Trockenheit in Europa: Kampf gegen Waldbrände
Deutschland, Niederlande, Tschechien, Italien: Außergewöhnlich früh im Jahr brennen bereits Wälder in mehreren europäischen Ländern. Starke Trockenheit und mancherorts Wind erschweren die Löscharbeiten.

Wasser für den Wald
Großeinsatz in Tschechien: Insgesamt acht Hubschrauber transportieren Löschwasserbehälter zu einem Waldbrand in der Böhmischen Schweiz. Das Feuer in dem beliebten Nationalpark unweit der Grenze zu Sachsen war am Samstagnachmittag in der Gemeinde Jetrichovice ausgebrochen. Die Polizei sperrte Straßen und rief die Menschen auf, das Gebiet zu meiden und die rund 500 Einsatzkräfte nicht zu behindern.
"Das Wetter ist unberechenbar"
Am Montag breitete sich das Feuer zwar nicht weiter aus, war nach Angaben der Behörden aber auch noch nicht unter Kontrolle. Erschwert wird der Einsatz im schwer zugänglichen Gelände durch Hitze, Trockenheit und Wind. Man hofft nun auf Niederschläge, mit denen spätestens am Dienstag gerechnet wird. Aber: "Das Wetter ist unberechenbar", schrieb die tschechische Feuerwehr auf der Plattform X.
Hoffen auf Regen
Auch Deutschland wartet auf Regen: Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz im brandenburgischen Jüterbog war am Freitag ein Waldbrand ausgebrochen und hatte sich rasch ausgedehnt, rund 113 Hektar sind betroffen. "Wir hoffen, dass es in den kommenden Tagen ausreichend Niederschlag gibt", sagte Antje Wurz von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Frühes Feuer
Auf dem Areal, das inzwischen ein Naturschutzgebiet ist, kommt es häufiger zu Bränden, aber: "Es ist ungewöhnlich, dass es so früh im Jahr einen Waldbrand dieser Art gibt“, so Forstwissenschaftlerin Wurz gegenüber dpa. Einsatzkräfte müssen tatenlos zusehen, wie sich das Feuer ausbreitet: Die Feuerwehr kann wenig ausrichten, da alte Munition im Boden einen direkten Löscheinsatz gefährlich macht.
Waldbrand-Wochenende
In mindestens vier weiteren deutschen Bundesländern wurden am Wochenende Waldbrände gemeldet, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Diese Einsatzkräfte bekämpfen einen Brand in Rheinland-Pfalz: Nach Behördenangaben waren Hunderte Feuerwehrleute nahe Friesenhagen in unwegsamem und steilem Gelände im Einsatz, um einen Brand auf rund vier Hektar einzudämmen.
Glimmender Gipfel
Auch auf dem Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen brennt seit dem Sonntagabend der Wald. Experten warnen bereits seit Längerem vor frühen Waldbränden in ganz Deutschland: Grund dafür ist der ungewöhnlich trockene Boden nach geringen Niederschlägen im ersten Halbjahr. So war der April in ganz Deutschland und speziell in Bayern nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts "außergewöhnlich trocken".
Unklare Ursachen
In den Niederlanden haben sich seit Donnerstag vergangener Woche mindestens fünf Waldbrände ausgebreitet: Alleine bei zwei auf Truppenübungsplätzen ausgebrochenen Feuern wurden rund 135 Hektar zerstört. Der Flughafen Kempen nahe der belgischen Grenze musste evakuiert werden. Laut Behörden herrscht Unklarheit über die Brandursachen; ein möglicher Zusammenhang mit Militärübungen werde geprüft.
"Beispiellose Situation"
"Wir haben mehrere größere Brände und nur ein einziges Hubschrauberteam zur Verfügung", sagte Edwin Kok, nationaler Koordinator für Waldbrandkontrolle. "Mit fünf Bränden gleichzeitig ist das eine beispiellose Situation, selbst für uns." Die Nachbarländer Belgien, Deutschland und Frankreich schickten Einsatzkräfte und Fahrzeuge zur Unterstützung der niederländischen Feuerwehr.
Brandbeschleuniger Klimawandel
Etwa sieben Quadratkilometer Wald fielen in der Toskana den Flammen zum Opfer: In der beliebten Urlaubsregion bei Pisa tobten tagelang schwere Brände. 3500 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht; inzwischen ist die Lage unter Kontrolle. Waldbrände treten in Italien üblicherweise erst im Sommer auf. Infolge der Erderwärmung herrschen inzwischen oft deutlich früher hohe Temperaturen.