Warum Deutschland die EM 2024 ausrichten wird | Fußball | DW | 24.04.2018
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Fußball-EM 2024

Warum Deutschland die EM 2024 ausrichten wird

Eine DFB-Delegation unter Leitung von Präsident Reinhard Grindel hat bei der UEFA die Bewerbungsunterlagen für die EM 2024 überreicht. Wir erwarten, dass Deutschland den Zuschlag erhält und nennen dafür fünf Gründe.

DFB übergibt Bewerbung für EM 2024 an UEFA (picture-alliance/dpa/UEFA/H. Cunningham)

DFB-Präsident Grindel (2.v.r.), Generalsekretär Curtius (r.), Integrationsbotschafterin Sasic (l.) und Ehrenspielführer Lahm (2.v.l.) übergeben die Bewerbungsunterlagen an UEFA-Generalsekretär Theodoridis (3.v.l.)

Deutschland ist Organisationsweltmeister

Auch wenn andere Großprojekte wie der neue Berliner Flughafen, der einfach nicht fertig wird, das Gegenteil vermuten lassen: Deutschland weiß, wie man Fußball-Großereignisse organisiert. Egal ob bei den WM-Endrunden 1974 und 2006, der EM 1988 oder der Frauenfußball-WM 2011, über organisatorische Mängel wurde eigentlich nie geklagt. Das Land ist eines der am dichtesten besiedelten Europas, damit ist auch die für eine Europameisterschaft mit vielen Spielorten nötige Infrastruktur vorhanden: Flughäfen, Zug- und Straßenverbindungen, Unterbringungsmöglichkeiten. Zehn Stadien hat der DFB in seiner Bewerbung um die EM 2024 als Spielorte benannt: Berlin, Leipzig, Hamburg, Dortmund, Gelsenkirchen, Köln, Stuttgart, Frankfurt, München und Düsseldorf. Sie alle entsprechen internationalen Anforderungen und müssen nicht erst errichtet oder umgebaut werden. 

Der DFB hat das nötige Kleingeld

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat mehr als sieben Millionen Mitglieder. Damit ist er der größte Sportfachverband der Welt. Und auch einer der reichsten: Sein Vermögen wird auf mindestens 200 Millionen Euro geschätzt. Allein 2017 soll der DFB zudem mit Sponsoren- und TV-Geldern, Siegprämie für den Confed-Cup und FIFA-Aufwandsentschädigung 127 Millionen Euro eingenommen haben. Als eingetragener gemeinnütziger Verein ist er zwar verpflichtet, das Geld wieder auszugeben, genießt gleichzeitig aber auch Steuerfreiheit. Die Bundesregierung hat angeblich auch der Europäischen Fußball-Union (UEFA) versprochen, dass diese keine Einkommen- und Körperschaftssteuer zahlen muss, falls Deutschland den Zuschlag für 2024 erhält. Also: Am Geld sollte die Bewerbung nicht scheitern.

Das Sommermärchen zählt, nicht der Skandal

Im Vorfeld der Vergabe von FIFA-Fußballweltmeisterschaften wurde regelmäßig gemauschelt und auch bestochen, das ist längst kein Geheimnis mehr. Wohl kaum jemand dürfte ernsthaft glauben, dass ausgerechnet die WM 2006 dabei eine rühmliche Ausnahme bildete. Wohl auch deshalb hielt sich international die Aufregung über den WM-Skandal 2006 in Grenzen. Fußballfunktionäre der UEFA - und die entscheiden am 27. September über die Vergabe der EM 2024 - werden erst recht mit den Schultern gezuckt haben. Sie dürften sich eher an die tolle Stimmung in Deutschland erinnern, die das Turnier 2006 zum "Sommermärchen" werden ließ. Und daran, dass es ihnen selbst damals an Komfort und Annehmlichkeiten sicher nicht mangelte.

Die politische Lage spricht gegen die Türkei

"Unser Land steht im Herzen Europas für die Werte, für die auch der Fußball eintritt: Fair Play, Respekt und Toleranz", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel und traf damit ziemlich genau, was für Deutschland und gegen den Mitbewerber spricht. Die Lage der Menschenrechte in der Türkei ist unter Präsident Recep Tayyip Erdogan, gelinde gesagt, problematisch. Das Land entfernt sich derzeit eher von der Europäischen Union, als sich ihr zu nähern. Auch wenn die Missachtung von Menschenrechten in Bewerberländern Fußballfunktionäre in der Vergangenheit nicht unbedingt davon abgehalten hat, diesen Kandidaten den Zuschlag zu geben - siehe Russland und Katar -, könnte bei der UEFA diesmal die Meinung vorherrschen: "Lasst uns nicht die Fehler der FIFA wiederholen! Dann müssen wir uns auch nicht ständig rechtfertigen." Das dürfte die Chancen Deutschlands erhöhen.

Die Strahlkraft des DFB-Teams

Ein Flaggschiff sorgt für Prestige. Genau daran fehlt es dem Mitbewerber Türkei. Die Nationalmannschaft des Landes lässt inzwischen selbst die für ihre Begeisterungsfähigkeit bekannten türkischen Fans kalt. Bei der EM 2016 scheiterte das Team bereits in der Vorrunde, für die WM 2018 konnte sie sich nicht einmal qualifizieren. Ganz anders die DFB-Elf, die sich weit über die Grenzen Deutschlands hinweg als Marke etabliert hat. Weltmeister 2014, Confed-Cup-Sieger 2017, Titelfavorit 2018, damit lässt sich trefflich werben. Dass der DFB mit Philipp Lahm einen der WM-Helden von 2014 und auch international großen Sympathieträger als EM-Botschafter gewinnen konnte, ist sicher auch kein Nachteil.

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