Virtuell improvisieren - am Welttag des Jazz | Kultur | DW | 30.04.2020
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MUSIK

Virtuell improvisieren - am Welttag des Jazz

Eines konnte der Jazz schon immer: improvisieren. Der Corona-Krise trotzt die Branche deshalb jetzt auf ihre Weise: Am 10. Welttag des Jazz gibt es Online-Konzerte live und rund um den Globus.

Der US-Musiker Herbie Hancock am Piano (picture alliance/dpa/ACN/V. Hernández)

Der US-Pianist Herbie Hancock

Keine der Aufführungen zum "International Jazz Day" der UNESCO an diesem 30. April kann wie geplant stattfinden. Gefeiert wird trotzdem - mit vielen Internet-Aktivitäten. Im Mittelpunkt steht jedoch ein virtuelles weltweites Konzert, moderiert von der lebenden Jazz-Legende Herbie Hancock.

Der US-Jazzpianist und -komponist bringt dabei Musiker aus den verschiedensten Teilen der Welt zusammen, darunter Marcus Miller, Lang Lang, Charlie Puth, Cécile McLorin Salvant, John McLaughlin, Dianne Reeves, Dee Dee Bridgewater, Sibongile Khumalo, Alune Wade, John Beasley, Ben Williams, Lizz Wright, John Scofield und viele andere. Das Konzert beginnt um 15.00 Uhr US-amerikanischer Ostküstenzeit und wird live auf jazzday.com übertragen. Der Twitter-Hashtag für den International Jazz Day lautet: #JazzDayAtHome.

Schon vor dem virtuellen globalen Konzert findet eine Reihe von Meisterkursen statt und darüber hinaus zahlreiche Aktivitäten für Kinder. Pädagogen und Jazzmusiker diskutieren über das Web zu Fragen rund um den Jazz. Übertragen wird all das ebenfalls über jazzday.com. Rund um den Globus - von A wie Argentinien bis Z wie Zambia - beteiligen sich aber auch Jazzclubs, Bands und Radiosender mit eigenen Programmen am "Welttag des Jazz".

Viele Solidaritätskonzerte

"Canta, Nina, Canta" etwa heißt eine Hommage an die US-amerikanische Jazzsängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone, die im Kulturzentrum San Martin in Buenos Aires über die virtuelle Bühne geht. Der australische "Brisbane Jazz Club" lädt zu einer "Jazz Singers 'Jam Night" ein. Das "Heydar Liyev Zentrum" in Aserbaidschan plant "aus Solidarität mit der Weltjazzfamilie" ein spezielles Video aus Anlass des "Baku International Jazz Day". Aus Brasilien wird ein International Jazz Day Festival live auf Instagram übertragen, auf dem Instagram-Account @jazzdaybh. Ein virtuelles Jazz-Festival, das auf YouTube und Facebook übertragen wird, kommt aus Kanada und verspricht ein tägliches Online-Jazzkonzert von heute bis zum 28. Mai. In Deutschland lädt unter anderem der Mannheimer Jazzclub "Ella & Louis" zu einem auf YouTube übertragenen Solidaritätskonzert für von der Corona-Krise betroffene Musiker ein.

Älterer Herr in Anzug steht lächelnd vor Fotowand mit Grammys (picture -alliance/Geisler-Fotopress/D. V. Tine)

Auch Gitarrist John McLaughlin tritt beim Welttag des Jazz auf

Herbie Hancock - König des Jazz

Initiator und mittlerweile auch Schirmherr des "Welttag des Jazz" ist der US-Musiker Herbie Hancock. Die Weltkulturorganisation UNESCO ernannte ihn zum Botschafter für interkulturellen Dialog. Erst vor wenigen Tagen wurde Hancock, der als "König des Jazz" gilt, 80 Jahre alt.

Als einer der erfolgreichsten Komponisten und Interpreten des Jazz hat Hancock bis heute mehr als 200 Alben aufgenommen und unzählige Konzerte gespielt. Dabei unternahm er immer wieder Ausflüge in Klassik, Folklore, Rhythm & Blues, Rock, Pop und Rap. "Beim Jazz geht es um die menschliche Erfahrung", zitiert ihn die UNESCO jetzt auf ihrer Website, "um die Fähigkeit der Menschen, die schlimmsten Umstände und Kämpfe in etwas Kreatives und Konstruktives zu verwandeln." So stehe der Jazz beispielhaft für die gemeinsame Bekämpfung der weltweiten Corona-Pandemie.

Die Solidarität mit Künstlerin und Musikern ist seit der weltweiten Schließung von Musik- und Theaterbühnen ein großes Thema. Vielerorts gab und gibt es Balkon-Konzerte und Live-Events über das Internet. Popstars wie Billie Eilish, die Rolling Stones, Elton John, ebenso wie viele Solisten, Chor- und Orchestermusiker traten bereits vor leeren Rängen oder im Studio auf und gaben ihren Fans so ein Gemeinschaftsgefühl, das viele in den Tagen der Isolation vermissen.

In diesem Jahr sollte das große "Gobal Concert" eigentlich zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden, nämlich im südafrikanischen Kapstadt. Doch nun machte die Corona-Krise den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Sie müssen, wie das seit Wochen alle Kunstbereiche tun, improvisieren. Aber das kann der Jazz ja besonders gut.

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