Waldbrände in Argentinien: Kritik an Milei wächst
Seit Wochen wüten Waldbrände in der argentinischen Region Patagonien. Es sind die Schlimmsten seit Jahrzehnten. Kritiker geben Präsident Milei und seinem Sparkurs eine Mitschuld an den Bränden.

Flammendes Inferno
Feuer erhellt den Nachthimmel: Weite Teile des Nationalparks Los Alerces stehen derzeit in Flammen. In den letzten anderthalb Monaten sind mehr als 45.000 Hektar Wald niedergebrannt, Tausende Einheimische sowie Touristinnen und Touristen mussten fliehen. Und dabei steht der Großteil der argentinischen Waldbrandsaison erst noch bevor.
Die Wut wächst
Das Inferno breitet sich nach wie vor aus - und die Wut auf die Regierung in Buenos Aires wächst. Argentiniens rechtslibertärer Präsident Javier Milei hatte die Präsidentschaftswahl mit dem Versprechen gewonnen, die argentinische Wirtschaft durch die Kürzung öffentlicher Ausgaben zu retten. 2024 reduzierte er die Ausgaben für die nationale Feuerwehrbehörde um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
"Über die Grenzen hinaus ausgelastet"
Auch bei den Ausgaben zum Schutz der Nationalparks wurde radikal gespart: "Es war eine politische Entscheidung, Feuer bekämpfende Einrichtungen auseinanderzunehmen", sagte Luis Schinelli, Ranger im Los-Alerces-Nationalpark, der Nachrichtenagentur AP. Die Teams seien "über ihre Grenzen hinaus" ausgelastet. Der Nationalpark ist Unesco-Welterbestätte und beheimatet bis zu 2600 Jahre alte Bäume.
Protest gegen den Präsidenten
Reaktion erst nach öffentlichem Druck: Einen Monat lang blieb Milei untätig und sagte so gut wie nichts zu den Waldbränden. Erst als Gouverneure Druck auf ihn ausübten und Menschen so wie hier in Buenos Aires auf die Straße gingen, verhängte der Präsident am vergangenen Freitag auf Grund der Waldbrände den Notstand.
Beschuldigungen ohne Beweise
Mit dem Dekret werden Bundesgelder für die Feuerbekämpfung freigegeben, umgerechnet knapp 60 Millionen Euro. Zuvor hatte die Regierung militante Gruppen der indigenen Mapuche für die Waldbrände verantwortlich gemacht, ohne dafür Beweise vorzulegen. In einer gemeinsamen Erklärung warfen daraufhin Umweltorganisationen der Regierung Rassismus und Untätigkeit bei der Bekämpfung der Waldbrände vor.
Apokalyptisches Ausmaß
Region in Flammen: In Argentinien und dem Nachbarland Chile wüten jeweils im Sommer schwere Waldbrände. Die Kürzungen beim Brandschutz in Argentinien kommen zu einer Zeit, in der der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger und schwerwiegender macht; in Patagonien werden die Sommer seit Jahren immer trockener, womit sich das Risiko von Waldbränden erhöht.
Machtlos angesichts der Katastrophe
"Der Klimawandel ist eine unbestreitbare Tatsache. Wir erleben ihn gerade", sagt Feuerwehrmann Hernán Mondino, der im Nationalpark Los Alerces gegen die Flammen kämpft, der AP. "Aber wir sehen keine Anzeichen dafür, dass die Regierung sich um unsere Situation sorgt." Präsident Milei leugnet den vom Menschen verursachten Klimawandel, den er als "sozialistische Lüge" bezeichnet.
"Es ist unser Zuhause"
Ein Eimer Wasser gegen die Feuerbrunst: Einheimische in der Provinz Chubut helfen mit allen Mitteln beim Bekämpfen der Feuer. "Es tut weh, weil es nicht nur eine schöne Landschaft ist, sondern unser Zuhause", sagte Mariana Rivas, eine der Freiwilligen, der AP. "Es herrscht Wut darüber, was hätte vermieden werden können, und Wut darüber, dass es jedes Jahr schlimmer wird."