Manu Dibango: Vater des Afro-Jazz an Covid-19-Erkrankung gestorben | Musik | DW | 24.03.2020
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Corona-Opfer

Manu Dibango: Vater des Afro-Jazz an Covid-19-Erkrankung gestorben

Sein "Soul Makossa" hat ihn weltberühmt gemacht. Nun ist Manu Dibango, der aus Kamerun stammende Saxophonist und Komponist, im Alter von 86 Jahren gestorben – an den Folgen einer Corona-Infektion.

 

Dibango, der neben Saxophon auch Vibraphon und Klavier spielte, lebte zuletzt in Paris. Seine Erkrankung mit der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 wurde vor rund einer Woche bekannt. Nun bestätigten Familie und Management den Tod des als "Papa Groove" bekannten Künstlers, wie französische Medien berichten. Manu Dibango wurde 86 Jahre alt.

Der 1933 in Douala in Kamerun geborene Dibango kam mit 15 Jahren nach Frankreich. Sein Afro-Jazz-Stil machte ihn berühmt. "Soul Makossa" heißt das weltbekannte Stück aus dem Jahr 1972. Er arbeitete mit Größen wie Herbie Hancock oder Youssou N'Dour zusammen und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet.

Erste Gigs in französischen Nachtclubs

In Douala, der größten Stadt Kameruns, war er in ein protestantisch geprägtes Umfeld geboren worden. Er gehörte wie sein Vater zur Ethnie der Yabassi, während seine Mutter eine Duala war. Im französischen Chartres entdeckte er während der 1950er Jahre den Jazz für sich und lernte Klavier spielen. In Reims, wo er sich auf sein Abitur vorbereitete, begann er mit dem Saxophon und fing an, in Nachtclubs aufzutreten - zum Verdruss seines Vaters, der ihm daraufhin den Unterhalt strich.

Manu Dibango auf der Bühne mit Saxofon (DW/A. Gensbittel)

Dibango 2013 in Würzburg

Weitere Lebensstationen wurden Brüssel, wo er seine Frau Coco kennenlernte, Antwerpen und Charleroi. Während dieser Zeit "afrikanisierte" sich sein Jazzstil durch den Kontakt mit der kongolesischen Community, die in Belgien infolge der Zuwanderung aus Zaire vor und nach dessen Unabhängigkeit 1960 wuchs. Der kongolesische Sänger und Bandleader Joseph Kabasélé engagierte ihn für sein Orchester "Le Grand Kallé et l'African Jazz" und nahm mit ihm zahlreiche Platten auf, die in Afrika großen Erfolg hatten.

Soul Makossa

Mit Dibangos Namen wird vor allem der "Soul Makossa" verbunden bleiben. Mit diesem Musikstil eroberte er die Charts der Vereinigten Staaten und schrieb Musikgeschichte, denn er landete 1972 den ersten Nummer-Eins-Hit eines afrikanischen Musikers in den USA überhaupt. Auf der folgenden Tournee knüpfte Dibango Kontakte zu schwarzen Musikern in den USA. Aus einem Mix von afrikanischer traditioneller Musik mit europäischen Kirchenklängen und US-Jazz und -Soul gelang Dibango mit "Soul Makossa" eine "glatte, wirkungssichere Tanzclub-Musik mit griffiger Saxophonverbrämung", wie das Londoner Magazin City Limits damals schrieb.

Auch sorgte "Soul Makossa" dafür, dass der Musikstil Makossa außerhalb Kameruns bekannt wurde. Nach Ansicht des US-Musikhistorikers Piero Scaruffi verdankt gar die Disco-Musik ihre Entstehung diesem Stück. "Mama-se, mama-sa, ma-ma-ko-ssa", dieser Refrain soll 1982 von Michael Jackson in seinem Song "Wanna Be Startin' Somethin" benutzt worden sein, das auf seinem Album "Thriller" erschien. Auch Rihanna soll den Refrain 2006 in ihren Song "Don't Stop The Music"  eingebaut haben. Gegen beide Sänger reichte Manu Dibango Copyright-Klagen ein.

Sängerin Rihanna vor Fotowand (picture-alliance/AP Photo/Invision/E. Agostini)

Bekam es mit Dibango zu tun: Weltstar Rihanna

Der Boom der Weltmusik in den 1990er Jahren förderte Dibangos Bekanntheit.  Im Laufe seiner Karriere und auf vielen Tourneen spielte er mit zahlreichen Musikern zusammen, darunter Fela Kuti, Herbie Hancock und Youssou N'Dour. Nicht nur seine Musik machte Dibango zur gewichtigen Stimme Afrikas. Weil er sich für den kulturellen Austausch mit dem afrikanischen Kontinent einsetzte, zeichnete ihn die UNESCO 2004 als "Künstler für den Frieden" aus. 2013 legte er seine Erinnerungen unter dem Titel "Balade en saxo dans les coulisses de ma vie" ("Saxophon-Spaziergang durch die Kulissen meines Lebens")  vor.

sd/pg (dpa/afp/wikipedia)

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