Vier weitere Galileo-Satelliten gehen auf die Reise | Wissen & Umwelt | DW | 12.12.2017
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Navigationssystem

Vier weitere Galileo-Satelliten gehen auf die Reise

Eine Ariane-5-Rakete bringt heute vier weitere Galileo-Satelliten in den Orbit. Dann sind es 22. Vor einem Jahr hatte das Navigationssystem seinen Dienst aufgenommen. Galileo deckt aber noch nicht den ganzen Globus ab.

Eine Ariane-5-Trägerrakete der Europäischen Weltraumagentur ESA soll am Dienstagabend (12. Dezember 2017) vier neue Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ins All bringen. Damit wären dann 22 der für das System insgesamt geplanten 30 Satelliten im Erdorbit. Es dauert allerdings nach dem Start noch einige Monate, bis die Satelliten fertig konfiguriert sind, und ihre Arbeit aufnehmen können. Von den derzeit im Orbit befindlichen 18 Satelliten sind jetzt 14 voll funktionsfähig. 

Neben frei zugänglichen Diensten wie der Ortung und Navigation soll Galileo unter anderem die Berg- und Seerettung erleichtern sowie Signale des automatischen Notrufsystems für Fahrzeuge ("eCall") übertragen. Außerdem bietet Galileo einen verschlüsselten Service für Regierungsbehörden an, der für Notfallsituationen wie terroristische Anschläge gedacht ist. 

Damit ist die Europäische Union ihrem Ziel, ein zivil kontrolliertes Satellitennavigationssystem aufzubauen, einen wichtigen Schritt näher gekommen. Schlussendlich soll dieses System privaten und kommerziellen Nutzern einmal viel präzisere Daten liefern, als das bisherige US-System GPS es kann. In der Tat ist aber die zweite Generation des GPS praktisch genauso Präzise wie Galileo. In der Praxis ergänzen sich beide Systeme, weil zukünftige Endgeräte Signale von beiden Systemen empfangen können

2016 war ein Rekordjahr 

Offiziell hatte Galileo Ende 2016 seinen Dienst aufgenommen - auch wenn noch keine weltweite Abdeckung erreicht wird. Dazu sind mindestens 24 Satelliten nötig. Dennoch markierte das Jahr einen wichtigen Meilenstein für Galileo. Bis Ende 2018 soll Galileo mit mindestens 24 Satelliten im Einsatz sein. Ab dieser Schwelle gilt das System als voll einsatzbereit. Weitere Starts sind für Juli 2018 und für 2020 vorgesehen. 

Eine "Ariane-5 ES" hatte am 16. November 2016 vier Satelliten mit einem Gewicht von je 738 Kilogramm in den Orbit befördert und damit gleich zwei Rekorde gebrochen. Die Rakete ist das Arbeitspferd der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Noch nie hatte eine Ariane-5 zuvor so viele und so schwere Satelliten gleichzeitig ins All gebracht. Zudem war es der 75. Start einer Ariane-5. Damit überholt sie erstmals den bisherigen Rekord des Vorgängermodells Ariane-4, die 74-mal fehlerfrei gestartet war.

Französisch-Guayana Ariane 5 Rakete auf Startrampe
Französisch-Guayana Ariane 5 Rakete auf Startrampe (Getty Images/AFP/J. Amiet)

Premiere! Erstmals wurden 2016 vier Galileo-Satelliten mit einer Ariane-5 in ihren Orbit gebracht.

Galileo ist eines der großen Prestigeprojekte der Europäischen Union: Anders als das gut zwanzig Jahre ältere US-System GPS unterliegt Galileo ziviler Kontrolle. Galileo stellt seinen privaten und kommerziellen Nutzern das gesamte Präzisionsspektrum zur Verfügung.

Hohe Präzision auch für private und kommerzielle Nutzer

Anders als bei GPS - welches in der Vergangenheit für Privatnutzer Abweichungen von bis zu 15 Metern erlaubte - soll Galileo in seiner Endkonfiguration mit 30 Satelliten für den völlig offenen Dienst eine Präzision von etwa vier Metern erreichen. Kommerzielle Nutzer und Behörden können sogar eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern nutzen. Damit wäre es zum Beispiel theoretisch möglich, Flugzeuge, Autos oder Schiffe sehr präzise automatisiert oder teilautomatisiert zu steuern.

Die hohe Präzision von Galileo war auch ein Grund, weshalb das US-Verteidigungsministerium das System anfangs ablehnte. Die Befürchtung war, dass Gegner der NATO oder anderer Verbündeter es militärisch nutzen könnten. Mittlerweile haben die Ingenieure dieses Problem gelöst. Sie haben eine technische Lösung gefunden, die es dem Militär ermöglicht, die zivilen GPS-Signale im Krisenfall in einem bestimmten Bereich zu "jammen", also zu stören. Die für das Militär reservierten Signale bleiben davon unbeeinträchtigt. Mittlerweile, bietet allerdings auch die zweite Generation des GPS Systems ähnlich gute Werte wie Galileo es einmal erreichen soll. 

 

Symbolbild Küstenwache Italien Lagezentrum Archiv (A. Solaro/AFP/Getty Images)

Die Seenotrettung kann mit Baken ausgestattete Schiffsbrüchige besser orten und ihnen sogar Nachrichten schicken

Und Galileo kann noch mehr, als nur Signale für die Navigation zur Verfügung stellen: Das System wird mit Notrufsatelliten des "COSPAS-SARSAT"-Systems so verknüpft, dass etwa Notrufsignale von Schiffen in Seenot sehr präzise geortet werden können. Zudem ist es damit auch möglich, dass die Rettungsstelle über Satellit Meldungen an den Absender zurückschickt.

Nicht nur ein europäisches Projekt

Neben den Mitgliedsstaaten der ESA sind auch noch zahlreiche weitere Staaten durch verschiedene Beiträge an Galileo beteiligt, unter anderem Indien, Israel, Marokko, Saudi-Arabien, Südkorea und die Ukraine.

Obwohl China mit seinem eigenen Testsystem "Bei Dou" an Satellitennavigation arbeitet, hat sich das Land auch dem Galileo-Projekt durch ein universitäres Trainingszentrum angeschlossen. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung neuer Nutzungskonzepte von Endusern und Firmen - und damit von Produkten für den Markt.

Auch Russland, das mit Glonass ein eigenes Navigationssystem betreibt, ist an Galileo indirekt beteiligt: Alle bisherigen 14 Satelliten wurden mit Sojus-Raketen ins All befördert. Je nach Gestaltung und Programmierung der jeweiligen Navigationsanwendung auf der Erde sind die konkurrierenden Systeme ohnehin miteinander kompatibel und können sich ergänzen.