VW: Riesige Parkplätze und Vier-Tage-Woche | Wirtschaft | DW | 27.06.2018
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Abgasskandal

VW: Riesige Parkplätze und Vier-Tage-Woche

Gute Nachrichten aus Berlin: Der neue Hauptstadtflughafen wird eröffnet. Allerdings nur für Volkswagen. Die wollen dort ein paar Tausend Autos abstellen. Zugleich lässt der Konzern die Arbeit an einigen Tagen ruhen.

Bei Volkswagen kennen sie sich aus mit gigantischen Parkplätzen: In den USA reihen sich auf riesigen Flächen Abertausende von Autos auf, die wegen des Dieselskandals zurückgerufen oder zurückgenommen werden mussten (siehe Artikelbild). Ähnliches droht jetzt auch in Deutschland, allerdings hat das nur bedingt mit Dieselgate zu tun, aber indirekt schon: Denn ab dem 1. September dürfen nur noch Fahrzeuge verkauft werden, die nach dem neuen Zulassungsstandard namens WLTP zertifiziert sind. Der wurde europaweit als Folge des Dieselskandals eingeführt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Abgastests näher an der Realität sind.

VW produziert deshalb bereits zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das Prüfverfahren schaffen. Allerdings fehlen derzeit noch die Freigaben für viele dieser Modelle durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Konzernweit könne es durch die Umstellung auf das WLTP-Verfahren zu Lieferverzögerungen bei 200.000 bis 250.000 Fahrzeuge kommen, sagte ein VW-Sprecher. Ein Teil davon werde auf den angemieteten Parkplätzen abgestellt. Einer davon ist der nach wie vor nicht eröffnete neue Hauptstadtflughafen BER, wie zunächst das "Handelsblatt" in seiner Mittwochausgabe berichtet hatte.

Berlin BER-Flughafen Baustelle - Parkplätze (DW/I. Rotter)

Weil hier niemand fliegt, stellt auch niemand sein Auto ab: Mögliche Parkplätze am Berliner Flughafen BER

Weitere Flächen werden dem Bericht zufolge geprüft, so das konzerneigene Testgelände nahe dem Stammwerk Wolfsburg, aber auch weitere Flughäfen wie Münster/Osnabrück und Hannover sowie der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, Deutschlands einziger Tiefseehafen.     

Die Probleme mit dem neuen Zertifizierungsstand haben alle deutschen Hersteller, VW ist davon aber heftigsten betroffen. Weil die Entwicklungsabteilung in den vergangenen Monaten komplett überlastet war durch das Schreiben neuer Software für vom Dieselskandal betroffene Fahrzeuge, hatte man zu wenig Zeit, sich auf das WLTP-Standard vorzubereiten. Das rächt sich jetzt.

Volkswagen hatte bereits gestern mitgeteilt, das nach den Werksferien die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an ein bis zwei Tagen in der Woche ruhen werde. Diese Maßnahme werde unmittelbar nach den Werksferien Ende Juli eingeführt und sei bis Ende September geplant, hieß es am Dienstag in einer im Intranet von VW verbreiteten Mitteilung an die Mitarbeiter, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

Jade-Weser-Port Wilhemshaven (JadeWeserPort)

Wenige Container, noch weniger Schiffe: Auch am Jade-Weser-Port ist reichlich Platz

Weitere Werke betroffen

Volkswagen hatte bereits Anfang Juni angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden, weil die neue Testprozedur (WLTP) komplexer sei und länger dauere. Verschärfend kommt hinzu, dass die Abgasprüfstände in Deutschland wegen der Dieselrückrufe auch anderer Autobauer bereits ausgelastet sind.

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Die Zukunft von VW in den USA

"Die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP ist ein Kraftakt und hat, wie bereits angekündigt, von August an vorübergehende Auslastungslücken in der Produktion zur Folge", teilte VW mit. Auch andere VW-Werke sind davon betroffen. So sind am Standort in Zwickau für das dritte Quartal ebenfalls vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfallen auch nur einzelne Schichten. Auch die VW-eigenen Komponentenwerke in Kassel und Salzgitter sind betroffen.

Unabhängig vom neuen Abgasmesszyklus werde es im Passat-Werk Emden im dritten und auch im vierten Quartal ebenfalls Schließtage geben, teilte VW weiter mit. Grund dort sei eine schwierige Marktsituation im Mittelklasse-Segment, von der Volkswagen als Marktführer besonders betroffen sei.

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