Waffenruhe der FARC-Rebellen beginnt | Aktuell Amerika | DW | 19.07.2015
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Aktuell Amerika

Waffenruhe der FARC-Rebellen beginnt

Seit 2012 verhandeln Kolumbiens Regierung und die Guerilla über ein Ende ihres jahrzehntelangen Kampfes. Nun wollen die FARC für mindestens einen Monat das Feuer einstellen. Präsident Santos jubelt - zu früh?

Eine Gesprächsrunde von Vertretern der kolumbianischen Regierung und der FARC-Rebellen in Havanna (Foto: picture-alliance/dpa/Omar Nieto Remolina)

Eine Gesprächsrunde von Vertretern der kolumbianischen Regierung und der FARC-Rebellen in Havanna

Angesichts der bevorstehenden einseitigen Waffenruhe der linken Guerilla-Organisation FARC sieht Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos einen Friedensschluss in greifbarer Nähe. "Er ist nah. Wir sind so weit gekommen wie noch nie und die Kosten sind gering, verglichen mit der Friedensdividende", sagte der Staatschef in einem Interview der Zeitung "El Tiempo". An diesem Montag beginnt eine einmonatige, einseitige Waffenruhe der FARC-Rebellen. Die Regierung sagte ihrerseits zu, ihre Militäreinsätze gegen die Guerilla einzuschränken.

Sogar eine viermonatige Feuerpause möglich?

Beide Parteien verhandeln seit Ende 2012 in Kuba über eine Beilegung des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts. Entscheidend dürfte sein, ob beide Seiten diesmal die Nerven behalten. Eine frühere einseitige Waffenruhe kündigten die FARC Ende Mai auf, nachdem die Streitkräfte sie immer wieder angegriffen hatten. Daraufhin eskalierte der Konflikt erneut.

Kolumbianischer Präsident Juan Manuel Santos (Foto: picture-alliance/dpa/E. Herrera)

Staatschef Juan Manuel Santos

Santos hatte Mitte der Woche sogar von einer viermonatigen Waffenruhe der Rebellen gesprochen. Aus dem Umfeld der FARC wurden Santos' Äußerungen jedoch weder bestätigt noch dementiert. Als Zeichen des guten Willens ließen die Rebellen indes am Sonntag einen Offizier frei. "Leutnant Moscoso ist frei und es geht ihm gut", schrieb Santos auf Twitter. Cristian Moscoso Rivera war am 8. Juli bei Gefechten im Department Putumayo im Süden des Landes von der Guerilla gefangen genommen worden. Die Soldaten hatten einen Konvoi von Tanklastzügen begleitet und waren von den FARC angegriffen worden. Bei den Kämpfen war ein Soldat getötet worden, zwei weitere wurden verletzt.

Santos stellt Amnestie für 7000 Kämpfer in Aussicht

Auch kurz vor Beginn der Waffenruhe lieferten sich Rebellen und Sicherheitskräfte erneut Gefechte. Bei verschiedenen Zusammenstößen starb ein FARC-Mitglied, elf weitere Menschen - darunter sechs Zivilisten - erlitten Verletzungen, wie ein Behördensprecher mitteilte. Für einen endgültigen Friedensschluss müssten die FARC ihre Waffen niederlegen, bekräftigte Santos. Im Gegenzug stellte er eine Amnestie für die rund 7000 einfachen Kämpfer in Aussicht. Nur die Anführer würden strafrechtlich belangt.

Der Konflikt zwischen Guerillagruppen, Armee und auch rechtsextremen Paramilitärs in Kolumbien entzündete sich in der 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit. Die FARC-Rebellen kämpfen seit 1964 gegen Großgrundbesitzer und die Regierung. Amtlichen Angaben zufolge wurden in dem längsten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas etwa 220.000 Menschen getötet. Heute sind die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) mit rund 9.200 Kämpfern die größte und älteste noch aktive Rebellenorganisation Lateinamerikas.

sti/wl (afp, dpa, epd kna)