem Gott dem Jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat. 40 Tage nachdem die Juden nach biblischer Überlieferung am Berg Sinai die Tora erhalten haben, wurden sie als Volk Gottes ausgewählt. In diesen 40 Tagen hatten sie gegen das Gottesgebot "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" verstoßen, indem sie ein Goldenes Kalb anbeteten und damit Götzendienst begingen. Moses bat Gott, sein Volk, die Juden, nicht zu zerstören. Gott vergab ihnen am 10. Tischri. Am Versöhnungstag wurde der Überlieferung nach ein Ziegenbock mit den Sünden des jüdischen Volkes beladen und in die Wüste geschickt. Mit Jom Kippur wird symbolisch Sündenbekenntnis, Läuterung, Vergebung und die unzerstörbare Verbindung zu Gott verbunden.

Der Begriff "Sündenbock" hat sich in abgewandelter Form bis heute im deutschen Sprachschatz erhalten. Der Ausdruck steht für einen Menschen, der ohne Schuld ist, aber von anderen für angebliche Vergehen oder unangenehme Ereignisse verantwortlich gemacht wird.

Buß- und Fastenregeln

Strenggläubige, weißgekleidete Juden in einer Synagoge im israelischen Bet Shemesh Foto:Getty Images

Strenggläubige Juden tragen an Jom Kippur weiße Kleidung und keine Lederschuhe

Begangen wird Jom Kippur als strenger Fastentag, von seinem Beginn am Vorabend bis zum Abend am Versöhnungstag selbst. Jom Kippur ist der einzige Fastentag, der auch an einem Sabbat begangen wird. Essen und Trinken ist verboten, auch Baden, Waschen und Kosmetika sind untersagt, ebenso sexueller Verkehr und im weiteren jede Form von Genuss. Streng religiöse Juden halten sich darüber hinaus an die Regel, keine Lederschuhe oder –stiefel zu tragen und weiße Kleidung zu tragen.

Jom Kippur wird auch heute noch von einer Mehrheit der Juden in aller Welt eingehalten. Alllerdings werden die Regeln nicht von allen in der gleichen strikten Form praktiziert. Sinn und ernster Charakter sind jedoch erhalten geblieben.

Ein Tag des Gebets

Mann mit Schofar vor Meereshorizont Foto: imago/epd

Ein langezogener Schofart-Ton beendet die Jom Kippur-Gebete

Am Vortag des Jom Kippur sind reichliches Essen und Trinken üblich. Zwei festliche Mahlzeiten gibt es: eine am Tage, die andere kurz vor Beginn des Feiertages am Abend. Dazu gehört unter anderem auch ein Stück Honigkuchen, das ebenso wie ein in Honig getauchter Apfel mit dem Wunsch für ein gutes (süßes) Jahr verbunden ist.

Am Versöhnungtag selbst herrscht strenge Enthaltsamkeit. Der größte Teil des Festes wird in der Synagoge gefeiert. Mehrere Gottesdienste erstrecken sich oft ohne Unterbrechung über den ganzen Tag. Zum Abschluss der Gebete wird mit einem Widderhorn, dem Schofar, noch ein langgezogener Ton geblasen. Jom Kippur ist vorbei. Anschließend versammeln sich die Familien zum gemeinsamen Festmahl statt, das sogenannte "Anbeißen" und die Gläubigen wünschen sich ein gutes Jahr.