Vom Rathaus in den Präsidentenpalast | Afrika | DW | 21.01.2014
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Afrika

Vom Rathaus in den Präsidentenpalast

Die Bürgermeisterin von Bangui, Catherine Samba-Panza, ist zur neuen Übergangspräsidentin der Zentralafrikanischen Republik gewählt worden. Sie soll das Land aus dem Chaos und hin zu freien Wahlen führen.

"Ab dem heutigen Tag bin ich die Präsidentin von allen Zentralafrikanern und Zentralafrikanerinnen", sagt Catherine Samba-Panza und in ihrer Stimme klingt die Überzeugung mit, dass sie es auch so meint. Und so richten sich ihre ersten Worte nach ihrer Wahl zur neuen Übergangspräsidentin der Zentralafrikanischen Republik durch den nationalen Übergangsrat explizit an alle ihre Landsleute: "Ich appelliere an jeden und jede von euch: Helft mit, unser geliebtes Vaterland wiederaufzubauen."

Acht Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt, darunter zwei Frauen und zwei Söhne ehemaliger Präsidenten. Sie alle mussten die strengen Vorgaben des nationalen Übergangsrates erfüllen: Demnach waren all jene von der Kandidatur ausgeschlossen, die unter dem bisherigen Übergangspräsidenten Michel Djotodia ein politisches Amt ausgeübt haben sowie alle Parteichefs und aktiven Militärs. Auch wer in den letzten Jahren einer Miliz angehörte, durfte nicht kandidieren.

Wahl in der Zentralafrikanischen Republik (Foto: REUTERS/Siegfried Modola)

Die Mitglieder des Übergangsrats konnten zwischen acht Kandidaten wählen

Djotodia hatte sich nach dem Sturz von Präsident Francois Bozizé durch die muslimischen Seleka-Rebellen im März 2013 an die Spitze des Staates gesetzt; auf internationalen Druck war Djotodia vor knapp zwei Wochen (10.01.2014) zurückgetreten.

Anwältin und Bürgermeisterin

Samba-Panza hatte seit dem Putsch durch die muslimische Seleka im März 2013 das Amt der Bürgermeisterin der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui inne. Sie wurde damals per Dekret des Präsidenten Djotodia ernannt. Samba-Panza gehörte selbst nie der Seleka an.

Auch wenn die Menschen sie nicht in einer Wahl selbst bestimmen konnten, seien die meisten Bewohner Banguis mit ihrer Ernennung zufrieden gewesen, schreibt die katholische Tageszeitung "la Croix" aus Frankreich. Die Geschäftswelt habe sie als kompetent bezeichnet. Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen hätten es begrüßt, dass eine Frau ein solch hohes Amt bekleidet, so "la Croix".

Die 59-Jährige ist im Tschad geboren und hat in Frankreich Jura studiert. Zwei ihrer drei Kinder leben heute noch dort. Bevor sie in die Politik gelangte, hatte sie als Wirtschaftsanwältin gearbeitet. Parallel engagierte sie sich in einer Frauenrechtsorganisation.

Hoffen auf Einigkeit

"Sie ist eine Präsidentin, die das Land und die politische Elite einen kann", glaubt Paul Simon Handy, stellvertretender Direktor des Instituts für Sicherheitsstudien in Südafrika. Und so gratulierte auch Désiré Nzanga Kolingba, der als Zweitplazierter aus der Präsidentenwahl hervorging, der neuen Übergangspräsidentin zu ihrem Sieg. "Ich nutze diese Gelegenheit, um all unsere Landsleute dazu aufzufordern, sich um Frau Samba-Panza zu vereinen, damit wir unser Land aus diesem Chaos führen können", sagte Kolingba im DW-Interview.

Zentralafrikanische Republik Miliz Kämpfer (Foto: REUTERS/Emmanuel Braun)

Samba-Panza will die Milizen dazu bewegen, ihre Waffen niederzulegen

Samba-Panza hatte im ersten Wahldurchgang nicht die absolute Mehrheit der Stimmen bekommen. Sie trat deshalb in einer Stichwahl gegen Kolingba an, dessen Vater bereits Präsident der Zentralafrikanischen Republik war. 75 Parlamentarier stimmten für Samba-Panza, 53 für Kolingba.

Große Aufgaben, wenig Zeit

Die neue Übergangspräsidentin steht nun vor der großen Aufgabe, den blutigen Konflikt zwischen den muslimischen Seleka-Kämpfern und den christlichen Anti-Balaka-Milizen zu befrieden, hunderttausenden Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Dörfer zu ermöglichen und die Regierungsfähigkeit wieder herzustellen.

"Ich appelliere an meine Kinder, die Anti-Balaka: Legt eure Waffen nieder, als Reaktion auf meine Wahl. Und an meine Kinder, die Seleka-Rebellen: Auch ihr sollt die Waffen niederlegen", sagte sie direkt nach der Wahl.

Ob sich die Milizen ihre Worte zu Herzen nehmen, bezweifelt Handy vom Institut für Sicherheitsstudien: "Sie braucht mehr als nur ihre mütterliche Art, um die bewaffneten Gruppen vom Frieden zu überzeugen. Sie wird Sicherheitspersonal benötigen, das die bewaffneten Gruppen zwingt, ihre Waffen niederzulegen, wenn sie es nicht freiwillig tun."

Dennoch habe sie gute Chancen, die Versöhnung im Land herbeizuführen. "Ich fürchte allerdings, dass der Prozess der Versöhnung länger dauern wird als die Amtszeit der Übergangspräsidentin", so Handy. Spätestens im Februar 2015 sollen in der Zentralafrikanischen Republik freie Wahlen stattfinden. Frankreich drängt auf einen Termin noch in diesem Jahr. Das geltende Recht schließt eine Kandidatur der Übergangspräsidentin aus.

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