Warum Weltbank-Präsident Jim Yong Kim vorzeitig aussteigt | Wirtschaft | DW | 01.02.2019
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Weltbank

Warum Weltbank-Präsident Jim Yong Kim vorzeitig aussteigt

Jim Yong Kim verlässt seinen Posten als Chef der Weltbank an diesem 1. Februar. Sein vorzeitiger Abgang zeigt, wie schwer sich die Entwicklungsbank damit tut, sich in einer globalisierten Welt zu positionieren.

Als Jim Yong Kim seinen überraschenden Rücktritt Anfang Januar bekannt gab, begründete er seine Entscheidung mit persönlichen Gründen. Er wolle in eine "Firma” eintreten, und sich um "Infrastruktur-Investitionen in Entwicklungsländern" kümmern - einen Firmennamen verriet er dabei nicht. 

Allerdings schrieb der 59-Jährige in einem Brief an seine Mitarbeiter, der als versteckte Kritik an der Organisation gewertet wurde: "Die Gelegenheit, in den privaten Sektor zu wechseln, kam überraschend. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies der Weg ist, auf dem ich den größten Einfluss auf wichtige globale Themen wie den Klimawandel und die Verbesserung der Infrastruktur in den Schwellenländern habe."

Die Tatsache, dass der Chef der Weltbank dieser bislang weltweit einflussreichsten Organisation für Entwicklung und Ausbau von Infrastruktur den Rücken kehrt, verrät viel über den Bedeutungsverlust der Weltbank in einer zunehmend multipolaren Welt.

Mehr Mittel und Reformen

Kim stand seit 2012 an der Spitze der Weltbank, nachdem er vom früheren US-Präsidenten Barack Obama für den Posten vorgeschlagen worden war. Zu seinen größten Leistungen zählt die zweimalige Aufstockung des IDA Fonds für die Unterstützung der ärmsten Länder und die Aufstockung des Kapitalstocks der Bank um 13 Milliarden Dollar (11,3 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr. Er hat außerdem darauf hingewiesen, dass die Armut auf der ganzen Welt zurückgegangen sei und die Bank bei ihrem Vorhaben, die extreme Armut bis 2030 zu beseitigen, auf einem guten Weg sei.

Während seiner Amtszeit arbeitete Kim an einer Generalüberholung der Strukturen der Weltbank, deren ursprüngliches Modell vorsah, dass Industrieländer die Entwicklung armer Länder finanzieren. Aber anstatt sich nur auf die Finanzzusagen von zaudernden Geber-Regierungen zu verlassen, suchte Kim nach neuen Finanzquellen. Er lockte private Investoren - Staatsfonds, Private Equity-Firmen und Versicherungsgesellschaften - damit, dass ihnen üppige Renditen winken, wenn sie ihr Geld in Projekte der Weltbank stecken.

Damit handelte sich Kim den Widerstand seiner eigenen Mitarbeiter ein, kam aber auch zu der Erkenntnis, dass die Bürokratie der Weltbank einfach nicht effektiv genug ist, um ihre Kernaufgabe zu erfüllen, nämlich ausreichende Mittel für die Ärmsten der Welt bereitzustellen. Er erinnerte sich an ein Treffen mit Geberländern, bei dem er den Eindruck bekam, dass für sie die Weltbank "völlig irrelevant" sei. "Der IWF ist ein systemisch wichtiges Finanzinstitut. Aber wir werden nur als ein Haufen Weltverbesserer angesehen", sagte er damals.

Bedeutungslosigkeit in Zahlen

Damit liegt Kim nicht ganz falsch. Es gibt eine riesige finanzielle Diskrepanz, wenn es um die Finanzierung von Projekten in Schwellen- und Entwicklungsländern geht. Nach Angaben der Weltbank werden jährlich zwischen einer und 1,5 Billionen Dollar für Investitionen in die Infrastruktur von Entwicklungsländern benötigt.

Und wie viel können multilaterale Entwicklungsbanken insgesamt aufbringen? Das Center for Global Development schätzt, dass alle zusammen - nicht nur die Weltbank, sondern auch regionale Kreditgeber wie die Asian Development Bank - etwa 116 Milliarden Dollar pro Jahr ausgeben können. Davon seien aber nur rund 45 Milliarden Dollar für den Infrastrukturaus- und aufbau vorgesehen.

Mittlerweile sind die Vereinigten Staaten, größter Beitragszahler und Anteilseigner, zum schärfsten Kritiker der Weltbank geworden. Die Spannungen in den geostrategischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China hatten in der Weltbank begonnen, als es um die Entscheidung ging, welche Projekte finanziert werden sollten oder nicht.

USA Krise Shutdown l Präsident Trump verkündet vorläufige Aufhebung der Haushaltssperre (Reuters/K. Larmarque)

US-Präsident Donald Trump macht keinen Hehl daraus, dass er wenig von der Weltbank hält



Washington hat das Sagen

Über einen Nachfolger von Jim Yong Kim wird der Vorstand der Weltbank erst nach dem 14. März entscheiden - bis dahin können Kandidaten nominiert werden. Bis zur Neubesetzung des Chefpostens wird die Bank von ihrer derzeitigen Vorstandvorsitzenden Kristalina Georgieva - einer ehemaligen EU-Kommissarin aus Bulgarien - geleitet.

US-Präsidenten ernennen traditionell den Präsidenten der Weltbank, während europäische Regierungen normalerweise den Chef des Internationalen Währungsfonds bestimmen. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Forderungen, dieses Gewohnheitsrecht abzuschaffen. Jetzt gab es sogar Überlegungen, dass andere Länder im Vorstand der Bank die Ernennung eines möglicherweise von Donald Trump bestimmten unorthodoxen Kandidaten blockieren könnten - das ist bis jetzt noch nie passiert.

Ray Washburne, ein Immobilienentwickler und Betreiber von Restaurants aus Texas, hat sich als Trumps Kandidat herauskristallisiert. Washburne leitet seit 2017 die US-Entwicklungsagentur Overseas Private Investment Corporation (Opic), die Mittel vom Kongress erhält. Die von der Opic aufgelegten Projekte sollen Chinas umfangreichen Investitionen in den Entwicklungsländern etwas entgegensetzen.

Eine anonyme Quelle beschrieb gegenüber der "Financial Times" Washburne kürzlich als jemanden, der nicht dabei zusehen würde, wie die Weltbank "zerlegt" wird, wie einige Kritiker befürchten. Stattdessen werde Washburne eher am "Wachsen" der Weltbank arbeiten.

Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich andere Länder auf einen alternativen Kandidaten einigen. Es gibt einige Nicht-Amerikaner, deren Namen in der Debatte auftauchen: Ngozi Okonjo-Iweala, eine nigerianische Ökonomin, die Kim 2012 Konkurrenz gemacht hatte sowie Donald Kaberuka aus Ruanda.

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