Viele Tote bei Anschlag auf Polizeischule in Bogotá | Aktuell Welt | DW | 18.01.2019
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Kolumbien

Viele Tote bei Anschlag auf Polizeischule in Bogotá

Der Attentäter soll Mitglied der Guerillaorganisation ELN sein. Er hatte ein mit Sprengstoff beladenes Auto auf das Gelände der Schule gefahren und dort sofort zur Explosion gebracht.

Wenige Stunden nach dem Attentat sind sich die Behörden sicher, den Attentäter identifiziert zu haben. Es soll sich um ein Mitglied der linken Guerillaorganisation ELN handeln. Der Mann habe unter dem Kampfnamen "Mocho Kico" 17 Jahre lang als Sprengstoffexperte in den Reihen der Rebellen im Osten des Landes gedient, berichtete ein Fernsehsender unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft. Ob der Angriff allerdings von der ELN angeordnet wurde, ist noch unklar; die Führung der Rebellen äußerte sich bislang nicht.

Der Täter hatte ein mit Sprengstoff beladenes Auto auf das Gelände der Polizeischule General Santander im Süden der Hauptstadt Bogotá gesteuert und zur Explosion gebracht. Dabei wurden mindestens 21 Menschen getötet und viele weitere verletzt. Eine Mitarbeiterin des Santitätsdienstes der Armee sagte im Radio, das Fahrzeug mit der Bombe sei "plötzlich" auf das Schulgelände gefahren, sofort danach sei die Explosion erfolgt. Staatschef Iván Duque verurteilte die Tat im Kurzbotschaftendienst Twitter als "elenden Terrorakt".

Präsident Duque kündigte seine sofortige Rückkehr von einer Reise in den Nordwesten des Landes in die Hauptstadt an. "Wir Kolumbianer lehnen alle Terrorismus ab, und wir stehen zusammen im Kampf gegen ihn", schrieb er auf Twitter. Der Anschlag mache die Kolumbianer traurig, sie gäben aber nicht der Gewalt nach.

Derzeit keine Verhandlungen zwischen Regierung und ELN

In Kolumbien gibt es gleich mehrere Rebellengruppen, die zum Teil seit Jahrzehnten gegen die Regierung kämpfen. Mit den linksgerichteten FARC-Rebellen hat Duques Vorgänger Juan Manuel Santos im November 2016 ein Friedensabkommen geschlossen und damit die Kämpfe mit dieser Gruppe beendet. Die FARC-Kämpfer gaben ihre Waffen ab, mittlerweile tritt die Gruppe als politische Partei auf.

Die Rebellengruppe ELN dagegen kämpft weiter - derzeit gibt es hier auch keine Gespräche über ein Friedensabkommen. Präsident Duque hat die Wiederaufnahme solcher Gespräche bisher abhängig gemacht von der Freilassung aller Geiseln, die sich in der Gewalt der Gruppe befinden. Der seit August 2017 amtierende Staatschef hat überdies den Kampf gegen den Drogenhandel verschärft.

Bei dem seit mehr als 50 Jahren andauernden Bürgerkrieg zwischen staatlichen Kräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs sind bisher mehr als 220.000 Menschen getötet worden, mehr als fünf Millionen Menschen wurden vertrieben. Das Land ist bis heute zerrissen. Ex-Präsident Manuel Santos wurde für seine Bemühungen zur Beilegung des bewaffneten Konfliktes der Friedensnobelpreis zuerkannt.

ni/bru/rb (afp, dpa, epd)

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