Waldbrände im Amazonas: Verheerendster Juni seit 13 Jahren | Aktuell Amerika | DW | 02.07.2020
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Brasilien

Waldbrände im Amazonas: Verheerendster Juni seit 13 Jahren

Umweltschützer befürchten, dass sich die Umweltkatastrophe des vergangenen Jahres in Brasilien wiederholen könnte. Denn die Waldbrände im Amazonas haben einen neuen Negativrekord erreicht.

Archivbilder Amazonas Waldbrände (Reuters/B. Kelly)

Im Jahr 2019 wüteten die schwersten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren (Archivbild)

Die Zerstörung des brasilianischen Regenwalds durch Brände dürfte dieses Jahr noch schlimmer werden als im bereits verheerenden Vorjahr: Allein im Juni zählte Brasiliens Institut für Weltraumforschung (Inpe) bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen 2248 Brände im Amazonas. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Steigerung von fast 20 Prozent. Damit ist es der schlimmste Juni seit 13 Jahren, wie das Institut mitteilte.

Die meisten Feuer im Amazonas gehen auf Brandrodung zurück

Der Höhepunkt dürfte nach Einschätzung von Experten aber erst im August erreicht werden. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl der Brände bei 30.000 gelegen und sich damit im Vergleich zum August 2018 verdreifacht. Zudem hatten sich die Feuer auch auf Bolivien und Peru ausgedehnt. Die Umweltorganisation Greenpeace äußerte die Befürchtung, dass sich die Umweltkatastrophe des vergangenen Jahres wiederholen wird.

Archivbilder Amazonas Waldbrände (Reuters/U. Marcelino)

In diesem Jahr war die Brandrodung besonders intensiv

Die meisten Feuer im Amazonas gehen auf Brandrodung in abgeholzten Gebieten zurück - dahinter stehen oftmals Bauern, die auf diese Weise neue Anbauflächen schaffen wollen. In diesem Jahr war die Abholzung besonders intensiv: Laut Inpe wurden auf diese Weise zwischen Januar und Mai 2000 Quadratkilometer Urwald vernichtet - 34 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das Amazonas-Umweltforschungsinstitut schätzt, dass 9000 Quadratkilometer Wald, die seit vergangenem Jahr abgeholzt wurden, noch vor August in Flammen aufgehen könnten.

Präsident Bolsonaro gilt als Skeptiker des Klimawandels

Umweltschützer beschuldigen den rechtspopulistischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro, die illegalen Rodungen zu fördern, wenn er immer wieder die Legalisierung von Landwirtschaft und Bergbau in geschützten Gebieten fordert. Bolsonaro gilt als Skeptiker des Klimawandels. Der Staatschef hat die finanziellen und personellen Ressourcen für den Umweltschutz bereits drastisch gekürzt. Die Daten von Inpe, das seit 30 Jahren die Abholzung des Regenwaldes via Satellit dokumentiert, tat er im vergangenen Jahr öffentlich als "Lüge" ab und bezeichnete sie als "Umweltpsychose". Dem Chef von Inpe, Ricardo Osório Galvão, warf er vor, "im Auftrag internationaler Nichtregierungsorganisationen" zu handeln und verfügte seine Entlassung.

Experten glauben auch, dass die Zunahme der Waldbrände die Atembeschwerden in der von der Corona-Pandemie schwer betroffenen Bevölkerung noch verstärken könnte. Fast 60.000 Brasilianer sind bislang an COVID-19 gestorben.

pg/se (afp, epd, kna)

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