Warum Masern so gefährlich sind | Wissen & Umwelt | DW | 27.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Unterschätztes Risiko

Warum Masern so gefährlich sind

Angesichts eines Masern-Ausbruchs hat ein US-Landkreis den Notstand ausgerufen und nicht-geimpfte Kinder aus der Öffentlichkeit verbannt. Auch Deutschland debattiert kontrovers über eine Impfpflicht.

Es sind drastische Maßnahmen: Der rund 40 Kilometer nördlich der Millionenmetropole New York gelegene Bezirk Rockland County verfügte am Dienstag, dass nicht gegen die Krankheit geimpfte Minderjährige sich in den kommenden 30 Tagen nicht an öffentlichen Orten aufhalten dürfen. Dazu gehört auch der öffentliche Nahverkehr. "Wir müssen alles in unser Macht Stehende tun, um diesen Ausbruch zu beenden", sagte Landrat Ed Day. Außerdem müssten Menschen geschützt werden, die aus medizinischen Gründen nicht gegen Masern geimpft werden könnten - und Kinder, die zu jung für eine Impfung seien. Im Landkreis Rockland County mit seinen rund 300.000 Bewohnern wurden 153 Fälle von Masern registriert. Eigentlich war die Krankheit dort im Jahr 2000 für ausgerottet erklärt worden. In mehreren US-Regionen ist es zuletzt zu Masern-Ausbrüchen gekommen. Die Behörden machen dafür den Widerstand von Impfgegnern verantwortlich.

Weltweiter Anstieg der Masern-Fälle

Anfang März hatte das UN-Kinderhilfswerk Unicef wegen der rasant steigenden Zahl von Masernfällen in einigen Weltregionen Alarm geschlagen. Weltweit hätten 98 Länder 2018 mehr Fälle verzeichnet als im Jahr davor. Meldungen kamen auch aus Ländern, die zuvor noch masernfrei waren, darunter an erster Stelle Brasilien, wo sich im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Menschen mit Masern ansteckten. Auf den Philippinen haben sich rund 13. 000 und in Madagaskar seit vergangenem September mehr als 76. 000 Menschen mit Masern angesteckt. Besonders dramatisch ist die Lage auch in der Ukraine, wo sich alleine in den ersten Wochen dieses Jahres 24. 000 Menschen mit dem gefährlichen Virus angesteckt haben.

Kommt die Impfpflicht – auch in Deutschland?

In Deutschland war die Entwicklung umgekehrt: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ging die Zahl der gemeldeten Fälle von 929 Fällen 2017 auf 543 Fälle im vergangenen Jahr zurück. Trotzdem debattiert Deutschland weiterhin kontrovers die ursprünglich im März vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geforderten Pflichtimpfungen gegen Masern. Zuletzt hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Impfpflicht gegen Masern für Kinder im Kita- und Schulalter befürwortet. Auch in ihren eigenen Parteien stießen die Vorstöße auf Vorbehalte. So lehnte auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Karin Maag (CDU), eine Impfpflicht ab, unter anderem weil es an Erkenntnissen über die Vorteile von Pflichtimpfungen, wie sie in Italien und Frankreich eingeführt worden sind, mangele.

Auch das Robert Koch Instituts (RKI) äußerte sich zurückhaltend. So wurde in Deutschland auch keine auffällige Zunahme von Erkrankungen verzeichnet. Gleichwohl könne die Impfquote immer verbessert werden, vor allem bei jungen Erwachsenen. Bis Anfang der 1990er Jahre sei nur einmal gegen Masern geimpft worden. Die zweite Impfung nachzuholen, sei gerade bei dieser Gruppe schwierig. Dagegen haben Schulanfänger in Deutschland zu 97 Prozent die erste Masernimpfung, die zweite Impfung zu 93 Prozent. Die zweite Masernimpfung, die bis zum Ende des zweiten Lebensjahres erfolgen sollte, wird häufig erst später gemacht. Den Angaben des RKI zufolge haben im Bundesdurchschnitt nur 74 Prozent der Zweijährigen den vollen Schutz.

Wie verbreiten sich Masern-Erreger?  

Erste äußere Anzeichen für eine mögliche Masern-Infektion sind rote, juckende Flecken. Sie sind zunächst vor allem hinter den Ohren sichtbar. Drei Tage bevor sie auftauchen, ist die Menge an Viren am größten. Der Erkrankte ist bereits ansteckend, meist ohne es zu wissen. Eine sichere Diagnose erfolgt über den Nachweis von Antikörpern im Blut. 


Masern-Erreger werden aerogen übertragen. Infizierte geben die Viren direkt über die Luft in Form von feinsten Tröpfchen aus Speichel oder Schleim weiter. Diese entstehen beispielsweise beim Husten oder Niesen, werden aber auch schon beim Sprechen freigesetzt. Masern sind hochansteckend. Im Schnitt infiziert jeder Betroffene 15 weitere Menschen. Der Mensch ist der einzige natürliche Wirt des Masernvirus.

Mehr dazu: 

WHO: Masern-Erkrankungen haben sich in Europa verdreifacht

Mit Impfstoff gegen Masern

Masern sind oft unberechenbar

Etwa 14 Tage nach der Ansteckung kommt es zu Fieber, Husten und die roten Flecken beginnen zu jucken. Um diese Symptome zu lindern gibt der Arzt meist entsprechende Medikamente. Es kann auch zu Komplikationen wie etwa einer Mittelohr– oder Lungenentzündung kommen oder zu schwerem Durchfall. Der wiederum führt im schlimmsten Fall zur Dehydrierung und schwächt den gesamten Organismus. Eine spezielle Behandlung bei Masern gibt es nicht. Letztendlich muss der Körper mit der Infektion selbst fertig werden. 

Ein altes Medizinbuch von 1901 mit Abbildungen der Kinderkrankheiten Scharlach und Masern

Masern gehören zu den Kinderkrankheiten

Eine der schlimmsten Erkrankungen, die das Masern-Virus auslösen kann, ist die Hirnhautentzündung. Sie kann zu schweren Gehirnschäden und geistigen Behinderungen führen. Laut Robert Koch-Institut tritt die sogenannte Masern-Enzephalitis in einem von tausend Fällen auf. Jede fünfte Erkrankung davon verläuft tödlich. Solche Komplikationen müssen sich nicht notwendigerweise während des ursprünglichen Krankheitsverlaufs zeigen, auch noch Jahre später können sie auftreten.

Impfen ist der beste Schutz 

Viele Eltern lehnen eine Impfung ihrer Kinder ab, weil sie schlimme Nebenwirkungen befürchten. Sie gehen davon aus, dass es besser ist, wenn sich die Kinder auf natürlichem Weg anstecken. Eine Zeitlang waren sogar sogenannte Masernparties populär. Kinder, die bereits an Masern erkrankt waren, wurden zusammen mit gesunden Kindern gebracht. Diese infizierten sich dann mit dem gefährlichen Virus.

Eltern, die sich für eine solche Praxis entscheiden, sind meist davon überzeugt, dass es die Abwehrkräfte des Kindes stärkt, wenn sie den Krankheitsverlauf durchmachen. Experten sind davon überzeugt, dass das nicht zutrifft. Zur Impfmüdigkeit tragen auch falsche Behauptungen bei. Dazu gehört der Mythos, es gebe einen Zusammenhang zwischen einer Masern-Impfung und Autismus. Diese Theorie haben Mediziner jedoch mittlerweile als eindeutig falsch entlarvt.

Geimpft wird in zwei Teilimpfungen mit abgeschwächten Masernviren, einem Lebendimpfstoff. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Masernimpfung in Kombination mit Mumps und Röteln. Die Impfung sollte nach dem zwölften Lebensmonat erfolgen. So können Eltern sicherstellen, dass ihr Kind vor dem gefährlichen Virus geschützt ist. 

Junges Mädchen mit Masern

Auch Jugendliche und Erwachsene können sich mit Masern anstecken

Klassenziel nicht erreicht

Die WHO hatte sich auf die Fahnen geschrieben, das Masernvirus bis zum Jahr 2020 weltweit auszurotten. Dieses Ziel haben bislang nur einige Länder erreicht, in Europa sind das unter anderen Estland, Finnland, Portugal, die Slowakei, Slowenien und die Tschechische Republik.

Deutschland gehört nicht zu den Ländern, die als frei von Masern eingestuft werden. Laut STIKO gilt ein Virus als ausgerottet, wenn unter einer Million Menschen maximal einer erkrankt. Das aber hat Deutschland bislang noch nicht erreicht. 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links